
Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor plant, den Internetverkehr im Land mithilfe von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen zu filtern. Laut mehreren Medien, darunter Forbes, soll der entsprechende Mechanismus im Jahr 2026 eingeführt werden. Für die Entwicklung und Implementierung sind 2,27 Milliarden Rubel vorgesehen. Diese Summe ist im Digitalisierungsplan der Behörde vermerkt, der am 26. Dezember 2025 dem Präsidium der Regierungskommission für digitale Entwicklung vorgelegt wurde.
Roskomnadsor wollte die Details des Projekts nicht kommentieren. “Wir können zu diesem Thema nichts Neues sagen”, teilte die Behörde mit.
Kern des Vorhabens ist die Weiterentwicklung der bereits eingesetzten technischen Mittel zur Abwehr von Bedrohungen (TSPU). Diese Systeme sind im Rahmen des Gesetzes zum “souveränen Internet” in den Netzen der Betreiber installiert und arbeiten mit Deep Packet Inspection (DPI). Roskomnadsor betreibt und wartet die Geräte eigenständig. Mithilfe der TSPU wurden bereits mehr als eine Million Ressourcen blockiert. Täglich wird der Zugang zu rund 5.500 neuen Adressen und Domains eingeschränkt. Parallel dazu existiert ein staatliches Register verbotener Websites, das seit dem Jahr 2012 geführt wird.
Experten sehen die Einführung von maschinellem Lernen als Antwort auf die wachsende Menge an verschlüsseltem Internetverkehr. Klassische DPI-Lösungen (Deep Packet Inspection) arbeiten nach festen Algorithmen und stoßen an ihre Grenzen, wenn Inhalte verschlüsselt sind oder Umgehungsdienste wie VPN genutzt werden. In solchen Fällen sei eine heuristische Analyse nötig, die über starre Regeln hinausgehe. Alexei Lukazki, Business-Consultant bei Positive Technologies, erklärt:
“Maschinelles Lernen in DPI ist ein Weg, besser zu ‘erraten, welche Art von Traffic es ist’, wenn klassische Erkennung nach Signaturen, Ports und Ähnlichem nicht mehr hilft.”
Ein anonymer Experte von RKS-Global ergänzt, dass maschinelles Lernen die automatische Generierung und Anwendung von Filterregeln ermöglichen könne. Außerdem sei es möglich, verbotene Inhalte in Texten verschiedener Sprachen sowie in Bildern und Videos zu erkennen.
Roskomnadsor setzt KI bereits ein, um verbotene Inhalte zu identifizieren. Im September 2025 erklärte Behördenchef Andrei Lipow, dass neuronale Netze Texte, Audio und Video analysieren. Dadurch habe sich die Zeit zur Entdeckung verbotener Inhalte von 48 Stunden im Jahr 2020 auf rund sechs Stunden reduziert. Vizechef Wadim Subbotin ergänzte, dass das System täglich etwa 500.000 relevante Materialien herunterlade, von denen nach Filterung rund 2.000 Verstöße verbleiben.
KI ist zudem in die Systeme “Okulus” (Suche nach verbotenen Inhalten in Video und Audio) und “Wepr” (Erkennung von Spannungsherden in sozialen Netzwerken und Medien) integriert. Gleichzeitig räumte Vizechef Milos Wagner ein, dass KI nicht in allen Bereichen zuverlässig ist: In einem System zur Überwachung personenbezogener Daten lag die Genauigkeit bei nur 60 Prozent. Zur Verbesserung wären Trainingsdatensätze nötig, die den gesamten Webseiten-Monitoring-Bestand der Behörde über mehrere Jahre übersteigen würden. Daher wurde die Idee verworfen.
Im August 2025 blockierte Roskomnadsor bereits Telefonate über Telegram und WhatsApp. Ab Oktober begann die Behörde, die Nutzung von WhatsApp in Russland teilweise einzuschränken. Am 30. Oktober erhielten neue russische Nutzer von Telegram und WhatsApp weder Nachrichten noch Anrufe. Für das Jahr 2026 ist in Russland eine vollständige Blockade von WhatsApp geplant. Der Messenger gehört zu Meta, dessen Tätigkeit in Russland als extremistisch eingestuft und verboten ist, erklärte zuvor Andrei Swinzow.
Roskomnadsor plant damit den nächsten Schritt in Richtung automatisierter Internetkontrolle. Ob der Einsatz von KI die Blockierungsmechanismen tatsächlich effizienter und kosteneffizienter macht, bleibt jedoch offen. Die geplante Investition von 2,27 Milliarden Rubel zeigt jedoch, dass die Behörde den Ausbau ihrer Filterkapazitäten als Priorität betrachtet.
Mehr zum Thema – Telegram-Chef Durow: Frankreich will Smartphones von EU-Bürgern zu Spionage-Werkzeugen machen







