
Von Boris Dscherelejewski
Am 15. April begehen die Soldaten der Einheiten und Verbände der elektronischen Kampfführung Russlands jedes Jahr ihren Berufsfeiertag – den Tag des Spezialisten für elektronische Kampfführung. Dieses Datum führt uns zurück zu Ereignissen vor 122 Jahren, in die Zeit des Russisch-Japanischen Krieges.
Damals, am 15. April 1904 (dem 2. April nach dem altem Kalender), gelang es den Funkerinnen und Funkern des Geschwaderschiffes “Pobeda” und der Flottentelegrafenstation, mithilfe von Funkstörungen die Kommunikationsverbindung zwischen den japanischen Panzerkreuzern “Nisshin” und “Kasuga” sowie dem Artilleriebefehlshaber, der deren Feuer auf Port Arthur und die dort vor Anker liegende russische Flotte korrigierte, zu stören. Genau dieses Ereignis war nicht nur in der russischen, sondern auch in der weltweiten Militärgeschichte der erste Fall von elektronischer Kriegsführung im Kampf.
Ein Jahr vor diesem Ereignis hatte der russische Ingenieur und Erfinder des Radios, Alexander Popow, die theoretischen Grundlagen der Funkaufklärung und der Erzeugung von Funkstörungen geschaffen. Er sagte voraus, dass ein stärkeres Signal auf der Frequenz des Gegners dessen Funkverkehr stören könne. Tatsächlich legte Russland sowohl die theoretischen als auch die praktischen Grundlagen für elektronische Kampfführungssysteme.
In den 1930er Jahren wurden die Funkaufklärungseinheiten aus dem Zuständigkeitsbereich der Fernmeldetruppen herausgelöst und dem Aufklärungsamt des Generalstabs der Roten Armee unterstellt. Die dort eingerichtete Abteilung für Funkaufklärung befehligte separate Funkdivisionen für Sonderaufgaben. Im Dezember 1942 wurde ihr Aufgabenbereich erweitert: Durch einen Beschluss des Staatlichen Verteidigungskomitees, unterzeichnet von Josef Stalin, wurde im Rahmen der Abteilung für militärische Aufklärung des Generalstabs der Roten Armee zusätzlich eine Abteilung zur Leitung der Arbeit von Störfunkstationen eingerichtet. Es wurde die Aufgabe gestellt, drei Funkdivisionen mit Mitteln zur “Störung” feindlicher Funkstationen zu bilden. Dies waren im Grunde genommen die ersten regulären Einheiten der elektronischen Kampfführung innerhalb der Roten Armee.
Bis heute haben die Technologien zur Informationsübertragung mittels elektromagnetischer Wellen im militärischen Bereich eine der wichtigsten Positionen eingenommen. Dementsprechend hat die Bedeutung der elektronischen Kampfführung um ein Vielfaches zugenommen. Noch stärker wurde die elektronische Kampfführung jedoch durch die militärische Sonderoperation beeinflusst. Es gilt als allgemein anerkannt, dass sich das Gesicht der modernen Kriegsführung vor allem durch den massiven Einsatz von Drohnen verändert hat. Da ist es nur logisch, dass auch eines der wichtigsten Mittel zur Bekämpfung von Drohnen eine völlig neue Qualität erhalten hat – und zwar die Mittel der elektronischen Kampfführung.
Die wichtigste Veränderung ist die “Demokratisierung” der elektronischen Kampfführung, genauso wie die Entwicklung der Drohnen von großen Fluggeräten zu winzigen Geräten.
Früher galten Einheiten der elektronischen Kampfführung als Geheim- und Spezialverbände, und die Mittel der elektronischen Kampfführung waren sperrig und sehr komplex. Heute ist alles anders. Systeme der elektronischen Kampfführung sind zu unverzichtbaren Begleitern von Soldaten (sowie Freiwilligen und Kriegsberichterstattern) geworden, die sich im Kampfgebiet befinden. Jedes Transportmittel, jedes gepanzerte Fahrzeug und jede Feuerposition muss heute standardmäßig mit einem elektronischen Kampfführungssystem ausgestattet sein.
Darüber hinaus werden kompakte elektronische Geräte zur Bekämpfung von Drohnen mitunter sogar von Soldaten getragen, die zu Fuß im Einsatz sind (sogenannte “Drohnenjäger”). In den letzten drei Jahren sind sie zu einem nahezu unverzichtbaren Instrument der Kampfhandlungen geworden. Der Großteil dieser “Drohnenabwehrgeräte” wird von Spezialisten direkt an der Front montiert und modernisiert, entsprechend der sich ändernden Einsatzlage.
Der Zweck all dieser Geräte ist die Bekämpfung der “kleinen Luftwaffen” – der Angriffsdrohnen des Gegners, die zu einem der wichtigsten Angriffssysteme der modernen Kriegsführung geworden sind. Die militärische Sonderoperation ist ohne Mittel der elektronischen Kampfführung nicht vorstellbar, da noch nie zuvor in Kampfhandlungen elektronische Mittel zur Unterdrückung und Aufklärung so weit verbreitet waren. Zu Letzteren zählen beispielsweise auch Drohnen-Detektoren, über die heute fast jeder Soldat verfügt.
Zu den Aufgaben der elektronischen Kampfführung der Streitkräfte gehören die Ortung von Funkquellen und die Bestimmung der Art der Bedrohung. Dabei kann es sich nicht nur um Angriffsdrohnen handeln, sondern auch um Aufklärungsdrohnen oder hochpräzise Waffen mit Navigationssystemen. Anschließend erfolgt die Auswahl der Störmethoden, die direkte Erzeugung von Störungen und das Ausblenden von Signalen mit dem Ziel, die Funkkanäle zur Steuerung der Drohnen zu blockieren und die Steuerungsmodule von Raketen oder Lenkbomben außer Gefecht zu setzen, indem die GPS-Navigationssysteme desorientiert werden.
Eigentlich sind in dieser Situation elektronische Kampfführung und elektronische Aufklärung untrennbar miteinander verbunden. Um beispielsweise die Steuerkanäle der gegnerischen FPV-Angriffsdrohnen zu stören, muss der von ihnen genutzte Frequenzbereich genau bestimmt werden. Dabei wechselt der Feind ständig die verschiedenen Betriebsfrequenzbereiche seiner Drohnen, um deren Steuerbarkeit zu schützen.
Der Gegner beklagt sich regelmäßig über den Einsatz von Mitteln der elektronischen Kampfführung durch die russischen Truppen. So schrieb beispielsweise das Military Watch Magazine:
“Es bleibt unklar, wie die russischen Streitkräfte die Wirksamkeit von HIMARS-Raketen so stark verringern konnten. Nach den im Westen vorliegenden Informationen geschieht dies höchstwahrscheinlich aufgrund einer deutlich verstärkten elektronischen Kriegsführung, bei der neue Mittel zur Unterdrückung feindlicher Raketen zum Einsatz kommen.”
Britische und US-amerikanische Militäringenieure sind gezwungen, erhebliche Anstrengungen darauf zu verwenden, die Software der Leitsysteme ihrer Waffen neu zu programmieren, um die russischen elektronischen Gegenmaßnahmen zu umgehen.
Zweifellos stehen wir erneut, wie schon so oft in der Militärgeschichte, vor einem Wettstreit zwischen Schild und Schwert. So wurde der Einsatz von Glasfaserkabeln in Drohnen und deren Autonomie durch die Integration von KI-Elementen zu einem Mittel zur Überwindung von Systemen der elektronischen Kampfführung. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch für dieses Problem keine Lösung gefunden wird, unter anderem mit Hilfe der Weiterentwicklung der elektronischen Kampfführung, in deren Rahmen bereits mehrfach Wege gefunden wurden, scheinbar absolut geschützte Systeme zu knacken.
Aber die Bekämpfung der Angriffsmittel des Gegners ist nicht die einzige Aufgabe der elektronischen Kampfführungstruppen. Sie sind nach wie vor damit beschäftigt, die Kommunikationsverbindungen zwischen den gegnerischen Verbänden und den Kommandozentralen zu stören. Dabei können moderne Systeme sowohl analoge als auch digitale Kommunikationssysteme stören, selbst innerhalb einer kleinen Gruppe, eines Schiffes oder eines Kampffahrzeugs, sofern diese drahtlos sind und nach dem WLAN-Prinzip funktionieren.
Zudem sorgen die Einheiten der elektronischen Kampfführung dafür, der Funkaufklärung des Gegners entgegenzuwirken und Radarsysteme zu stören. Sie sind in der Lage, die Funktionsfähigkeit von Navigationsgeräten nicht nur von Raketen und Drohnen, sondern auch von Schiffen, Flugzeugen und strategischen Aufklärungsdrohnen zu beeinträchtigen.
Vor nicht allzu langer Zeit beklagte sich Großbritannien über angebliche Fälle der Störung britischer Militärsatelliten durch bestimmte russische Bodensysteme. Trotz des spekulativen Charakters solcher Aussagen bestätigen diese Anschuldigungen per se die Befürchtungen und den Respekt des Westens gegenüber den russischen Mitteln der elektronischen Kampfführung. Die Tatsache, dass die russischen elektronischen Kampfsysteme und die damit arbeitenden Spezialisten die besten der Welt sind, wird im Rahmen der militärischen Sonderoperation in der Ukraine tagtäglich bestätigt.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 15. April 2026 auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.
Boris Dscherelejewski ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.
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