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US-Wegelagerei oder die Spätfolgen New Yorker Baumafia

rtnews by rtnews
16/07/2026
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Ja, vielleicht war das wieder so eine Geschichte, von der morgen schon nicht mehr die Rede ist. Aber wenn Trump von Zoll spricht oder, wie hier, von “Entschädigung” für die Bemühungen um die Straße von Hormus, meint er das leider meistens ernst.

Magistrate, wie bekannt,

gab es nicht im Ritterland.

Wollte einer etwas hab’n,

lauert’ er im Straß’ngrab’n.

(“Die alten Rittersleut”, alter Münchner Faschingsschlager)

Von Dagmar Henn

Wirklich, Iran ist die billigere Lösung. Ein Dollar pro Fass Öl, das waren gerade mal 1,4 Prozent des Warenwerts, nicht 20, wie es jetzt US-Präsident Donald Trump will. Dem irgendwer gesagt haben muss, dass dieser Krieg gegen Iran nicht gerade billig ist, und jetzt versucht, die Finanzierung von allen einzutreiben, die bisher schon darunter leiden mussten.

Wobei es natürlich spannend werden wird, zuzuschauen, wie all die großmäuligen Europäer, die eben noch auf kostenloser Durchfahrt durch die Straße von Hormus bestanden, solange Iran die besagten 1,4 Prozent verlangte, jetzt eifrig ihre Zunge verschlucken werden, um sich dann den 20 von Donald Trump angekündigten Prozent zu unterwerfen. Aber sicher doch, Herr, gerne doch, Herr.

Eigentlich liegt es ja längst auf der Hand, wer hier gerade dabei ist, selbst die einfachsten Regeln des internationalen Handels zu zerstören und die Welt mindestens in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzukatapultieren. Die Briten hatten einst ähnliche Gewohnheiten; aber bestimmt wird noch immer der eine oder andere Trick gefunden, warum es völlig in Ordnung geht, wenn jetzt die USA in einer Weltgegend, in der sie nicht zu Hause sind, Geld verlangen, damit Waren an ihren Kriegsschiffen vorbeitransportiert werden dürfen. Was kommt als Nächstes?

Die asiatischen Länder dürften damit nicht glücklich sein; übrigens alle nicht, selbst jene, die sonst bereitwillig alle möglichen US-Pläne mittragen – denn das nächste Ziel wäre dann vermutlich die Straße von Malakka. Und die 20 Prozent Zoll treffen (neben den Golfstaaten, die begeistert hören werden, dass alle Importwaren 20 Prozent teurer werden sollen) vor allem Asien. Übrigens, dank Helium, auch die Chipproduktion in Taiwan. Und letzten Endes alle Lebensmittel, denn auch der Kunstdünger, der aus den Golfstaaten exportiert wird, würde dann 20 Prozent teurer. Alles zum Wohle des US-Staatshaushalts.

Ziehen dann die Briten die selbe Karte bei Gibraltar und mithilfe der Falklands an der Spitze von Südamerika? Und womit wird China dann kontern? Im Grunde wäre es im weltweiten Interesse, diese Truppe von Schutzgelderpressern in die Schranken zu weisen: Der Spielraum, in dem sich Trump bewegt, ist definiert durch die Bemühungen anderer, einem großen Konflikt auszuweichen, was im Kern eine absurde Situation erzeugt – für die versammelten US-Schiffe vor der Straße von Hormus dürften zwei, drei taktische Atomraketen genügen.

Das ist exakt der Raum, in dem sich die ordinären Schutzgelderpresser auch bewegen, der nicht deshalb existiert, weil es nicht möglich wäre, sie aufzuhalten, sondern weil der Preis dafür höher scheint als der Preis, ihr Treiben hinzunehmen. Wobei man ehrlich sagen muss, dass die globalen Kosten, die es verursachen würde, Trump diesen Schachzug durchgehen zu lassen, so hoch sind, dass eigentlich die grundlegenden Berechnungen neu angestellt werden müssten. Denn was wären die menschlichen Folgen einer globalen Wirtschaftskrise, wie sie dadurch ausgelöst werden könnte? Wieviele Leben kosten allein die 20 Prozent höheren Düngerpreise? Nein, nicht in Europa. Aber es gibt Weltregionen, die da deutlich gefährdeter sind.

Rückblickend tut einem jeder leid, der jemals in New York in Bauprojekte verwickelt war. Wenn das, was Donald Trump hier der Welt vorführt, auch nur ansatzweise repräsentativ dafür ist, wie es in diesem Bereich zugeht, dann sind alle Mafiafilme vom Paten bis zu den Sopranos nur zaghafte Andeutungen. Dann ist ein erfolgreicher Bauherr einfach nur ein erfolgreicher Erpresser. Das passt zu den eigenartigen Projekten wie jenem, das Trumps Schwiegersohn in Albanien verfolgt. Und womöglich war die Zuschreibung all dieses Verhaltens an die Italoamerikaner, wie es die Mafiafilme erfolgreich getan haben, vor allem eine erfolgreiche Ablenkung vom Geschäft der Kosher Nostra …

Das mit Raub und Wegelagerei, das wirkt sich übrigens auch bis nach Deutschland aus: Die Raffinerie in Schwedt soll jetzt, so die Berliner Zeitung, über Polen “südamerikanisches Rohöl” geliefert bekommen. Nachdem das russische Öl eher schwer und sauer ist, übersetzt sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit in – venezolanisches Öl. Das derzeit von den Vereinigten Staaten gestohlen wird, da der Erlös nicht in die Verfügung der venezolanischen, sondern der US-Regierung gelangen dürfte. Ob das ein legales Geschäft ist, ist eine interessante Frage. Vor zehn Jahren hätte man das noch klar und deutlich verneint. Damals überließen die US-Amerikaner den Diebstahl syrischen Öls noch den Kurden. Aber mittlerweile scheint es gar keine Gedanken mehr zu geben, die über den Gewinn des Moments hinausreichen. Wobei es besonders zynisch ist, die ehemals für die DDR gebaute Raffinerie jetzt mit venezolanischem Öl zu betreiben, das unter normalen Bedingungen womöglich nach Kuba ginge …

Womöglich war es ein Fehler, die US-Blockade vor Venezuela nicht zu attackieren. Die Folgen werden von Runde zu Runde massiver, und die Unsicherheit in der globalen Energieversorgung, die diese US-Manöver erzeugen, wäre selbst dann noch lange spürbar, wenn sich morgen alles normalisierte. In den vergangenen Wochen schien es Trump eher um vorübergehende Manipulationen des Ölpreises zu gehen, Runde um Runde Insiderhandel; aber diese Erklärung Trumps ist ein echtes und massives Problem. Auf das eigentlich die berüchtigte “Weltgemeinschaft”, so es sie denn gäbe, einhellig reagieren müsste.

Was nicht geschehen wird. Bundeskanzler Merz oder Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werden sicher, Sommerpause hin, Sommerpause her, zeitig ihren Kotau absolvieren und den Deutschen und den Europäern ihren Anteil an der Schutzgeldzahlung verpassen. Wo käme man denn hin, wenn man etwas wie Rückgrat zeigte oder gar auf solche Dinge wie Verträge zum Welthandel verwiese … Am Boden ist es dank Klimawandel sowieso angenehmer als da oben in der Luft beim aufrechten Gang, da macht eine Runde Kriechen extra auch nichts. Man selber kann sich dafür ja bei den Rückflüssen aus dem Ukraine-Krieg schadlos halten. Bluten muss immer nur der Pöbel.

Da fehlte zur Abrundung eigentlich nur noch, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius jetzt eifrigst Schiffe der Bundesmarine in den Persischen Golf schickt, um der US-Marine zu helfen. Selbstverständlich ohne Bezahlung.

Mal sehen. Vielleicht gibt es überraschenderweise noch den einen oder anderen Fiepser aus Westeuropa zu hören, wenn auch eher nicht aus Deutschland. Da ist man ja diesmal sogar bereit, die Mittelstreckenraketen, die einst von der großen Friedensbewegung der Achtziger als die Kriegsgefahr erhöhend abgelehnt wurden, nicht nur hinzunehmen, sondern auch noch zu bezahlen. Weil Steuergeld wohl insgesamt nicht mehr dafür da ist, notwendige Dinge zu erledigen, wie die Infrastruktur funktionsfähig zu halten oder die Bildung der Bevölkerung zu gewährleisten, sondern nur noch ein Selbstbedienungsladen für Rüstungskonzerne und Schutzgelderpresser ist.

Ja, dumm gelaufen, dass sich so große Teile des Welthandels seit der frühen Neuzeit aufs Meer verlagert haben. Die Strecken, die einst die Fugger reich machten, die großen Handelsstraßen von Nord nach Süd wie von Ost nach West, laufen heute weitgehend an Deutschland vorbei. Die Chancen, selbst den Erpresser zu geben, sind seitdem gering. Aber vielleicht gehen nach dem heutigen Post selbst die geistig geforderten Transatlantiker in sich und überlegen, wie weise es ist, ausgerechnet den größten aller Erpresser zum “Wächter der Straße von Hormus” werden zu lassen.

Mehr zum Thema — USA nehmen Angriffe auf Iran wieder auf – Teheran reagiert mit Gegenschlägen



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Tags: BaumafiadieoderSpätfolgenUSWegelagereiYorker
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