
Einen äußerst seltsamen Vorfall in Lettlands Luftraum vermeldet Russlands Verteidigungsministerium: Am Morgen des 7. Mai 2026, um 3:20 Uhr Moskauer Zeit, wurden durch russische Radaranlagen sechs Starrflügler-Drohnen über Lettland geortet, die allem Anschein nach Russlands nordwestliche Region, wohl den Großraum Sankt Petersburg, ansteuerten.
Etwa gleichzeitig mit ihnen wurden, ebenfalls über Lettland, je zwei Jagdflugzeuge der Typenreihen Raphale aus französischer und F-16 aus US-Fertigung geortet.
Nun das Seltsame an der Sache – wir zitieren Russlands Militärbehörde:
“Gegen vier Uhr morgens verschwanden die Signaturen von fünf der sechs georteten unbemannten Fluggeräte in der Gegend der Stadt Rēzekne im Osten Lettlands.”
Die sechste Drohne schließlich drang um 4:41 Uhr in Russlands Luftraum ein und wurde 78 Kilometer südöstlich der Stadt Pskow durch Feuermittel diensthabender Bediener russischer Flugabwehr abgeschossen. Sie wurde anhand der Trümmer als der ukrainischen Typenreihe Antonow An-196 “Ljuty” angehörig identifiziert.
Die Raphale-Kampfflugzeuge gehören dem französischen Luftstreitkräftekontingent an, das momentan zusammen mit einem rumänischen und einem portugiesischen – diese beide jeweils auf F-16-Jägern – im Rahmen der Baltic Air Policing Mission den Luftraum über den baltischen Staaten patrouilliert.
Ebenfalls am Morgen desselben Tages wurde von Lettlands Medien berichtet, die Trümmer einer Drohne seien auf dem Gelände eines Standortes der petrochemischen Industrie aufgefunden worden – und zwar ebenfalls in Rēzekne; Anwohner hatten der Polizei “in der Nacht” deutlich sichtbare Rauchentwicklung auf diesem Gelände gemeldet. Angerückte Feuerwehr habe kein offenes Feuer vorgefunden. Die Landespolizei habe ein Ermittlungsverfahren in die Wege geleitet.
Durch den Absturz der Drohne wurde ein Tank der Raffinerie beschädigt, in dem sich jedoch keine Ölprodukte befanden. Todesopfer oder Verletzte wurden nicht gemeldet.
Andris Sprūds, der lettische Verteidigungsminister, kommentierte den Vorfall:
“Allem Anschein nach geht es um unbemannte Fluggeräte, die von der ukrainischen Seite gegen Russland gestartet worden waren. Diese Version des Sachhergangs bedarf allerdings noch der Bestätigung.”
Die ukrainischen Drohnen seien vom Kurs abgekommen und daher “auf der falschen Seite der Grenze” eingeschlagen, erklärte der Minister. Wie es gleich bei fünf Drohnen von einem anscheinend doch sehr überschaubaren Gesamtkontingent (das Gebiet Leningrad wurde am 7. Mai 2026 von keiner einzigen ukrainischen Drohne auch nur erreicht) an einem Tag zu einer derartigen Kursstörung gekommen sein kann, wo doch zuvor bei weitaus größeren Kontingenten an gestarteten Drohnen jedenfalls keine derartige Häufung beobachtet werden konnte, ließ Sprūds unbeantwortet. Zum Vergleich: Am 25. März 2026 vermeldete Russland allein an abgeschossenen ukrainischen Drohnen über dem Gebiet Leningrad 56 Stück, wobei einige wenige auch dort einschlugen – während es an diesem Tag lediglich zwei Fälle gab, an denen angeblich vom Kurs abgekommene Drohnen im Gebiet der baltischen Staaten einschlugen: eine in Lettland, eine in Estland.
Jedenfalls sei Sprūds zufolge sei die Anwesenheit einer Drohne bestätigt worden, während eine zweite noch gesucht werde und eine dritte höchstwahrscheinlich den lettischen Luftraum in Richtung Russland verlassen habe. Videoaufnahmen vom Überflug eines dieser unbemannten Fluggeräte liegen vor – dem Aussehen nach handelt es sich zumindest bei dieser Starrflügler-Kamikazedrohne nicht um eine Antonow An-196, sondern um eine aus der ukrainischen Typenreihe Fire Point FP-1.
Den Fund der Trümmer zweier Drohnen bestätigten schließlich die lettischen Streitkräfte. Deren Pressesekretär, Maris Tutins, erklärte gegenüber lettischen Radiojournalisten, Daten über das Eindringen von Drohnen in den Luftraum des Landes an diesem Morgen lägen vor.
Auch wurde auf ein Signal der Armee in drei Regionen im Osten des Landes eine Drohnengefahr-Warnung verhängt.
SHOT, ein russisches Nachrichten-Onlineportal, schreibt mit Verweis auf eigene Quellen, dass die Drohnen denselben Weg geflogen seien wie ihre Vorgänger bei Angriffen auf das Gebiet Leningrad im März – über Polen, Litauen und schließlich Lettland. Daher dürfte, so die Folgerung, der Startort diesmal im Gebiet Sumy der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik gelegen haben, wie auch zuvor im März.
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