
Noch im alten Jahr hatte die finnische Küstenwache einen aus St. Petersburg kommenden Frachter unter dem Vorwand festgesetzt, ein zwischen Finnland und Estland verlaufendes Unterwasserkabel zerstört zu haben. Der unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen fahrende Frachter Fitburg wird von den finnischen Behörden beschuldigt, er habe durch das Schleifenlassen seines Schiffsankers eine wichtige Telekommunikationsverbindung zwischen den beiden Ostseeanrainern beschädigt.
Das Schiff wurde aus der finnischen Wirtschaftszone zu einem Ankerplatz innerhalb der finnischen Hoheitsgewässer navigiert. Dort nahmen finnische Behördenvertreter den Frachter unter ihre Kontrolle. Die aus 14 Personen bestehende und aus Ländern der früheren Sowjetunion stammende Besatzung wurde festgesetzt. Mittlerweile ist die Rede davon, dass zwei Besatzungsmitglieder verhaftet worden sind, gegen zwei weitere Personen aus der Crew wurden Ausreisesperren verhängt. Zielort des Schiffes, das nun im Hafen Kantvik der Gemeinde Kirkkonummi vor Anker, soll das israelische Haifa gewesen sein.
Damit setzt sich die bereits prophezeite Eskalation im Ostseeraum gegenüber Schiffen, die russische Waren befördern oder aus einem russischen Hafen ausgelaufen sind, weiter fort. Neben den Ermittlungen wegen angeblicher Zerstörung wichtiger Kommunikationsverbindungen und Vorwürfen der Sachbeschädigung sowie der versuchten Sachbeschädigung wird der Besatzung auch vorgeworfen, unter Sanktion gestellte Waren transportiert zu haben. Es handele sich dem Vernehmen nach um Stahlprodukte, die nicht ordnungsgemäß angemeldet worden seien. Die Ladung wurde bis auf Weiteres beschlagnahmt.
Nach Angaben der finnischen Behörden zeige sich die Besatzung der Fitburg kooperativ. Nachdem bereits am Mittwoch erste Aussagen aufgenommen worden waren, gingen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge die Befragungen am 2. Januar weiter. Zur gleichen Zeit laufen Unterwasseruntersuchungen an der beschädigten Kabelstelle. Zu der Frage, ob ein durch einen Staat geplanter Vorsatz bei der Kabelbeschädigung vorliege, wollte Kriminalhauptkommissar Risto Lohi vom Nationalen Ermittlungsbüro keine Aussage treffen. Es sei noch zu früh, um solche Fragen zu beantworten, hieß es. Jeder Fall werde einzeln geprüft.
Der Fall erinnert an die Festsetzung der Eagle S genau ein Jahr zuvor. Auch diesem Schiff (beziehungsweise seiner Mannschaft) wurde Sabotage mittels der Beschädigung eines Unterseekabels durch die Ankerkette zur Last gelegt. Im März 2025 musste das Schiff jedoch wieder freigegeben werden, im Oktober desselben Jahres wurden drei angeklagte Besatzungsmitglieder freigesprochen, da dem Gericht zufolge das finnische Strafrecht in diesem Fall nicht anwendbar sei (RT DE berichtete). Medienberichten zufolge wurde der Anwalt Herman Ljungberg, der bereits Besatzungsmitglieder der Eagle S verteidigt hatte, von der Reederei nun auch im Fall Fitburg engagiert.
Russland hat inzwischen der Besatzung der Fitburg seine Hilfe angeboten. Von Pressevertretern darauf angesprochen, meinte Finnlands Verteidigungsminister Antti Häkkänen, dass die Kabelzerstörungen in der Ostsee in den vergangenen drei Jahren kein reiner Zufall sein könnten. Es sei offensichtlich, dass diese Aktivitäten einen russischen Hintergrund hätten. Allerdings müsse jeder Einzelfall untersucht werden, denn nicht hinter jedem Vorfall stecke staatliches Handeln. Da es sich um ein aus Russland kommendes Schiff mit einer teilweise russischen Besatzung handele, sei Russlands Hilfsangebot vollkommen selbstverständlich. Derweil steht die Botschaft der Russischen Föderation in Helsinki in Kontakt mit den finnischen Behörden. Man hoffe, dass “die Situation im Geiste der Zusammenarbeit und in Übereinstimmung mit den einschlägigen Rechtsnormen gelöst” werde, hieß es in einer Erklärung.
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