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Seit eh und je – Krieg und Geld gehen Hand in Hand

rtnews by rtnews
23/03/2026
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Seit Jahrtausenden marschieren Krieg und Geld zusammen. Daran hat sich nichts geändert, außer dass mit der geldpolitischen Erfindung der Zentralbanken diese zu den unsichtbaren Zahlmeistern der Herrschenden geworden sind. Die Kosten der Kriege (Geldentwertung) trägt natürlich weiter die Bevölkerung.

Von Rainer Rupp

Offiziell gelten die Zentralbanken der Staaten als neutrale Hüter der wirtschaftlichen Stabilität; sie sind Schiedsrichter, Thermostat und Notarzt des Finanzsystems zugleich. In Wirklichkeit wurden sie jedoch geschaffen, um Regierungen bzw. die jeweils herrschenden Eliten in die Lage zu versetzen, Kriege zu führen, ohne dass der Staat sofort pleitegeht. Je länger ein Konflikt dauert, desto mehr Geld muss jedoch gedruckt, geliehen oder aus dem Nichts herbeigezaubert werden. Letzteres kann heute per Computermausklick geschehen. Die Geschichte der Staaten zeigt dieses Muster mit brutaler Konsequenz, was aktuell mit Blick auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bestätigt wird, die sich in diese uralte Zwickmühle manövriert hat, wobei es schlimme Folgen für die US-Wirtschaft haben wird – egal, was sie tut.

Die Blaupause für die moderne Zentralbank entstand 1694 in London. Großbritannien lag im erbitterten Krieg gegen Louis XIV., und König Wilhelm III. brauchte dringend Geld. Die Lösung: Die Bank of England wurde gegründet – eine private Institution, die dem Staat Kredite gab, Banknoten druckte und Anleger mit Staatsanleihen fütterte. Das Modell funktionierte so gut, dass es auch auf dem europäischen Kontinent eingeführt wurde.

In den “Napoleonischen Kriegen” (1793–1815) setzte die Bank of England im Jahr 1797 die Golddeckung aus, um die gigantischen Militärausgaben zu stemmen. Papiergeld flutete das Land, die Inflation explodierte, der Wert des Papier-Pfund implodierte – aber die Royal Navy und Wellingtons Armeen blieben im Feld. Ohne diese geldpolitischen Manipulationen hätte Großbritannien den Krieg aus Mangel an liquiden Finanzmitteln verloren.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wiederholte sich die Geschichte. Die Fed entstand 1913 offiziell, um Bankenpaniken wie die im Jahr 1907 zu verhindern. Vier Jahre später traten die USA in den Ersten Weltkrieg ein. Die Fed finanzierte ihn. Washington gab “Liberty Bonds” (Freiheitsschatzbriefe) in Milliardenhöhe aus, die Fed hielt die Zinsen niedrig, pumpte Liquidität in die Banken und kaufte die vom Markt nicht absorbierten Schatzbriefe auf; mit anderen Worten: Die Fed finanzierte einen Teil der Kriegskosten mit der Druckerpresse.

Dasselbe Muster folgte im Zweiten Weltkrieg: Um die Achsenmächte zu besiegen, explodierte die Staatsverschuldung von 49 auf 259 Milliarden Dollar, womit das Verhältnis von Staatsschulden zum BIP auf 113 Prozent gestiegen ist. Die Fed kappte die langfristigen Renditen bei 2,5 Prozent und kaufte Anleihen, wann immer der Markt sie nicht absorbierte; wiederum eine klassische Kriegsfinanzierung durch die Notenpresse.

Das aktuelle Verhältnis der Verschuldung des US-Bundesstaates zum BIP liegt laut Fed bei 125 Prozent. Wenn man jedoch alle Schulden in der US-Volkswirtschaft einbezieht (die einzelnen Bundesstaaten, Haushalte, Unternehmen usw.), dann liegt das Verhältnis zum BIP deutlich höher – bei über 700 Prozent. Die Zentralbank hat es möglich gemacht.

Selbst der Amerikanische Bürgerkrieg liefert ein Lehrstück. 1862 gab der Norden die ersten Dollarnoten, die “Greenbacks”, heraus – ein weder durch Gold noch Silber gedecktes reines Fiat-Geld. So wurden 450 Millionen Dollar Papiergeld gedruckt. Die Inflation stieg rasant, aber die Union konnte Soldaten bezahlen und Waffen kaufen. Die Konföderierten der Südstaaten versuchten dieselbe Methode, stürzten dann aber in einer Hyperinflation ab. Die Lehre daraus war: Wer effizienter drucken und leihen konnte, hat gewonnen.

Heute läuft das Billionen-Dollar-Spiel noch viel schneller und gefährlicher. Der Krieg im Nahen Osten verschlingt bereits rund “eine Milliarde US-Dollar pro Tag”. Das sind echte Ausgaben für Munition, Logistik, Flugzeugträgergruppen in sicherer Entfernung von Iran, zerstörte Radarsysteme und ständige Nachrüstung von Flugabwehrraketen. Um die im unprovozierten, völkerrechtswidrigen US-Angriffskrieg gegen Iran in den ersten zwei Wochen bereits verpulverte Munition und Raketen zu ersetzen, hat US-Kriegsminister Pete Hegseth vor wenigen Tagen den US-Kongress ersucht, dem Pentagon einen dringenden Nachtragshaushalt von 200 Milliarden Dollar zu gewähren.

An der Richtung der Energiepreise wird das nichts ändern: Öl- und Gaspreise explodieren, und die Inflation wird sich von Monat zu Monat tiefer vor allem in die westlichen Volkswirtschaften hineinfressen. Sie wird das gesamte Preisniveau nach oben drücken und die Kaufkraft der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung weiter aushöhlen, nicht in den USA, sondern in Europa, und da vor allem in Deutschland, das selbst seine modernen und zuverlässigen Atomkraftwerke mutwillig auf den Müll geworfen hat.

Die jüngste Zusammenkunft des US-Zentralbankausschusses Anfang dieser Woche zeigt pure Lähmung: Sieben Mitglieder wollten die Zinsen bis Jahresende unverändert lassen, zwölf träumten sogar noch von einer weiteren Zinssenkung. Zugleich wurden die Inflationserwartungen leise nach oben korrigiert.

Zum Abschluss gab Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz die ultimative Prognose, die mit absoluter Sicherheit eintreffen wird; und sie war nicht als Witz gedacht:

“Laut Fed-Chef Powell könnte der Effekt des Öl-Schocks ‘größer, kleiner, viel größer oder viel kleiner’ ausfallen. Absolut genial! Und wie ist es mit der sich ankündigenden Stagflation? ‘I wo! Nein! Auf gar keinen Fall wie in den 1970er Jahren.'”

Die Gurus in der Fed werden einen anderen, harmlosen Namen für die neue, moderne Variante desselben Giftcocktails aus stagnierendem, bzw. rückgängigem Wachstum und hartnäckig steigenden Preisen erfinden. Nein, es wird nicht wie in den 1970er-Jahren sein. Da haben sie Recht – es wird viel schlimmer. Denn die US-Volkwirtschaft steht heute viel labiler da als im Jahr 1970.

Zugleich sitzt die Fed in der Zwickmühle fest:

– Zinserhöhungen vertiefen die Rezession, machen die Billionen-Kriegsschulden teurer, zerstören die ohnehin fragile Wirtschaft.

– Zinssenkungen mit loser Geldpolitik/QE), um Wachstum anzustoßen, gießen Benzin in die Inflationsflamme, während der Ölpreis hoch bleibt und Washington täglich eine weitere Milliarde Dollar verballert.

– Nichts tun bedeutet, dass beide Probleme sich verschärfen: Das Wachstum bricht ein, die Preise steigen weiter und die Staatskasse muss trotzdem neue Schulden aufnehmen, und zwar zu höheren Zinsen.

Die wahrscheinlichste Antwort der Fed auf das Problem wird eine versteckte Monetarisierung der US-Bundesschulden sein. Letztere wachsen aktuell alle zwei Monate um eine Billion. Der Trick der Fed, mit dem sie die breite Öffentlichkeit, die nichts von diesen Dingen versteht, bereits in der Vergangenheit hinters Licht geführt hat, ist, dass sie erklärt “datenabhängig” zu agieren. Das hört sich gut und wissenschaftlich an. Tatsächlich aber werden die anfallenden Wirtschaftsdaten durch allerlei “Anpassungen” kreativ massiert und sanft passend gemacht.

Genau wie 1917/18 und 1941–45 in den beiden Weltkriegen wird die Fed wann immer nötig “Treasuries” (US-Bundesschatzbriefe) kaufen, um die Refinanzierungskosten der Bundesregierung erträglich zu halten. Die Inflation wird wieder “vorübergehend” genannt werden – bis sie es nicht mehr ist. Die monatlichen Billionen-Rechnung der Bundesregierung werden nicht mehr hauptsächlich durch Steuern oder Ausgabenkürzungen in anderen Haushaltstiteln finanziert, sondern durch die Notenpresse und den stillen Verfall der Kaufkraft des Dollars.

Das ist die nüchterne Wahrheit: Zentralbanken wurden nie als neutrale Konjunkturpolizisten erfunden. Sie entstanden, um Staaten die finanzielle Ausdauer zu geben, länger, härter und teurer zu kämpfen als der Gegner. Die Bank of England bewies dies im 18. Jahrhundert, die Fed im 20. Heute, im 21. Jahrhundert, funktioniert der Mechanismus identisch – nur in größerem Maßstab und mit globaleren Folgen.

Mehr zum Thema ‒ US-Notenbank verlängert Zinspause trotz wachsender Inflationsrisiken



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Tags: gehenGeldhandkriegseitund
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