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Nicht nur Öl und Gas: Iran-Krieg treibt Welt in eine Rohstoffkrise

rtnews by rtnews
23/03/2026
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Brennstoff für Kraftwerke, Treibstoff und Dünger? Nein, da ist noch mehr: Flug- und Fahrzeugbau, Elektronikindustrie und Produktion medizinischer Geräte – dies sind einige Industriezweige, die von Lieferengpässen betroffen sind, die Trumps und Netanjahus Iran-Krieg verursacht hat.

Von Olga Samofalowa

Verknappung und Preisanstieg für Erdöl und Erdgas auf dem Weltmarkt sind nur die Spitze des Eisbergs: Aluminium, Düngemittel, Helium und andere wichtige Chemikalien, die für die Landwirtschaft und viele Industriezweige von Automobilbau bis Elektronik unerlässlich sind, stecken wegen des nunmehr fast einmonatigen Iran-Kriegs im Persischen Golf fest.

Engpässe, wie sie sich für einige Länder daraus ergeben, führen zunächst einmal zu Preiserhöhungen. Sollte die Blockade der Straße von Hormus einen weiteren Monat andauern – ein Szenario, das die Märkte nicht mehr für unmöglich halten –, werden die Preise so stark steigen, dass sie die Nachfrage vollständig einbrechen lassen. Die Energiekrise wird sich dann rasch zu einer weltweiten Produktions- und Wirtschaftskrise ausweiten. Dies wird alle hart treffen, selbst jene Länder, die von den steigenden Preisen wichtiger Exportgüter zunächst profitieren könnten – darunter die Vereinigten Staaten und Russland.

Russland ist der weltweit größte Lieferant von Aluminium, Düngemitteln und Helium – gerade beim Helium kommt es bereits zu massiven Engpässen auf dem Weltmarkt. Daher sind die Nachrichten über steigende Preise für diese Rohstoffe für die russischen Unternehmen Rusal, PhosAgro und die Amur-Gasverarbeitungsanlage eine gute Nachricht. Zumindest vorerst.

Nach der Schließung der Straße von Hormus waren rund sieben Millionen Tonnen Aluminium aus Katar und Bahrain, was neun Prozent des weltweiten Angebots entspricht, von Lieferverzögerungen bedroht. Dies ist eine beträchtliche Menge für einen Markt, der sich bereits vor dem Konflikt in einer schwierigen Lage befand. Infolgedessen erreichten die Aluminiumpreise am 12. März mit 3.533 US-Dollar pro Tonne ihren Höchststand – ein Anstieg um 500 US-Dollar gegenüber dem 17. Februar dieses Jahres. Bis zum 20. März hatten sich die Preise leicht erholt, blieben aber mit rund 3.200 US-Dollar pro Tonne hoch.

Aluminium wird für die Produktion von Automobilen, anderen Fahrzeugen und deren Ersatzteilen, im Bauwesen und sogar in der Industrie der Solarenergie benötigt. Das Metall ist außerdem wichtig für die Herstellung von Elektronik und elektrischen Geräten sowie für Verpackungen. Wenig überraschend begannen Unternehmen, ihre Metalllager zu leeren, um die fehlenden Lieferungen aus dem Nahen Osten auszugleichen. Auch die Europäische Union, die arabische Produkte kauft, steht vor diesem Problem.

Das russische Unternehmen Rusal versicherte bereits, dass diese Probleme Russland selbst nicht betreffen würden – das Unternehmen könnte seine Aluminiumexporte sogar steigern, wenn die Nachfrage weiterhin wächst. Angesichts des leichten Produktionsrückgangs im letzten Jahr wäre dies ideal. Experten gehen jedoch davon aus, dass Russland die Aluminiumproduktion nicht wesentlich erhöhen wird. Rusal könnte seine finanzielle Lage indes trotzdem deutlich verbessern, indem es die Preise für sein wichtigstes Exportgut anhebt: Laut Expertenschätzungen bringt jede Preiserhöhung von 100 US-Dollar pro Tonne dem Unternehmen zusätzliche jährliche Einnahmen von 350 bis 380 Millionen US-Dollar, bei einem Jahreserlös aus Exporten von 3,5 bis 3,8 Millionen Tonnen Metall.

Der Heliummarkt ist derzeit besonders angespannt, da sich die Preise verdoppelt haben. Helium ist ein lebenswichtiger Rohstoff für die Herstellung von Medizingeräten, Raketen und Halbleitern. Flüssiges Helium ist unerlässlich für die Produktion von Glasfaserkabeln und Flüssigkristallanzeigen sowie für den Betrieb von MRT-Geräten. Sogar der Betrieb des Hadronenbeschleunigers ist darauf angewiesen. Experten warnen bereits vor einem möglichen Halbleiterengpass aufgrund von Heliumknappheit. Südkorea, Taiwan und Japan, die fast 20 Prozent der weltweiten Mikrochipproduktion ausmachen und stark von Helium aus Katar abhängig sind, sind besonders hart getroffen. Diese Lage ist auf die Einstellung der Erdgasförderung in Katar und der Exporte dieses Gutes von dort zurückzuführen. Experten schätzen, dass die Sperrung der Straße von Hormus monatlich bis zu 5,2 Millionen Kubikmeter Helium vom Markt nehmen wird.

Katar ist der zweitgrößte Heliumproduzent der Welt und produzierte im vergangenen Jahr 63 Millionen Kubikmeter. Noch mehr produzieren die Vereinigten Staaten – mit 81 Millionen Kubikmetern. Russland liegt mit einem Anteil von 9,5 Prozent und einer Jahresproduktion von 18 Millionen Kubikmetern Helium an dritter Stelle. Russlands Produktionskapazität ist jedoch deutlich höher, wenn man die Kapazität aller drei Anlagen berücksichtigt. Darüber hinaus plante die Amur-Gasverarbeitungsanlage, ihre Heliumproduktion bis 2026 auf 60 Millionen Kubikmeter zu steigern. Dies entspricht ihrer Auslegungskapazität. Allerdings hat sich das Wachstum der russischen Heliumexporte stattdessen aufgrund der EU-Sanktionen gegen Helium aus Russland verlangsamt.

Das Werk am Amur hat nun inmitten dieser Herausforderungen die Chance, neue Märkte und Kunden zu gewinnen. Eine Produktionssteigerung erfordert jedoch ein Interesse der Kunden, sich durch langfristige Verträge – mehr als nur ein oder zwei Monate – an das Werk zu binden. Ob diese Chance genutzt werden kann, bleibt abzuwarten. Russische Unternehmen werden aber in jedem Fall von der aktuellen Verdopplung der Heliumpreise profitieren.

Der Nahostkonflikt hat auch die Verfügbarkeit von Düngemitteln auf dem Weltmarkt frappierend beeinträchtigt. Rund 35 Prozent des weltweiten Handels mit Harnstoff (ein Stickstoffdünger) verlaufen durch die Straße von Hormus. Zudem werden bis zu 45 Prozent des für die Herstellung von Phosphatdüngern benötigten Schwefels ebenfalls über diese Route transportiert. Oman und Saudi-Arabien sind für ein Viertel der weltweiten Harnstoffexporte verantwortlich. Werke am Persischen Golf aber sind aktuell entweder stillgelegt oder arbeiten nur noch zeitweise.

China, Hauptabnehmer dieses Produkts, musste bereits seine eigenen Düngerexporte einstellen und sogar auf seine Düngemittelreserven zurückgreifen, da die Aussaat beginnt und ein Düngemittelmangel die schlimmsten Folgen überhaupt hätte, die man sich in der Landwirtschaft ausmalen kann. Ohne Düngemittel könnte ein Großteil der Ernte verloren gehen.

Obwohl Russland der weltweit größte Düngemittelexporteur ist und ein Fünftel des Welthandels kontrolliert, wird es die fehlenden Düngemittelmengen nicht ersetzen können. Erstens verkaufen russische Unternehmen bereits jetzt hart am Limit, ihre Kapazitäten sind voll ausgelastet. Zweitens benötigen unsere Agrarbetriebe Düngemittel genauso dringend wie ihre ausländischen Konkurrenten. Die staatliche Politik schützt sie daher vor möglichen Versuchen der Chemieunternehmen, ihre gesamte Produktion zu exportieren. Doch besagte Unternehmen werden auch so schon sehr gut in schwarzen Zahlen liegen, da sie von einem so starken Preisanstieg profitieren werden.

Die Vorteile, die sich für Russland aus dieser Lage am Weltmarkt ergeben, sollte man aber auch nicht überschätzen. Russland wird jetzt von den steigenden Preisen profitieren, klar – aber wenn der militärische Konflikt sich noch einen Monat hinzieht und eine ausgewachsene globale Wirtschaftskrise auslöst, werden die Preise nicht nur wieder fallen – sondern niemand wird mehr dieselben Mengen der betreffenden Produkte benötigen. Darüber hinaus könnte in armen Ländern eine Hungersnot ausbrechen, da ein chronischer Düngemittelmangel zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise um 30 bis 50 Prozent führen kann.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 21. März 2026 bei RIA Nowosti erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad und schreibt Kommentare für weitere Medien. 

Mehr zum Thema – Unabhängig davon, wie der Krieg im Iran ausgeht, hat Russland bereits einen sicheren Sieg errungen



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Tags: eineGasIrankriegnichtNURÖlRohstoffkrisetreibtundWelt
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