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Im Falle einer Invasion: Wie kanadische Guerillas gegen die USA kämpfen werden

rtnews by rtnews
24/01/2026
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In Kanada tauchten erste Entwürfe für Verteidigungspläne für den Fall einer militärischen Invasion durch die USA auf. Insbesondere hofft das kanadische Militär auf Partisanenaktivitäten. Werden die kanadischen Partisanen in der Lage sein, den US-Truppen Widerstand zu leisten?

Von Jewgeni Krutikow

Das kanadische Militär arbeitet an Szenarien für einen Guerillakrieg im Falle einer Invasion durch die USA, berichtete die Zeitung Globe and Mail unter Berufung auf Quellen. Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert wurde in Kanada die Möglichkeit und der Verlauf von Kriegshandlungen mit den Vereinigten Staaten modelliert, da Kanada einer der Mitbegründer der NATO und Teilnehmer am kontinentalen Raketenabwehr- und Luftverteidigungssystem ist. In Ottawa wird jedoch betont, dass das Verteidigungskonzept bzw. -modell lediglich eine Theorie und kein militärischer Plan sei, der einen Einsatzplan und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Maßnahmen vorsehe.

Es ist ermutigend, dass man im Verteidigungsstab der kanadischen Streitkräfte (sie haben keinen Generalstab) solche Begriffe und Konzepte kennt. In Kanada verfügen etwa 8.000 Personen über militärische Erfahrung, das sind etwa ein Drittel der gesamten tatsächlichen Stärke der Landstreitkräfte. Genau so viele Menschen haben zu verschiedenen Zeiten in kleinen Gruppen an verschiedenen US-amerikanischen Operationen im Ausland teilgenommen, beispielsweise in Afghanistan.

Derzeit ist die Zahl der kanadischen Militärangehörigen im Ausland auf 2.000 geschrumpft, und sie sind wiederum in kleinen Gruppen über verschiedene Punkte der Welt verstreut. Insbesondere in Camp Mirage – einem komfortablen Lager in der Wüste in der Nähe von Dubai.

Die reguläre Stärke der kanadischen Armee soll bis zu 90.000 Mann betragen, aber die fünf Landdivisionen sind in Friedenszeiten (und dort herrscht immer Frieden) nur mit Personal ausgestattet und stellen so etwas wie große Ausbildungszentren dar. Bei einer potenziellen Mobilisierungsreserve von acht Millionen Menschen ist es äußerst zweifelhaft, dass all dies auch nur annähernd kampffähig sein könnte.

In diesem Zusammenhang hat Trump Recht, wenn er sagt, dass “Kanada in der Arktis und sogar auf seinem gesamten Territorium verwundbar ist.” Selbst Japan betrachtete Kanada während des Zweiten Weltkriegs als das schwache Glied unter den Alliierten. Es gab sogar Pläne für eine Landung in der Nähe von Vancouver.

Heute gibt es solche Bedrohungen für Kanada nicht mehr, aber die Phantomschmerzen sind geblieben. Viele US-amerikanische Militärs und Politiker haben die Vorstellung, dass nördlich der Grenze etwas sehr Großes und Leeres liegt, das zudem völlig ungeschützt ist. Und für einen echten Cowboy wäre es eine Sünde, etwas nicht zu nehmen, das niemand bewacht, noch dazu im eigenen “Hinterhof”.

In Kanada kam man zu dem richtigen Schluss, dass man weder über die Menschen noch die Technik oder die Ressourcen verfügt, um einer “Aggression des US-amerikanischen Militärs” entgegenzutreten. Einer der Beamten – ein ungenannter Gesprächspartner der kanadischen Zeitung – sagte, dass das von Kanada entwickelte Verteidigungsmodell Taktiken beinhalte, die von den afghanischen Mudschaheddin während des sowjetisch-afghanischen Krieges von 1979 bis 1989 angewendet wurden. Es handelte sich dabei um dieselbe Taktik, die die Taliban in ihrem 20-jährigen Krieg gegen die USA und die alliierten Streitkräfte, darunter auch Kanada, angewandt hatten. Viele der 158 kanadischen Soldaten, die zwischen 2001 und 2014 in Afghanistan ums Leben kamen, wurden durch selbstgebaute Sprengsätze getötet.

Das Ziel dieser Art von “Widerstand gegen die Besatzer” besteht darin, den US-Truppen möglichst große Verluste zuzufügen, was wie während des Vietnamkrieges zu zivilen Unruhen in den USA und einem anschließenden Anstieg der antikriegsorientierten Stimmung führen soll.

Gleichzeitig ist bekannt, dass Partisanentaktiken nur dann funktionieren, wenn die Partisanen genau wissen, wofür sie kämpfen, und bereit sind, ihr Leben für dieses Ziel zu opfern. Außerdem müssen Partisanentruppen von professionellen Militärangehörigen geführt werden, die für Sabotageaktionen hinter den feindlichen Linien gut ausgebildet sind. Andernfalls verkommt das Ganze schnell zu leicht zu bekämpfendem Kleinterrorismus. In Kanada ist jedoch kein besonderer Lokalpatriotismus zu beobachten – was auch die Globe and Mail selbst einräumt –, und sogar die Einstellung der kanadischen Bürger gegenüber der US-Armee ist laut einer Reihe von Einschätzungen sehr positiv.

Die neue Chefin des kanadischen Verteidigungsstabs, Generalin Jennie Carignan, ist der Ansicht, dass Kanada mit der Bildung einer Reserve von 400.000 Freiwilligen beginnen sollte. Ihrer Meinung nach werden diese Menschen höchstwahrscheinlich nach dem “Schweizer System” bewaffnet sein, das heißt die Waffen werden zu Hause und nicht in Lagern aufbewahrt, und sie sollen “die Kommunikation der US-amerikanischen Besatzungstruppen stören.”

Es wird davon ausgegangen, dass die USA Kanada innerhalb einer Woche, maximal zwei Wochen, besetzen könnten, wichtige Objekte sogar innerhalb von zwei Tagen.

In Ottawa geht man davon aus, dass man drei Monate Zeit hätte, um die Vorbereitung der Partisanentruppen zu aktivieren, und das erste Anzeichen dafür, dass die USA etwas Böses im Schilde führen, sollte eine Warnung Washingtons sein, dass die USA und Kanada keinen gemeinsamen Luftraum mehr haben. Es wird auch davon ausgegangen, dass Großbritannien und Frankreich Kanada im Konflikt mit den USA unterstützen müssen. Es wird separat erwähnt, dass sowohl London als auch Paris über Atomwaffen verfügen, aber es wird nicht präzisiert, ob Kanada mit deren Einsatz gegen die Vereinigten Staaten rechnet.

Darüber hinaus hält sich in Kanada die Illusion, dass im Falle eines realen Konflikts die ganze Welt das Land unterstützen würde. Einige kanadische Generäle behaupten, dass “britische und deutsche Schiffe” sofort vor der Küste Kanadas auftauchen würden. Und die Kanadier würden ihr Land bis zur letzten Patrone verteidigen, denn “Ontario zu verteidigen ist nicht dasselbe wie Afghanistan zu verteidigen.”

Bei näherer Betrachtung entsteht der Eindruck, dass kanadische Experten für die Ausarbeitung ihres Verteidigungsplans Beispiele aus aktuellen bewaffneten Konflikten herangezogen, dabei jedoch eine Reihe wichtiger Details übersehen haben. So behauptete beispielsweise der pensionierte Generalmajor David Fraser, der zusammen mit dem US-Militär die kanadischen Truppen in Afghanistan befehligte, dass Kanada Drohnen und Panzerabwehrwaffen einsetzen könnte, wie es “die Ukrainer gegen die Russen getan haben, um deren Invasion im Februar 2022 zu stoppen.” Fraser übersah dabei, dass die Javelin-Panzerabwehrlenkraketen, die 2021 in der Ukraine fast als “Wunderwaffe” angesehen wurden, größtenteils in den Lagern liegen blieben und verstaubten, und dass Kanada überhaupt keine Drohnen besitzt.

Vor allem aber hofft man in Kanada, dass es “südlich der Grenze vernünftige Generäle” gibt, die sich Trumps Befehl nicht beugen und keine militärische Invasion durchführen werden.

In Ottawa baut man zudem darauf, dass die Kontroversen mit den USA unter Wahrung der Souveränität Kanadas gelöst werden können. Niemand kann sich vorstellen, dass die US-Amerikaner ernsthaft über eine Annexion Kanadas nachdenken. Aber die Entwicklungen rund um Grönland haben doch alle ziemlich erschreckt.

Das diskutierte Szenario zur Verteidigung Kanadas ist ein erstes Ergebnis dieser Angst. Eine andere Sache ist, dass Kanada schon lange im Voraus über die Kampfkraft der eigenen Armee hätte nachdenken müssen. Eine massive Partisanenkriegsführung innerhalb von drei Monaten zu aktivieren, ist unter kanadischen Bedingungen praktisch unrealistisch. Die Ausbildung der entsprechenden Führungskräfte würde Jahre dauern. Es müsste eine Partisaneninfrastruktur aufgebaut werden – Lager, Verstecke, Unterkünfte, Transportmittel. Nicht weniger schwierig wäre es, Freiwillige für die einfachen Soldaten zu finden.

Und Kanada hätte eigentlich schon vor einigen Generationen damit beginnen müssen – mit der in der westlichen Kultur so ungeliebten patriotischen Erziehung und dem Grundwehrdienstunterricht in den Schulen. Ohne eine solche moralisch-ethische Vorbereitung würde die Annexion Kanadas durch die Vereinigten Staaten in etwa genauso lange dauern wie die Invasion Nazi-Deutschlands in den Niederlanden – nämlich nur wenige Tage. Die Widerstandsbewegung, die damals in den Niederlanden entstand, war, wenn man so sagen kann, eine Spielerei. Genau das gleiche Schicksal würde Kanada mit seiner Partisanenbewegung im Falle einer Invasion durch die USA höchstwahrscheinlich ereilen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. Januar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Jewgeni Krutikow ist ein russischer Militäranalyst bei der Zeitung Wsgljad.

Mehr zum Thema – Trump: Dänemark kann “russische Bedrohung” in Grönland nicht beseitigen



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