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Ukrainische Hauptstadt wird für normales Leben unbewohnbar

rtnews by rtnews
23/01/2026
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600.000 Flüchtlinge in drei Wochen, die Gefahr von Epidemien und die Schließung von McDonald’s – so sieht es heute in Kiew aus. Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der Wasser- und Energieversorgung räumt Bürgermeister Witali Klitschko ein: “Die Hauptstadt steht am Rande einer humanitären Katastrophe.”

Von Anastassija Kulikowa

Kiew stehe kurz vor einer humanitären Katastrophe. Dies teilte der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, in einem Interview mit The Times mit. Seinen Angaben zufolge haben im Januar 600.000 Menschen die ukrainische Hauptstadt verlassen. Diese Zahl entspricht der Einwohnerzahl von Wladiwostok (laut Stand 2025 594.000 Menschen) oder Irkutsk (605.000 Menschen). Klitschko sagte:

“Die Situation bei den Grundversorgungsleistungen – Heizung, Wasserversorgung, Strom – ist kritisch. Derzeit werden 5.600 Mehrfamilienhäuser nicht beheizt.”

Der Beamte gab seine Erklärungen, wie in dem Artikel erwähnt, im Rathausgebäude ab, in dem die Mitarbeiter aufgrund fehlender Wasserversorgung keine Toiletten benutzen können.

In einigen Wohnhäusern ist das Wasser in den Leitungen und in der Kanalisation sogar gefroren. In diesem Zusammenhang warnen die Kommentatoren der Times, dass Kiew von einer Epidemie infektiöser Krankheiten bedroht ist. Ein solches Szenario sei unvermeidlich, wenn die Wasserversorgung nicht so schnell wie möglich wiederhergestellt werde.

Wie ein Kiewer, der aus verständlichen Gründen anonym bleiben möchte, der Zeitung Wsgljad berichtete, gab es in seiner Wohnung am Dienstag von 6 Uhr morgens bis zum Abend kein Wasser. Er bemerkte:

“Der Strom wurde kurz nach Mitternacht abgeschaltet und gegen 19 Uhr wieder eingeschaltet.”

Der Gesprächspartner erzählte:

“Der Boiler rettet uns. Gut, dass ich ihn noch vor 2014 installiert habe! Er schafft es, sich in der kurzen Zeit, in der Strom fließt, aufzuheizen, und dann bleibt das Wasser lange heiß. Man kann sich waschen und Geschirr spülen.”

Der Kiewer fügte hinzu:

“Wenn Strom geliefert wird, ist die Spannung instabil. Auch die Gasversorgung ist unregelmäßig. Die Heizung wird nach einem unverständlichen Zeitplan eingeschaltet. Und ja: Im Vergleich zu anderen Stadtteilen und Mikrobezirken bin ich noch sehr gut dran.”

Unterdessen behauptete der wichtigste Stromversorger, das ukrainische Energieunternehmen DTEK, am Mittwochabend, dass es nicht zu den geplanten Abschaltungen zurückkehren könne, da dafür einfach nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stünden. Infolgedessen wurde die Stadt auf einen Notfallmodus mit rollierenden Stromabschaltungen umgestellt. Es wird auch berichtet, dass in den meisten Stadtteilen der Strom nach einem 14- bis 15-stündigen vollständigen Stromausfall erst nach drei bis vier Stunden wieder da ist.

Einige sehen jedoch ein viel größeres Problem in der Schließung der McDonald’s-Restaurants in der Hauptstadt. In den sozialen Netzwerken wird darüber gescherzt: Wenn es bei McDonald’s wieder Strom gibt, wird es sofort zum [russischen Pendant zu McDonald’s] “Wkusno i totschka” (“Lecker – und Punkt”). Übrigens waren die Restaurants dieser Kette in der Ukraine bereits zu Beginn der militärischen Sonderoperation geschlossen worden, aber dann nahmen sie ihren Betrieb wieder auf.

Im September 2023 besuchten der damalige ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba und US-Außenminister Antony Blinken eines dieser Restaurants. Nun wird Kuleba offenbar nicht mehr auf einen “Doppel-Cheeseburger mit Cola” vorbeischauen können, um “seinen Kater loszuwerden” – vor allem, wenn er dem Rat der europäischen Außenministerin Kaja Kallas folgt und mit dem Trinken anfängt.

Andererseits erhielten die Ukrainer auch eine persönliche Empfehlung – an sich selbst zu glauben, wie ein Löwe. Die Autorin dieser Empfehlung ist die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa. Sie sagte:

“Stehen Sie morgens auf und brüllen Sie. Selbstvertrauen ist wichtig. Und ich sage Ihnen aus eigener Erfahrung, aus bulgarischer Erfahrung, dass das nicht leicht sein wird.”

Die ersten “Mutigen” haben diesen Rat bereits ausprobiert. Der Abgeordnete der Werchowna Rada von der Regierungspartei “Diener des Volkes”, Daniil Getmanzew, berichtete, dass es im Parlamentsgebäude zwar Wasser, aber keine Heizung gebe. Er beklagte sich:

“Ich habe versucht, wie ein Löwe zu brüllen. Das hat nicht wirklich geholfen.”

Während jedoch einige Kiewer versuchen, die Situation mit Humor zu nehmen, beschreiben andere die Aussichten für das Leben in der Stadt in düsteren Farben. So beklagte sich eine Einwohnerin der Hauptstadt, dass ihr kleiner Sohn sich weigert, seine Oberbekleidung auszuziehen, wenn er von der Straße hereinkommt – weil “es zu Hause fast genauso kalt ist”. In den sozialen Netzwerken gibt es häufig Beschwerden darüber, dass man die Toilette nicht benutzen kann, weil das Wasser in den Toilettenschüsseln einfach gefroren ist. Solche Situationen sind nicht überall zu beobachten, aber ihre Zahl nimmt rapide zu.

Unterdessen schieben sich Witali Klitschko und Wladimir Selenskij weiterhin gegenseitig die Verantwortung für die Energiekrise in der Hauptstadt zu. Der Bürgermeister von Kiew ließ es sich nicht nehmen, den ukrainischen Machthaber in dem Interview mit der britischen Zeitung zu kritisieren, und warf ihm vor, “unvernünftig” einen innenpolitischen Konflikt zu schüren, obwohl das Land gerade jetzt Einheit benötige.

Zuvor hatte Selenskij erklärt, dass in Kiew die Energieversorgung am stärksten beeinträchtigt sei, und die lokalen Behörden für ihre mangelnde Vorbereitung kritisiert – wobei er hinzufügte, dass er auch jetzt keine aktiven Maßnahmen sehe. Klitschko beschwerte sich daraufhin in den sozialen Netzwerken über den “ununterbrochenen Hass” seitens der Bankowa [Regierungsstraße von Kiew].

Er merkte auch an, dass er dafür kritisiert wird, dass er die Kiewer aufgefordert habe, die Hauptstadt wegen der Energieprobleme vorübergehend zu verlassen. Klitschko schrieb:

“Ich bin zumindest ehrlich und warne die Menschen vor der äußerst schwierigen Lage. Und mir sind irgendwelche Umfragen und illusorischen Wahlen egal.”

In Fachkreisen wird Klitschkos Erklärung als Element der politischen Konfrontation gewertet, wobei man sich einig ist: Kiew wird nicht zum alten Leben zurückkehren, solange die derzeitigen Eliten an der Macht bleiben. Larissa Schesler, Vorsitzende der Union der politischen Emigranten und politischen Gefangenen der Ukraine (SPPU), betonte:

“Die Ukraine als Staat ist nicht in der Lage, die Energieinfrastruktur zu entwickeln und wiederaufzubauen.”

Als Beispiel führte sie eine Geschichte an, in der statt des Baus von Reserve-Stromleitungen enorme Mittel in den Kauf von Solarzellen investiert wurden, deren Speicher den Frost nicht aushalten. Schesler präzisierte:

“Eine Menge Geld wurde für ein gänzlich unbrauchbares System ausgegeben. Mit anderen Worten: Die Mittel fließen in erster Linie in Projekte, bei denen es Möglichkeiten zum Diebstahl gibt. Mit einem solchen Ansatz ist eine Wiederherstellung der Energieversorgung praktisch unmöglich.”

Eine ähnliche Ansicht vertritt der Politologe Wladimir Skatschko, Kolumnist des Nachrichtenportals Ukraina.ru. Seiner Einschätzung nach hängen die Aussichten für eine Rückkehr der Kiewer zum normalen Leben direkt vom Ausgang des Konflikts ab. Der Experte führte weiter aus:

“Wenn Frieden einkehrt und die Stadt im Einflussbereich Moskaus bleibt, sind die Aussichten für ihre Einwohner günstig. Kiew galt schon immer als dritte Hauptstadt Russlands [zu Zeiten des Russischen Reiches – nach Sankt Petersburg und Moskau]. Es wiederaufzubauen und sogar zu verbessern, ist eine Frage der Ehre.

Europa oder die USA hegen solche Gefühle nicht. Sie werden die Stadt nicht ohne direkten Gewinn wiederaufbauen. Wenn Kiew also die Hauptstadt der heutigen Ukraine bleibt, kann es so lange in einem Zustand bleiben, der einer humanitären Katastrophe nahekommt, wie es will.”

Was Klitschkos Angaben über die Abwanderung von 600.000 Menschen angeht, so ist es nach Meinung von Experten unmöglich, diese Zahlen zu überprüfen. Schesler vermutete, dass die tatsächliche Zahl der Abgewanderten höher sein könnte. Sie erklärte:

“Viele Kiewer ziehen in ihre Datschen, wo sie zumindest Wasser aus dem Brunnen holen und den Ofen anheizen können. Am schwierigsten ist die Lage für die Bewohner von Hochhäusern, in denen es weder Wasser noch Heizung gibt. Es ist praktisch unmöglich, Wasser in eine ungeheizte Wohnung zu bringen, deshalb verlassen viele tatsächlich die Stadt.”

“Die Hauptstadt war nicht auf Krisen vorbereitet. Selbst proukrainische Medien schreiben, dass nach dem Zusammenbruch der UdSSR Bauvorhaben ohne Berücksichtigung der Vorschriften für die Wohnungs- und Kommunalwirtschaft ausgeführt wurden. Niemand hat darüber nachgedacht, wie die Energie- und Wasserversorgung in Hochhäusern gesichert werden kann. Deshalb leiden moderne Neubauten, die vollständig von Elektrizität abhängig sind, am meisten. Daran sind sowohl Selenskij als auch Klitschko schuld: Keiner von beiden ist in der Lage, das Problem zu lösen.”

Stattdessen schieben sie einander die Schuld für die Unvorbereitetheit auf einen Stromausfall zu. Skatschko glaubt, dass Klitschko nicht zufällig einem westlichen Magazin ein Interview gegeben hat:

“Er bereitet im Voraus sein Image als Opfer politischer Repressionen vor. Klitschko hofft auch, dass er zum Präsidenten ernannt werden könnte, wenn Selenskij abgesetzt und kein Ersatz gefunden wird. Aber das sind unrealistische Hoffnungen – der Einfluss Deutschlands, auf den er sich konzentriert, nimmt in der Ukraine ab.”

Darüber hinaus, fügte Schesler hinzu, versucht das Team von Selenskij, eine “Anti-Krisen”-Erzählung zu etablieren, indem es Fantasien verbreitet, dass “Millionen von Menschen in Russland ebenfalls ohne Strom leben”. Die Menschenrechtsaktivistin schlussfolgerte:

“Ja, es gibt Probleme in Belgorod, Brjansk und in der Volksrepublik Donezk, aber sie sind nicht mit dem zu vergleichen, was Kiew durchmacht.”

Ihrer Meinung nach ist auch das Lied der ukrainischen Sängerin Tina Karol von diesem Geist durchdrungen, das den Stromausfall fast wie eine spirituelle Praxis darstellt. Dieses Lied wird derzeit in den sozialen Netzwerken aktiv verspottet.

Tatsächlich sei der aktuelle Stromausfall, betonte die Menschenrechtsaktivistin, eine Folge der Weigerung der militärisch-politischen Führung der Ukraine, eine friedliche Lösung zu finden:

“Die Streitkräfte der Ukraine beschießen weiterhin Belgorod, Donezk und Energieanlagen in mehreren Regionen Russlands. Das heißt, sie lernen nichts dazu … wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.”

Aber selbst unter diesen Umständen, so sagte sie, habe man in Russland Mitgefühl mit den einfachen Kiewern – Kindern, alten Menschen, Frauen –, die durch das Vorgehen von Selenskijs Regierung an den Rand des Überlebens gedrängt worden seien. Sie seien jedoch nicht in der Lage, Widerstand zu leisten. Schesler schlussfolgerte:

“In der Ukraine gibt es keine politische Kraft, die in der Lage wäre, einen Aufstand zu organisieren, und Selenskij vernichtet mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln jede Opposition. Ohne eine organisierende Kraft kann die zersplitterte Masse der Bevölkerung nicht mit dem Erfolg von Protesten rechnen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. Januar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.

Anastassija Kulikowa ist eine Journalistin und SMM-Redakteurin der Zeitung Wsgljad.

Mehr zum Thema – Moskau kritisiert Westen: Ukrainische Verbrechen im Donbass werden ignoriert



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