
Von Dmitri Bawyrin
“Um es ganz klar zu sagen: China ist nach wie vor kommunistisch, Xi Jinping ist Marxist, und das Ganze ist ein Imperium des Bösen.”
Dies erklärt Tom Cotton, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des US-Senats. Er gehört zu den übelsten Gestalten in der Natterngrube namens Kapitol, ist ein Hardliner des US-Imperialismus und ein hysterischer Propagandist von der Art der Zeugen Jehovas – nur dass er den Dritten Weltkrieg propagiert. In Russland kennt ihn jedoch kaum jemand, da er nicht direkt ein Feind unseres Landes ist.
Das soll uns aber nicht entschuldigen. Feinde muss man kennen und erkennen, daran ändert sich nichts – und Tom Cotton ist schlicht und ergreifend ein Feind der Menschheit, zu der auch Russland untrennbar gehört.
Anders als in vielen EU-Ländern ist der US-Senat kein Klub für Altverdiente im ehrenhaften Ruhestand, sondern eine funktionierende politische Elite. Die gefährlichsten Personen für den Weltfrieden dort sind aber ausgerechnet die Art Leute, die man sich, wenn überhaupt, dann am liebsten in einem Senat der zuerst beschriebenen Art wünscht, wo sie nichts Schlimmes anrichten können: eine Gruppe pensionierter Militärs, die noch immer nicht aus dem Kalten Krieg zurückgekehrt sind, aggressiv für neue Interventionen eintreten und sich in den Geheimdienst- und außenpolitischen Ausschüssen beziehungsweise um sie herum versammeln. Zu den bekannten Gesichtern innerhalb dieses “mächtigen Häufleins” gehören beziehungsweise gehörten der Terrorist und Extremist Lindsey Graham, John McCain – und Joe Biden, der selbst kein Ehemaliger und erst recht kein Kriegsveteran ist, aber in denselben Räumen wie die Erstgenannten Kaffee trank und die Interessen derselben “lords of war” und “dealers of death”, wie Rüstungshindustrielle in den USA genannt werden, bediente. Cotton ist in dieser Gruppe mit 48 Jahren einer der Jüngsten und der körperlich Auffälligsten, da ein Zwei-Meter-Schrank. Russland war jedoch nie sein Interessengebiet, weshalb wiederum auch in Russland sich niemand für Cotton interessierte.
Während die Porträts des verstorbenen McCain und des noch lebenden Graham, der in Russland als Terrorist und Extremist geführt wird, als Beispielbilder in jedem Lexikonartikel zur “Russophobie” dienen könnten, hegte Cotton schon immer eine Abneigung gegen andere Länder – vor allem gegen Iran und China. Vermutlich ist dies eine Sache der Generationen:
Je jünger ein US-Politiker, desto weniger russophob ist er – oder zumindest desto anpassungsfähiger, wie etwa Außenminister Marco Rubio (ein bekannter Russophob in der Vergangenheit). Infolgedessen fand Cotton, obwohl er noch vor Trumps Amtszeit in den Kongress kam, schnell Anschluss und erlangte enormen Einfluss. Der Vorsitz eines wichtigen Geheimdienstausschusses ist nicht die einzige Position, die er im Machtgefüge innehat: Er vertritt außerdem den eher unbedeutenden US-Bundesstaat Arkansas.
Für Donald Trump ist Cotton zu einem treuen Freund geworden, obwohl er eher in ein Museum des Kalten Krieges gehört hätte. Die Fähigkeit des Senators, das schmale Fahrwasser zwischen der Skylla des Weißen Hauses und der Charybdis der alten Eliten zu navigieren, hat einen talentierten Politiker in ihm offenbart, doch er verschwendet sein Talent zum Bösen.
Cotton, der spätere Veteran zweier US-Interventionen, Afghanistan und Irak, wuchs in einem Schlachthof auf und diente dann unter anderem im historischen Regiment auf dem Arlington Nationalfriedhof, das die Helden (die echten wie die vermeintlichen) US-amerikanischer Kriege ehrenvoll verabschiedet. Für ihn ist der Tod am ehesten ein feierlicher Akt – während die damit verbundenen Schrecken für ihn, seit seiner Kindheit schon gewohnt, nichts Besonderes sind; auch schämt er sich nicht für das blutige Chaos, das Washington auf Betreiben Israels im Nahen Osten angerichtet hat.
Der Krieg in Iran stößt bei der überwältigenden Mehrheit der US-Bürger auf Ablehnung. Cotton hingegen freut sich darüber: Er arbeitete seit über einem Jahrzehnt daran, diesen Krieg vom Zaun zu brechen.
Um sein blutrünstiges Image zu relativieren, zeigt der Senator gern ein Foto aus seiner Zeit im Irak, auf dem er eine streunende Katze auf den Händen hält. Ein Bildtitel mit einer korrekten Interpretation dieses Fotos würde lauten: “Besatzer schützt sich mit wehrloser Katze, Lieblingstier des Propheten Mohammed.”
Gut, zugegeben: Das ist natürlich Demagogie, aber Cotton selbst ist seinerseits ebenfalls ein Demagoge, und zwar ein schlicht schamloser. So rechtfertigte er beispielsweise seine Unterstützung für das ukrainische Militär damit, dass dies “ein starkes Signal an China senden” würde. Und kürzlich, als er auf die Beschwerden von Landwirten in Arkansas über steigende Triebstoffpreise reagierte, erklärte er, dass es Amerikas Ernährer zwar sicherlich momentan schwer haben – und das ganze Land mit ihnen sympathisiere –, aber noch viel schwerer hätten es diejenigen, die “den Feind” in Iran bekämpfen, weshalb “unsere Gedanken und Gebete” ihnen gelten sollten.
Aufgrund dieser Herangehensweise an die Interessen der USA sind die Trumpisten in ein Entwicklungsstadium übergegangen, das sich wohl am ehesten wie ein Halbzerfall beschreiben lässt. Plötzlich befanden sich die Schlimmsten unter ihnen, wie Cotton und der bereits erwähnte Graham, an der Spitze der Machtstruktur. Einer von ihnen leitete gemäß der Parteilinie die Vorbereitung des Krieges, während der andere direkten Einfluss auf Trump ausübte. Beide hassen Iran gleichermaßen; beide sind Lobbyisten für Israel und “protestantische Zionisten”, die eine jüdische Kontrolle über den gesamten Nahen Osten als einen Dienst an der Sache Christi ansehen. Doch Iran ist nur ein Zwischenschritt zum Ziel. Die Hauptziele sind:
- für Graham Russland,
- für Rubio, ein weiteres prominentes Mitglied des “mächtigen Häufleins”, Venezuela und Kuba,
- und für Cotton eben China.
In Cottons Augen war alles, was in der US-Außenpolitik im vergangenen Jahr geschehen ist, sein lang ersehnter Kreuzzug gegen Peking.
Der erste Schlag im Rahmen dieses Kreuzzuges traf Panama, den Ort von Rubios Geschäftsreise, die seinen Amtsantritt als Außenminister einläutete. Unter seinem Druck kündigten die dortigen Behörden ihren Vertrag mit dem Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa (HWL) zur Verwaltung zweier Häfen – eines am Eingang und eines am Ausgang des Panamakanals. Vorsitzender von HWL ist der 97-jährige Multimilliardär Li Ka-shing, einer der einflussreichsten Geschäftsleute Asiens. Sein Einfluss reichte jedoch nicht aus, um dem Druck der USA standzuhalten: Li gab nach und willigte ein, BlackRock nicht nur zwei panamaische Häfen, sondern auch 43 weitere weltweit zu überlassen – und das, obwohl diese allesamt als Teil von Pekings “Perlenketten”-Strategie zur Schaffung eines Netzes befreundeter Häfen galten.
Das neue Jahr begann mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Kurz darauf, berauscht von diesem Erfolg, begann Washington schließlich den Krieg gegen Iran. Beide Länder gelten als Chinas Ölfelder, als Garantie für seine glänzende Zukunft. Auch Kuba, wo Alarmisten in den USA eine chinesische Kontrolle befürchten, steht auf der Zielliste. Und im Mai will Trump nach Peking fliegen, Xi Jinping all seine Trümpfe vorlegen und sagen: “Kapituliere!” Gemeint ist damit die Unterzeichnung eines Handelsabkommens, das den USA den Zugang zum chinesischen Markt ermöglicht, eine ununterbrochene Versorgung mit Seltenen Erden sichert und Erdölkäufe aus Russland blockiert – kurzum, Chinas wirtschaftliche Kapitulation noch vor dem Kampf um Taiwan besiegelt.
Doch wenn für Washington alles so gut läuft, warum schiebt Cotton dann einen solchen Terror? Cottons Tweets zu Taiwan sind nämlich geradezu hysterisch – während Trumps Tonfall, im Gegenteil, seinerseits urplötzlich honigsüß bis zur Unerträglichkeit geworden ist: Er fordert Respekt für China, obwohl so etwas aus Sicht eines jeden Hardliners in seinem Umfeld nichts anderem als einer Selbstkastration gleichkommt (als Biden etwas Ähnliches sagte, wurde er fast in Stücke zerrissen). Offenbar ist in Iran also irgendetwas gründlich schiefgelaufen. Und zwar für alle offensichtlich.
Auch die anderen “Siege” sind nicht so viel wert, als dass man sich an ihnen berauschen könnte:
Kuba ist ohne Strom, aber hält durch. In Venezuela ist dieselbe Regierungspartei an der Macht und scheint auch ohne Maduro nicht allzu traurig zu sein, der die Ölförderung im Land ebenso in den Sand gesetzt hatte wie die unter Chávez errichtete Demokratie, die nun anscheinend wiederhergestellt wird. Derweil haben die zuständigen chinesischen Behörden unterdessen Klage gegen Panama eingereicht, bereits über 70 Schiffe unter panamaischer Flagge beschlagnahmt und Li Ka-shing die Politik der Partei genauestens erläutert. Daraufhin erlaubte der Letztgenannte den Verkauf der ganzen Häfen nur unter der Bedingung, dass der chinesische Staatskonzern COSCO die Mehrheitsbeteiligung erhält.
Bislang steht es also unentschieden. Unentschieden ist aber nicht der Trumpf, den Trump für seine geplanten Verhandlungen mit China benötigt. Im Falle des Iran-Konflikts sieht es gar nach einem völligen Fiasko aus – ein klares Scheitern beim Erreichen des erklärten Ziels.
Deshalb fällt der ohnehin schon unpopuläre Krieg den Hardlinern im US-Senat jetzt so schmerzhaft auf die Füße. Einige, wie Graham, werden bei den Wahlen im November sicherlich hinweggespült werden, Cotton riskiert den Verlust seines Postens als Vorsitzender der republikanischen Senatsfraktion – eines der wichtigsten Machtzentren in den USA –, und ihr geliebtes Taiwan sieht sich schon jetzt mit einem drohenden Mangel an Raketen, vor allem zur Luft- und Raketenabwehr, konfrontiert.
Wenn die USA sich einfach aus dem Krieg zurückziehen, werden die Araber einen anderen Verbündeten suchen – und ihn in Peking finden. Wenn sie weiterkämpfen, wird China noch enger mit Russland als einem zuverlässigen Energielieferanten zusammenarbeiten, und Iran wird das Arsenal des Pentagons endgültig erschöpfen. Zum Wiederaufstocken der bereits verbrauchten Mengen an Präzisionswaffen im US-Arsenal werden mindestens acht Jahre benötigt – während Cotton den Beginn einer chinesischen Operation zur Unterwerfung Taiwans schon für das nächste Jahr voraussagte.
Somit waren die Ergebnisse der Falken im Kampf gegen China, wie auch im Kampf gegen Russland, bisher enttäuschend: Sie haben die Lage für sich selbst verschlimmert, und gleichzeitig haben sie die Karikaturen über die ständige Bereitschaft Washingtons zu einem brutalen Krieg um Erdöl bestätigt, zu einem Krieg entgegen aller Vernunft.
Tom Cotton, Arlington Slaughterhouse Ranger.
Uns freut, dass du von China bist besessen –
dem du so leicht nicht schaden kannst, ob deiner kurzen Arme.
Dafür sind die Illusionen über die USA als Ganzes wohl bei allen nochmals stark geschwunden – auch bei uns in Russland.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 1. April 2026.
Dmitri Bawyrin ist Journalist, Publizist und Politologe mit den Interessenschwerpunkten USA, Balkan und nicht anerkannte Staaten. Er war fast 20 Jahre als Politikberater in russischen Wahlkampagnen unterschiedlicher Ebenen tätig. Er verfasst Kommentare für die russischen Medien Wsgljad, RIA Nowosti sowie Regnum und arbeitet mit zahlreichen Medien zusammen.
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