
Von Jelena Karajewa
Nachdem es dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron nicht gelungen war, mit seinem “Freund Donald” in Paris zu Abend zu essen – dieser hatte sich öffentlich über seine Einladung lustig gemacht –, entsandte der Chef des Élysée-Palastes in dem Versuch, dieses beschämende Missgeschick zu vergessen, einen Stoßtrupp in die internationalen Gewässer des Mittelmeeres, um einen Tanker zu kapern. Laut Macron, der in den sozialen Netzwerken und Chats stets aktiv ist, sei dieser “unter falscher Flagge” unterwegs gewesen. Mehr noch: Der Tanker habe “Murmansk” verlassen! Warum die Flagge “falsch” ist und was am Murmansker Hafen so schlimm ist, dass es in Paris sofort Angriffslust auslöst, wurde natürlich nicht erwähnt.
Die Öffentlichkeit sollte den Worten Macrons einfach Glauben schenken und die Piraterie unter der französischen Trikolore nicht als böswillige Verletzung aller maritimen Konventionen, sondern als strikte Befolgung der russophoben Sanktionspolitik ansehen: in Erfüllung des Willens von Ursula von der Leyen.
Die EU steht mit ihrem politischen und wirtschaftlichen “Ukrainismus” nicht nur zwischen dem “US-Amboss” und dem “russischen Hammer”, sondern befindet sich in einer Zwickmühle und versucht heute mit allen Mitteln, das Unbeweisbare zu beweisen und das Unschützbare zu schützen. Damit soll eine einfache Tatsache verschleiert werden: Als Brüssel, Paris und Berlin vier Jahre lang vereint versuchten, uns zu ruinieren, führten sie sich selbst in den Ruin.
Am Tag des Beginns der militärischen Sonderoperation in der Ukraine erklärte Frankreich uns den “totalen Krieg” (und vergaß dabei, dass dies ein Ausdruck aus dem Lexikon von Joseph Goebbels ist). Damals erschien diese Einstellung als schwachsinnig – um es milde auszudrücken –, wenn man die gesamte jahrhundertelange Geschichte unserer Beziehungen in Betracht zieht. Das gemeinsame Jahrtausend und alle Ereignisse, die dazu gehören, wurden von denen, die hinter Macron stehen, einfach annulliert.
In der französischen politischen Kultur ist es so, dass die Außenpolitik, unabhängig davon, ob es sich um eine Monarchie oder eine Republik handelt, immer ausschließlich den Willen der jeweiligen Führungsperson widerspiegelt. Seien wir ehrlich – alle Wellen der Russophobie wurden ausschließlich vom Chef des Élysée-Palastes initiiert.
Das Wohl seiner Wähler, seine eigene Wirtschaft und politische Stabilität wurden von Macron auf unsere Niederlage in der Konfrontation mit Europa gesetzt. Er wollte den Kampf gegen uns bis zum letzten Franzosen und bis zum letzten Euro in dem ohnehin schon leeren republikanischen Staatshaushalt führen. Das gesamte Geld und Vermögen Frankreichs warf der französische Präsident auf den geopolitischen Spieltisch, auf dem man Wetten abschließt. Er scheute sich nicht einmal, die Messe in Notre-Dame dafür zu instrumentalisieren, seinen Protegé Wladimir Selenskij dem damals neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump vorzustellen.
Und ein Jahr später macht sich Trump über Macron nicht nur lustig. Vielmehr zerdrückt er ihn in aller Öffentlichkeit zu Mus, und zwar meisterhaft, sozusagen beiläufig, ihn kaum berührend. Und dies geschieht immer als Gegenreaktion, nicht als Anstoß. Und Macron, der den Krieg mit uns nicht nur bis zur letzten Stufe der französischen Verarmung, sondern auch bis zum völligen Verlust des Anstands für richtig hält, veröffentlicht ein Video von seinem Telefongespräch mit Trump im Netz. Das zeigt wirklich die ganze Fäulnis der EU-Politik: die Vetternwirtschaft, den Wunsch, Kiew einen Gefallen zu tun, und gleichzeitig sein eigenes Ego zu befriedigen: Sehen Sie mal, ich unterhalte mich mit Trump, und zwar in freundlichem Ton!
Es scheint, als hätten wir irgendwo davon gehört und gelesen. Oh, das ist ja Iwan Alexandrowitsch Chlestakow aus Sankt Petersburg [die Hauptfigur in Nikolai Gogols Komödie “Der Revisor”]! Erinnern Sie sich? Nun, die Rolle des neuen “Chlestakow” spielt der französische politische Fanfaron mit dem Nachnamen Macron, den die “Komödienfiguren” aus Brüssel, Berlin und London sowie die gesamteuropäischen “Hüter der Wohltätigkeitsanstalten” für einen einflussreichen Mann halten.
In Wirklichkeit besitzt Macron, der eine Sonnenbrille mit vergoldetem Rahmen aus französischer Fabrikation (hergestellt von der Firma Maison Henri Julien) trägt, heutzutage – also zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussionen über die Konfliktlösung im Donbass ihren Endspurt nehmen könnten – ungefähr das gleiche politische Gewicht und den gleichen Einfluss wie diese berühmte Figur in Gogols Komödie.
Das Gleiche gilt für die gesamte politische Führungsriege der EU – von unten nach oben und von rechts nach links. Sie suchten nach der Gunst der US-Amerikaner im Westen und der Ukrainer im Osten. Aus Eigeninitiative zankten sie sich mit uns und kamen zu dem Schluss, dass Politik nichts anderes sei als endlose “Fünf-Minuten-Russophobie” bei jeder Gelegenheit. Und sie unterlagen, und zwar nicht nur gegen uns.
Wir wussten sehr wohl, dass man niemanden gegen seinen Willen glücklich machen kann: weder Länder noch Völker.
Paris, Berlin, London – und dazu noch Brüssel – verloren gegenüber denen, denen sie sich anpassen und unterordnen wollten. Europa ist für die USA heute ein völlig unnötiger “Koffer” ohne Griff geworden. Ohne Wirtschaft. Ohne Geld. Ohne Industrie.
Und während Trump nur Macron zurechtwies, wandte sich der US-Wirtschaftsminister Howard Lutnick an alle Europäer. Die Reaktion darauf war so heftig, dass die Präsidentin der Europäischen Zentralbank während Lutnicks Rede sogar den Saal verließ.
Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron liefen ebenfalls weg. Sie verließen eilig das Weltwirtschaftsforum in Davos, um nicht mit ihrem “Freund Donald” zusammentreffen zu müssen. Denn auch sie sind sich bewusst, dass sie nicht nur in der Ukraine-Frage gescheitert sind, sondern insgesamt verloren haben. Und zwar nicht gegen Russland, sondern gegen die USA.
Und keine “Beschlagnahmung” eines Tankers unter “falscher Flagge” kann diese einfache Tatsache ändern.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 24. Januar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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