
Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gaben am Dienstag bekannt, dass sie sich aus dem Lager Al-Hawl im nordöstlichen Gouvernement Hasaka zurückgezogen haben. In dem Lager sind Tausende IS-Gefangene und ihre Familien untergebracht.
In einer Stellungnahme erklärte die kurdische Verwaltung in Nordostsyrien (AANES):
“Aufgrund der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft gegenüber der IS-Frage und ihres Versagens, ihrer Verantwortung bei der Bewältigung dieses ernsten Problems nachzukommen, sahen sich unsere Streitkräfte gezwungen, sich aus dem Lager Al-Hawl zurückzuziehen und sich in Gebiete rund um die Städte im Norden Syriens zu verlegen, die zunehmenden Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt sind.”
Das Lager Al-Hawl steht seit über zehn Jahren unter der Kontrolle der SDF. Es beherbergt Tausende IS-Gefangene und ihre Familien und gilt als Brutstätte für Extremismus und Gewalt.
Die Erklärung fiel mit einem massiven Angriff der syrischen Regierung auf den Norden zusammen. Dort haben die SDF und die mit ihnen verbündete, von den USA unterstützte Autonome Verwaltung Nord- und Ostsyriens (AANES) seit Jahren ihren Sitz.
In den letzten zwei Tagen griffen syrische Truppen mehrere von den SDF betriebene IS-Haftlager an. Wie die SDF bekannt gaben, fiel das Al-Schaddadi-Gefängnis in Hasaka am Montag an die Regierungstruppen.
Nachdem das Gefängnis von Al-Schaddadi am 19. Januar gefallen war, warfen die SDF den USA vor, ihre Hilferufe ignoriert zu haben. Die Syrischen Dekomkratischen Kräfte sind seit 2015 Washingtons wichtigster Verbündeter in Syrien.
“Das Gefängnis von Al-Schaddadi liegt nur etwa zwei Kilometer von der Basis der internationalen Koalition der USA in der Region entfernt. Trotz wiederholter Hilferufe griff die US-Basis nicht ein”, hieß es.
Am Montagabend teilte ein Sprecher der SDF der Nachrichtenagentur Rudaw zudem mit, dass während des Angriffs der Regierung auf Al-Schaddadi 1.500 IS-Häftlinge ausgebrochen seien.
Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld für diese Angelegenheit. Während die SDF angaben, die Angriffe der Regierung hätten IS-Kämpfern die Gelegenheit gegeben freizukommen, behauptet Damaskus, die SDF hätten sie absichtlich freigelassen.
In den sozialen Medien zirkulieren unbestätigte Berichte und Videos, die zeigen sollen, wie syrische Soldaten der Regierung in Damaskus Zellen öffnen und Dutzende Kämpfer freilassen.
#BREAKING NEWS video ISIS, Turkish intelligence, and Syrian regime forces freed all ISIS prisoners inside Markade Prison in Syria. pic.twitter.com/MXglcQibTW
— Botin Kurdistani (@kurdistannews24) January 19, 2026
Hundreds of the most dangerous ISIS terrorists in the world are escaping right now from al-Hol Prison, after Jolani’s ISIS gangs released them – with American backing. They had been held there by the Kurds. pic.twitter.com/C4BNznwTjx
— tmusick (@tmusick78) January 19, 2026
In den letzten Tagen hat die syrische Armee große Teile Nord- und Ostsyriens erobert, darunter alle wichtigen Ölfelder sowie mehrere strategisch bedeutsame Städte wie Raqqa. Vorausgegangen waren heftige Kämpfe zwischen den SDF und der syrischen Armee in Aleppo, wo kurdische Kräfte kaum noch präsent sind.
Der syrische Machthaber Ahmad al-Scharaa hatte sich am 19. Januar in Damaskus mit SDF-Chef Mazloum Abdi getroffen. Ein kurdischer Beamter sagte jedoch gegenüber Rudaw, das Treffen sei “nicht positiv” verlaufen.
Abdi hatte zunächst angekündigt, das von den USA unterstützte Waffenstillstandsabkommen vom 18. Januar zu akzeptieren, um “das Blutvergießen zu beenden” und einen umfassenden Bürgerkrieg zu vermeiden. Das Abkommen sah die Übergabe der Provinzen Deir Ezzor und Raqqa sowie aller Grenzübergänge, Öl- und Gasfelder in der Region an die syrische Zentralregierung vor.
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