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Lektion für Washington: Wer Sanktionen sät, wird Russlands Uran mit Chinas Aufpreis kaufen

rtnews by rtnews
22/02/2026
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Sanktionen auf Lieferungen einer zwingend notwendigen Ware von einem wichtigen Handelspartner zu verhängen, ist schon bei Erdöl dumm genug. Doch diese Umstellung des Partners auf andere Märkte lässt sich wieder rückgängig machen – wenigstens theoretisch. Anders sieht es bei Kernbrennstoffen aus.

Von Kirill Strelnikow

In den letzten Tagen überschlugen sich die US-Medien mit der Nachricht, dass erstmals ein zerlegter kleiner Atomreaktor der bis dahin unbekannten Firma Valar Atomics mit Flugzeugen der US-Luftwaffe von A nach B transportiert wurde.

Natürlich wurden Vergleiche zu Edisons Glühbirne, Bells Telefon und Ronald McDonald’s Freedom Fries gezogen: 

“Jetzt können die Vereinigten Staaten innerhalb weniger Stunden einen Atomreaktor an jeden Ort der Welt liefern und den Betrieb abgelegener Militärbasen sicherstellen.”

Zwar hat niemand wirklich gesehen, was da genau transportiert wurde oder welchen Zauberwürfel man damit hat erfolgreich zusammenbauen können, doch jedenfalls war die PR-Welle nicht von schlechten Eltern.

Experten merkten außerdem an, dass die Demonstration verdächtig kurz vor dem Ende des Auswahlverfahrens für das “Presidential Reactor Pilot Program” des US-Energieministeriums stattfand. Eingeladen zu diesem waren alle, die sich dieser Suche nach dem Heiligen Gral widmen, also der Vision einer alternativen (kleinen, mobilen und modularen) Kernenergie annehmen wollten. Zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten (4. Juli) sollen die drei besten Konzepte ausgewählt und – wie zu erwarten – mit einem wahren Goldregen überschüttet werden.

In der Folge beeilten sich alle, Reaktoren zu bauen – da kommt einem fast Iwan Krylows Quartett-Fabel in den Sinn:

Der Affe, der auf Ränke stets bedachte,

Graurock

und Bock

und Petz, der ungeschlachte, …

– die Liste umfasste alle möglichen Projekte, die unter anderem von Jeff Bezos, Bill Gates, dem OpenAI-Chef Sam Altman und vielen anderen finanziert wurden.

Der Teilnehmer schierer Tatendrang war so groß und der Bedarf an kleinen Kernkraftwerken ist so dringend, dass die Trump-Regierung laut MIT Technology Review “heimlich die Atomvorschriften überarbeitete, Umweltschutzmaßnahmen drastisch reduzierte und die Sicherheits- und Bewachungsanforderungen lockerte”. Es stellte sich heraus, dass “die Regierung die neuen Regeln an die am experimentellen Kernreaktorprogramm beteiligten Unternehmen verteilte – sie aber nicht veröffentlichte”. Es ging sogar so weit, dass eines der vorgeschlagenen Projekte vorsah, auf jeglichen Reaktorschutz zu verzichten und stattdessen die Reaktoren einfach zwei Kilometer tief im Erdreich zu bauen. Die Gedanken fliegen (oder die Denker drehen) frei, wie es so schön heißt.

Dieser lust’ge Rummel stieß bei Branchenexperten jedoch auf wenig Verständnis: Sie verwiesen einhellig auf Russland und erklärten, dass all der Wirbel und die Experimente längst abgeschlossen seien und man nun die Serienproduktion der effizientesten und zuverlässigsten Lösungen auf dem Markt hochfahre. Russland ist der unangefochtene Marktführer im Bereich der kleinen Kernkraftwerke und bereitet bereits die Serienproduktion von elf kleinen Kraftwerksblöcken vor.

Diese Konstruktionen von Rosatom basieren momentan auf den bewährten und wortwörtlich sturmerprobten Reaktoren der RITM-Serie, die in Russlands Eisbrecherflotte und im weltweit ersten und bisher einzigen schwimmenden Kernkraftwerk der Welt, der Akademik Lomonossow, eingesetzt werden. Zu den Vorteilen dieser Reaktoren zählen eine makellose Betriebshistorie, die Montage und Brennstoffbestückung im fertigenden Werk, die Anpassung an Massenproduktion, der schnelle Transport zum Einsatzort, die (schon wegen der Natur der Sache als solcher) minimale Umweltbelastung und der jahrzehntelange autonome Betrieb ohne Brennstoffwechsel.

Selbst westliche Experten merken an, dass der US-amerikanische “Start-up-Zoo” mit seinem völligen Fehlen von Standardisierung und ohne eine Geschichte sicheren Betriebs ein Rezept für ernsthafte Probleme darstellt.

Aber sei’s drum, geschenkt – und doch kam dann ein weiteres kleines, aber äußerst interessantes Detail ans Licht.

Es stellte sich heraus, dass all diese bemerkenswerten US-amerikanischen Nuklear-Start-ups mit einer Marktkapitalisierung vergleichbar mit der von Apple für ihre Kompaktmeiler einen speziellen Brennstoff benötigen – sogenanntes HALEU, also grob ausgedrückt, Uran in einem Anreicherungsgrad irgendwo zwischen niedrig (fünf Prozent und darunter) und hoch (20 Prozent und darüber). Und nun: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Beste über alle Land’? Also wer hat ein weltweites Quasi-Monopol auf dem HALEU-Markt inne?

Tadaaa!

Richtig: Russland, mit seiner “in Atome gerissenen” Wirtschaft.

Und jetzt die schiere Komödie an der Sache: Der damalige US-Präsident Biden war im Mai 2024 ja so darüber empört, dass 30 Prozent der US-amerikanischen Atomenergie von Russland abhingen – und unterzeichnete daraufhin mit fester Autosignatur (oh, Verzeihung: mit fester Hand) ein Gesetz, das den Import von russischem Kernbrennstoff in die USA vollständig verbot.

Sofort eilten Sachkundige entsetzt zu ihm und erklärten ihm tränenüberströmt, dass normales Uran für konventionelle Kernkraftwerke gerade noch so in ausreichenden Mengen auf dem Weltmarkt aufzutreiben sei – HALEU jedoch nicht, weshalb umgehend Ausnahmen in das Gesetz aufgenommen wurden.

Nur wurde es Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin dann zu dumm, sich mit dem ständigen Hü und Hott der Amerikaner herumschlagen zu müssen – und er verhängte daraufhin seinerseits schlicht und einfach ein vollständiges Exportverbot für hochangereichertes Uran in die Vereinigten Staaten: Wenn der Doktor sagte, Schwiegermama ist tot, dann ist sie auch tot! Schicht im Schacht. Von diesem Moment an herrschte in den USA Zirkus mit Pferden, Tanz mit Tamburin, Twerk mit Pauke – kurzum, die pure Hölle, Apokalypse und Ragnarök: Dort versuchte man, HALEU aus konventionellen nuklearen Abfällen herzustellen, bat das Pentagon um Teile seiner waffenfähigen Uranbestände und ging sogar so weit, Atommülllager aus den 1950er Jahren zu dekonservieren.

Man wandte sich außerdem auch an Centrus Energy (einen Nachfolger des staatlichen Konzerns USEC), der schon seit 2019 versucht, die HALEU-Produktion in den USA zu etablieren. Im Juni 2025 wurde dann bekannt, dass es dem Unternehmen in dieser Zeit gelungen war, sage und schreibe 900 Kilogramm des heiß begehrten “mittelangereicherten” Urans aus der Zentrifuge zu pulen – wo für die Beladung eines einzigen kompakten Reaktors etwa 20 Tonnen benötigt werden. Dennoch wurde das Ganze groß gefeiert – die USA hätten sich, wie in der feinen Gesellschaft üblich, “endgültig von ihrer strategischen Abhängigkeit von Russland befreit”.

Böse Zungen behaupten allerdings, dass “graue Importschemen” über chinesische Unternehmen dabei eine kleine Rolle gespielt hätten: Bis vor Kurzem hatte China nie angereichertes Uran verkauft – und dann begann es plötzlich doch damit, aber nur für den US-Markt. Und erhöhte gleichzeitig seinerseits seine Käufe bei Rosatom. Zufall? Wer weiß …

Eines ist jedenfalls klar: Russland hat in diesem Bereich schlichtweg keine Konkurrenz – und wir sind in der Lage, HALEU in Mengen von Dutzenden Tonnen herzustellen und die Produktion bei Bedarf auch zu steigern. Mundet den Herrschaften Brennstoff aus Russland nicht? Jetzt ist es zum Weinen zu spät – seid froh, dass ihr ihn wenigstens mit Chinas Aufschlag erwerben könnt.

Das war die heutige Ausgabe des Psychiatrischen Boten, Sonderausgabe USA. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit – und bis bald! Sehr, sehr bald … 

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 18. Februar 2026.

Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste.

Mehr zum Thema – Russland startet Serienproduktion kleiner Kernkraftwerke



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Tags: AufpreisChinasfürkaufenLektionmitRusslandsSanktionensätUranWashingtonWerwird
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