
Am Donnerstag fand in mehreren Häusern des ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland eine polizeiliche Razzia statt. Zuvor wurde seine Immunität durch einstimmigen Beschluss im Europarat aufgehoben.
Der heute 74-jährige Jagland war nach seiner Amtszeit als norwegischer Regierungschef in den neunziger Jahren von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats, und er war Vorsitzender des norwegischen Nobelpreiskomitees. Die Razzien wurden im Rahmen einer korruptionsrechtlichen Untersuchung über Jaglands Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein durchgeführt.
Dem sozialdemokratischen Spitzenpolitiker wird in der Korruptionsklage unter anderem zur Last gelegt, dass er mehrfach in verschiedenen Anwesen des verurteilten Sexualstraftäters übernachtet haben soll. Es ginge nicht nur um kurze Treffen, sondern um Aufenthalte von jeweils mehreren Tagen, berichtete unter anderem das österreichische Nachrichtenportal newsflix am Donnerstag. Bei der Razzia seien Jaglands Wohnung in Oslo, ein Haus an der norwegischen Ostküste, und weitere Ferienimmobilien durchsucht worden.
Putin ist schuld am Kontakt zwischen Epstein und Jagland
Laut einem Wikipediabeitrag vom 13. Februar 2026 ging es bei den norwegischen Korruptionsermittlungen um “Geschenke, bezahlte Reisen und Kredite” während seiner Zeit als Vorsitzender des Nobelkomitees. Wikipedia erklärt aber auch Epsteins Motive für seine Verbindung zu Jagland: Epstein habe mit Jagland verkehrt, um von diesem ein Treffen mit Wladimir Putin arrangiert zu bekommen. Weil Epstein sich mit Wladimir Putin treffen wollte, musste er Jagland seine Häuser überlassen, erklärt Wikipedia den Grund der Verbindung zwischen Epstein und Jagland.
Über die Klage seitens der norwegischen Behörden gegen ihren früheren Regierungschef wegen “grober Korruption” berichtete am Donnerstag auch die New York Times (NYT). Laut NYT ginge aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen hervor, “dass Herr Epstein und Herr Jagland ein enges Verhältnis hatten und sich in herzlichen Nachrichten über Mahlzeiten, Treffen und vieles mehr austauschten”.
So frage Herr Jagland in einer E-Mail vom Februar 2015 an, ob er bei seinem Aufenthalt in Frankreich in der Pariser Wohnung von Herrn Epstein übernachten dürfe. Dies sei ihm gestattet worden. In der Anklage gegen Jagland ginge es aber laut NYT offenbar weniger um dessen enges Verhältnis zum verurteilten Sexualstraftäter Epstein. Die NYT hebt vielmehr hervor, dass die Epstein-Akten (nicht näher beschriebene) “Aktivitäten des Außenministeriums, Zahlungen, Sicherheitsmaßnahmen und weitere Themen” enthüllten. Dazu würde ein norwegischer Untersuchungsausschuss jetzt Anhörungen durchführen.
Die Zeitung erwähnt im weiteren Verlauf des Artikels, “dass auch andere prominente Norweger nun im Fokus der Aufmerksamkeit stehen”: Kronprinzessin Mette-Marit, der ehemalige norwegische Außenminister Borge Brende, der jetzt das Weltwirtschaftsforum leitet, und Mona Juul, die als Botschafterin in Jordanien und im Irak suspendiert wurde.
Obwohl die Epstein-Akten sich weltweit auswirkten, habe Norwegen quasi besonderes Pech gehabt. Dazu kommentiert die Zeitung über die in das Netzwerk des verurteilten Kindervergewaltigers Epstein verflochtenen Politiker:
“Die Veröffentlichung der Epstein-Akten hat weltweit Auswirkungen gehabt, und obwohl offenbar keine Region davon verschont geblieben ist, wurde Norwegen besonders hart getroffen.”
Besonders besorgt sei man aber weiterhin über die potenzielle Verflechtung von Epstein mit “Russland” heißt es am Ende des NYT-Beitrages. Dazu habe der norwegische Untersuchungsausschuss das Außenministerium öffentlich gefragt:
“Was unternimmt das Außenministerium, um die möglichen Verbindungen der in den Epstein-Akten erwähnten norwegischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Russland zu untersuchen?”
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