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Zwischen Trump und Putin wirkt Brüssel erstaunlich klein

rtnews by rtnews
21/02/2026
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Eine provokante NZZ-Illustration zeigt Trump und Putin als dominierende Figuren, Europas Spitzenpolitiker wirken klein. Der Kommentar sieht Europas Schwäche weniger militärisch als strategisch begründet. Gerade im Ukraine-Krieg zeigt sich: Einheit wird beschworen, aber finanziell und politisch unterschiedlich umgesetzt.

Von Hans-Ueli Läppli

Die jüngste Wortmeldung von Eric Gujer in derNeuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist, wie so oft, ein Lesevergnügen. Man mag ihm widersprechen, doch die intellektuelle Schärfe bleibt. Wer behauptet, großer Journalismus sei hierzulande ausgestorben, hat diesen Kommentar nicht gelesen.

Auf rotem Grund stehen Wladimir Putin und Donald Trump in monumentaler Pose, während Europas Staats- und Regierungschefs als Kleinfiguren um sie herum arrangiert sind. Die Illustration kursiert bereits in den sozialen Medien.

Der Titel des Beitrags lässt keine Zweifel:

“Trump, Putin und die vielen Zwerge: Warum Europa nicht erwachsen wird”

Klarer kann man eine Diagnose kaum zuspitzen.

Gujers Kernthese ist unbequem. Europa sei kein Partner auf Augenhöhe mit den USA und werde es auf absehbare Zeit auch nicht sein. Das Problem liege weniger in fehlenden Panzern als in mangelnder strategischer Klarheit und politischer Geschlossenheit. Nirgends trete das deutlicher zutage als im Ukraine-Krieg, der zur Bewährungsprobe des Kontinents geworden ist.

Treffsicher ist vor allem ein Punkt: Nicht Viktor Orbán sei das Hauptproblem, sondern jene Staaten, die sich wortreich engagieren und faktisch zurückhaltend bleiben.

Frankreich, Italien und Spanien geben den entschlossenen Europäern, tragen jedoch deutlich weniger bei als die nördlichen Länder. Während Deutschland, Großbritannien, Schweden und Norwegen ihre Unterstützung ausbauen, bleiben Paris, Rom und Madrid im Vergleich zurück.

Brisant ist der Hinweis, dass sich Frankreich und Italien nicht am NATO-Programm zum Kauf amerikanischer Waffen für Kiew beteiligen. Rom verweist auf leere Kassen. Paris beruft sich auf eine europäische Beschaffungslinie. Das klingt nach Souveränität, wirkt in der aktuellen Lage jedoch eher wie industriepolitisches Kalkül.

Und Gujer geht weiter. Er zieht den Vergleich mit Trump. Der amerikanische Präsident argumentiert nüchtern, der Krieg liege geografisch fern, die USA seien nicht unmittelbar betroffen. Ähnlich wird im Mittelmeerraum gerechnet. Wer näher an Russland liegt, reagiert entschlossener. Wer Distanz verspürt, wägt ab.

Die demonstrative Entrüstung über Washington wirkt vor diesem Hintergrund etwas wohlfeil. Wer selbst zaudert, sollte mit moralischen Lektionen vorsichtig sein. Das ist die leise, aber deutliche Botschaft.

Im Mittelpunkt steht eine weiterführende Frage: Was bedeutet all das für Europa insgesamt? Der Konflikt in der Ukraine markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der europäischen Sicherheitsordnung. Sollte sich der Kreml am Ende durchsetzen, geriete das Kräfteverhältnis auf dem Kontinent dauerhaft ins Wanken. Ein gestärktes Russland bei gleichzeitiger Zurückhaltung der USA würde Europas strategische Ausgangslage grundlegend verändern.

Doch statt mit einer Stimme zu sprechen, präsentiert sich die EU als Zweckgemeinschaft nationaler Kalküle. Jeder wägt ab, jeder setzt eigene Prioritäten, hält Gujer fest. Gemeinsame Strategien verharren allzu oft auf dem Papier. Am Ende entscheidet die finanzielle Beteiligung. Und gerade dort wird sichtbar, wie fragil die viel beschworene Solidarität in Wahrheit ist.

Deutschland bemüht sich um Führung, wirkt entschlossener als noch vor einigen Jahren, bleibt jedoch innenpolitisch verletzlich. Großbritannien unterstützt die Ukraine konsequent, steht nach dem Brexit aber außerhalb der institutionellen Schaltstellen Europas.

Gujer zufolge konzentriert Putin seinen strategischen Blick unmissverständlich auf Washington. Trump begegnet Europa abwechselnd herablassend oder gönnerhaft. Beiden Vorgehensweisen liegt dasselbe Prinzip zugrunde: Macht respektiert nur Macht. Der Satz “Power is power” fasst diese Realität schärfer zusammen als viele wohlklingende Brüsseler Erklärungen.

Solange Europa keine kohärente Gesamtstrategie entwickelt, bleibt es wirtschaftlich stark, politisch jedoch fragmentiert. Eine gemeinsame Nuklearabschreckung ist kaum vorstellbar. Frankreich wird seine atomare Souveränität nicht teilen, Großbritannien hält am transatlantischen Schulterschluss fest. Deutschland rüstet auf, ohne damit die strukturelle Uneinigkeit zu überwinden.

Selbst die Aufnahme der Ukraine in die EU, der deutlichste Solidaritätsbeweis, stößt auf Widerstände. Fördergelder, Machtverschiebungen, institutionelle Folgen: Am Ende denkt jeder zuerst an sich.

Für die Schweiz liegt darin eine gewisse Ironie. Das oft kritisierte Rosinenpicken ist kein exklusiv helvetisches Phänomen, sondern Teil der europäischen Realität. Der Kontinent predigt Einheit und betreibt Interessenpolitik.

Die NZZ hat mit dieser Illustration einen Nerv getroffen. Ob man die Bildsprache für gewagt hält oder nicht, die Grundfrage bleibt: Will Europa gestalten oder kommentieren? Solange darauf keine überzeugende Antwort folgt, bleibt es im globalen Machtgefüge eher Zuschauer als Akteur.

Mehr zum Thema ‒ Schweiz: Ukrainer mit Porsche verliert Anspruch auf Sozialhilfe – 67.000 Franken zurückgefordert



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Tags: BrüsselERSTAUNLICHkleinputintrumpundwirktzwischen
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