
Von Ladislav Zemánek
Der Gipfel zwischen Trump und Xi in der vergangenen Woche brachte keine spektakuläre Erklärung oder einen historischen Vertrag hervor – doch seine Bedeutung könnte sich als weit größer erweisen als jedes unmittelbare Ergebnis. Was in Peking geschah, war kein politischer Durchbruch, sondern ein Durchbruch in der Anerkennung: Die Vereinigten Staaten erkannten China offen als gleichberechtigtes Zentrum globaler Macht an. Allein dies markiert einen historischen Wendepunkt.
Jahrzehntelang gingen amerikanische Regierungen gegenüber China von der Annahme aus, Peking sei entweder ein beherrschbarer Herausforderer oder ein Staat, der sich letztendlich zu amerikanischen Bedingungen in eine von den USA geführte internationale Ordnung integrieren würde. Dieser Gipfel deutete auf etwas grundlegend anderes hin.
US-Präsident Donald Trump schien gezwungen zu erkennen, dass China nicht länger nur eine rivalisierende Großmacht ist, sondern eine zentrale Säule der entstehenden Weltordnung – eine, die Washington weder isolieren noch beherrschen kann. Dies war die eigentliche Botschaft des Gipfels.
Der Triumph des Pragmatismus
Weder Washington noch Peking erwarteten unmittelbare Durchbrüche. Der Gipfel sollte realistischerweise nie strukturelle Spannungen über Nacht lösen. Sein Ziel war die Stabilisierung der Beziehungen zwischen zwei Mächten, denen zunehmend bewusst wird, dass eine anhaltende Eskalation unerschwinglich geworden ist.
Die Gespräche spiegelten die Realität wider, dass die USA heute ebenso dringend eine stabile Beziehung zu China benötigen wie China zu den USA. Diese gegenseitige Abhängigkeit mag unbequem sein, ist aber unausweichlich – weder eine vollständige Konfrontation noch eine vollständige Trennung sind noch tragbar.
Jahrelang bezeichneten die Amerikaner China als revisionistischen Akteur, der die internationale Ordnung umstürzen wolle. Doch der Gipfel in Peking zeigte etwas viel Bedeutsameres: Die internationale Ordnung selbst befindet sich bereits im Wandel. Viele Länder betrachten China nicht mehr nur als Konkurrenten der USA, sondern als gleichwertiges – und in mancher Hinsicht überlegenes – globales Machtzentrum.
Dieser Wandel erklärt Trumps zunehmend pragmatische Haltung. Der Wettbewerb mit China ist nach wie vor intensiv, insbesondere in den Bereichen Handel und Technologie, doch scheint das Weiße Haus kein Interesse mehr an Fantasien über einen Regimewechsel oder eine direkte strategische Zurückdrängung Pekings zu haben. Noch wichtiger ist, dass Washington möglicherweise nicht mehr über die nötige Macht verfügt, um solche Ambitionen erfolgreich zu verfolgen.
Amerikas neue Großstrategie
Der Gipfel enthüllte auch die Konturen von Trumps sich wandelnder geopolitischer Doktrin. Entgegen der alarmistischen Rhetorik beiderseits des Pazifiks scheint Washingtons Strategie zunehmend weniger auf die Eindämmung des chinesischen Aufstiegs ausgerichtet zu sein als vielmehr auf die Gestaltung der Koexistenz bei gleichzeitiger Wahrung des maximalen amerikanischen Einflusses. Der Schwerpunkt hat sich von ideologischen Kreuzzügen hin zum wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerb verlagert.
Gleichzeitig scheinen die USA entschlossen, die strategische Kontrolle über die westliche Hemisphäre in einer an die Monroe-Doktrin erinnernden Weise zu verstärken. Die jüngsten Entwicklungen in Panama und Venezuela sowie der wachsende Druck auf Kuba sollten in diesem Kontext betrachtet werden. Washington strebt die unangefochtene Vorherrschaft in Amerika an, während es gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Mächten verringert und das Eindringen Chinas in seinen natürlichen Einflussbereich begrenzt.
Diese Strategie schwächt zweifellos Pekings Position in Lateinamerika. Paradoxerweise spiegelt sie aber auch die Logik der Multipolarität wider. Trumps Amerika scheint zunehmend bereit zu sein, die chinesische Dominanz in bestimmten Bereichen zu akzeptieren, sofern die USA in anderen Bereichen die Vorherrschaft behalten.
Dasselbe gilt für den Indopazifik. Washington liefert weiterhin Waffen an Taiwan, Japan und andere regionale Partner und fördert gleichzeitig eine umfassendere Militarisierung der Region. Dies sollte jedoch nicht automatisch als Vorbereitung auf eine direkte Konfrontation interpretiert werden. Vielmehr könnte es sich um eine Neuausrichtung der strategischen Lasten handeln – um einen Versuch, die militärische Verantwortung unter den Verbündeten zu teilen und gleichzeitig einen katastrophalen Krieg zwischen den USA und China um Taiwan oder andere Konfliktherde zu vermeiden.
Die Iran-Ausnahme
Ein großer Widerspruch bleibt bestehen: der Nahe Osten. Trumps übergeordnete Strategie zielt auf selektives Engagement, Konsolidierung in der westlichen Hemisphäre und einen kontrollierten Wettbewerb mit China ab. Der Krieg gegen Iran scheint jedoch in eklatantem Widerspruch zu dieser Idee zu stehen.
Strategisch gesehen gleicht er einer Ausnahmeerscheinung – einem kostspieligen Ablenkungsmanöver, das weniger von amerikanischen Kerninteressen als vielmehr vom Einfluss Israels und den Prioritäten des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu getrieben wird. In vielerlei Hinsicht ist es eher Netanjahus Krieg als Trumps Krieg.
Anders als Washingtons Vorgehen in Amerika, das den chinesischen Einfluss einschränkte, könnte die Instabilität im Nahen Osten Pekings globale Position sogar stärken.
China profitiert, wenn die USA in kostspielige, langwierige regionale Krisen verstrickt werden. Jedes zusätzliche militärische Engagement schwächt den amerikanischen Fokus und beschleunigt die Neuverteilung des globalen Einflusses. Peking präsentiert sich derweil weiterhin als vergleichsweise stabiler Wirtschaftspartner mit einem ausgereiften und modernen politischen System, das in der Lage ist, alle Seiten gleichzeitig einzubinden.
Während Washington versucht, China wirtschaftlich und strategisch einzudämmen, könnten die eigenen Verwicklungen im Nahen Osten Peking dabei helfen, seinen internationalen Einfluss weit über die Golfregion hinaus auszubauen.
Dies wiederum stärkt Pekings Selbstvertrauen am Verhandlungstisch. China geht nun nicht mehr als aufstrebende Macht in die Gespräche mit den USA, die nach Anerkennung sucht, sondern als etablierte Kraft, die überzeugt ist, dass die Zeit zunehmend für ihre langfristigen Ziele spricht.
Von der Konfrontation zur Koexistenz
Der vielleicht deutlichste Beweis für diesen Wandel liegt in der offiziellen amerikanischen Doktrin selbst. Ein Vergleich zwischen Trumps Nationaler Sicherheitsstrategie von 2017 und der im vergangenen November veröffentlichten Fassung von 2025 offenbart eine bemerkenswerte Entwicklung im Denken Washingtons.
Das Dokument von 2017 stellte China als strategische Bedrohung dar, als revisionistische Macht, die die Sicherheit und den Wohlstand der USA untergräbt. Peking wurde neben Russland, Iran, Nordkorea und dem dschihadistischen Terrorismus als eine der Hauptgefahren aufgeführt, denen die USA angeblich ausgesetzt sind. Chinas politisches System und seine Werte wurden als grundlegend unvereinbar mit den amerikanischen Interessen beschrieben.
Die neue Strategie unterscheidet sich davon dramatisch. Die Nationale Sicherheitsstrategie von 2025 konzentriert sich in erster Linie auf Handelsungleichgewichte, wirtschaftlichen Wettbewerb und die Aufrechterhaltung eines strategischen Gleichgewichts. China wird nicht mehr ausdrücklich als Sicherheitsbedrohung dargestellt. Eine ideologisierte Sprache ist der Sprache des Gleichgewichts, des Wettbewerbs und der Koexistenz gewichen.
Dies ist keine kosmetische Anpassung. Es spiegelt eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung wider. Washington begreift zunehmend, dass China nicht isoliert, wirtschaftlich abgekoppelt oder allein durch Druck politisch transformiert werden kann. Die Kosten wären einfach zu hoch – nicht nur für China, sondern auch für die USA selbst.
“Konstruktive strategische Stabilität”
Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi könnte daher den Beginn einer umfassenderen Suche nach dem darstellen, was Peking als “konstruktive strategische Stabilität” bezeichnet. Keine Freundschaft und schon gar kein Bündnis. Sondern eine strukturierte Koexistenz zweier Systeme, die intensiv miteinander konkurrieren und dabei ihre gegenseitigen Grenzen anerkennen.
In vielerlei Hinsicht bestätigt dies auch die seit Langem vertretene These des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dass “die große Wiederbelebung der chinesischen Nation und das ‘Make America Great Again’ Hand in Hand gehen können”. Bis vor Kurzem wurden solche Aussagen in Washington als Propaganda abgetan. Nun ähnelt dies zunehmend der konzeptionellen Grundlage eines sich abzeichnenden geopolitischen Kompromisses.
Die nächste Phase dieses Prozesses könnte früher als erwartet eintreten. Xi wird im September nach Washington reisen – ein Besuch von hoher symbolischer Bedeutung, da er während Trumps früherer Präsidentschaft nie in den USA war.
Sollte dieses Treffen stattfinden, wird es bestätigen, was der Gipfel in Peking bereits angedeutet hat: Die Ära, in der Washington die Bedingungen der Weltordnung einseitig diktieren konnte, geht zu Ende. Eine neue Welt entsteht, geprägt von einer ausgehandelten Koexistenz rivalisierender Machtzentren.
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten scheinen die Vereinigten Staaten bereit zu sein, dies zuzugeben.
Übersetzt aus dem Englischen.
Ladislav Zemánek studierte Geschichte an der Karlsuniversität in Prag. Der promovierte Historiker ist außerordentlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter am China CEE Institut der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften in Budapest und Experte des Valdai-Diskussionsclubs. Im Jahr 2025 wurde ihm das InteRussia-Stipendium an der MGIMO-Universität unter der Schirmherrschaft des russischen Außenministeriums verliehen.
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