
Eine Woche nach dem Angriff eines Wolfs auf eine Frau in Hamburg ist das eingefangene Tier wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Wie die Umweltbehörde der Hansestadt mitteilte, wurde das männliche Jungtier mit einem Sender ausgestattet und am Ostersonntag wieder ausgewildert. Wo genau der Wolf freigelassen wurde, gab sie nicht bekannt. Das Tier befand sich seit Dienstag in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.
Andere Lösungen als die Auswilderung seien “nicht umsetzbar” gewesen, hieß es von der Behörde. Es sei aus “rechtlichen und praktischen Gründen” nicht möglich gewesen, das Tier in einem Wildgehege unterzubringen. Es zu töten, sei aus “rechtlichen Gründen” ebenfalls nicht in Frage gekommen.
Zuvor hatten Wolfsexperten wie Norman Stier von der Technischen Universität Dresden zu Bedenken gegeben, dass sie die Integration des Wolfs in ein Rudel in einem Wildpark für unmöglich hielten. “Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind”, sagte Stier.
“Mit der Auswilderung haben wir für diesen Wolf nun eine rechtssichere Lösung gefunden, die die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und das Tierwohl berücksichtigt”, teilte Umweltsenatorin Katharina Fegebank mit. Durch den Sender sei der Standort des Tieres zu jeder Zeit bekannt, Jäger könnten im Zweifel unmittelbar eingreifen, wenn der Wolf sich beispielsweise wieder einer Siedlung nähere. Man habe die Entscheidung mit Experten beraten. “Es ist eine Auswilderung auf Bewährung”, so die Grünen-Politikerin.
Am Montag vor einer Woche war der Wolf in eine kleine Einkaufspassage an der Großen Bergstraße im Stadtteil Altona gelaufen und hatte dort eine etwa 60 Jahre alte Frau verletzt. Anschließend rannte der Wolf mehrere Kilometer durch die Innenstadt und sprang schließlich in die Binnenalster, wo ihn die Polizei einfangen und mithilfe von Tierärzten betäuben konnte.
Die Umweltbehörde geht davon aus, dass der Wolf die Frau gebissen hat, als diese mutmaßlich auf das panische Tier zuging, um es durch die gläsernen Automatiktüren der Einkaufspassage nach draußen zu lassen. Umweltsenatorin Fegebank hatte dazu am Dienstag auf den Polizeibericht verwiesen. Was genau in dem Bericht steht, ist jedoch unbekannt, da die Polizei ihn nicht veröffentlicht hat.
Laut dem Bundesamt für Naturschutz war der Vorfall in Hamburg-Altona der erste Angriff eines Wolfs auf einen Menschen seit der Wiederansiedelung der Art in Deutschland im Jahr 1998.
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