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Ein Startup namens Quantum Frontline Industries oder warum es so schwer fällt, den Krieg zu beenden

rtnews by rtnews
13/02/2026
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Wenn man wissen will, was die Politik motiviert, ist es manchmal ganz interessant, sich anzusehen, wohin sich das Geld bewegt. Eine kleine Drohnenproduktion im Alpenvorland, die aktuell als Bilderkulisse diente, erweist sich als gutes Beispiel dafür.

Von Dagmar Henn

Es ist ein kleiner Showauftritt im Umfeld der Münchner Sicherheitskonferenz: Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und der ukrainische Regierungschef Wladimir Selenskij treten irgendwo im Bayrischen vor die Kameras und halten grinsend eine Drohne. Ort soll ein neues Drohnenproduktionsunternehmen namens Quantum Frontline Industries sein, dessen Sitz, so wird das in mehreren Berichten betont, ganz geheim sein soll. Der ukrainische Journalist Anatolij Scharij hat allerdings schon bekanntgegeben, wo die Fertigung stattfindet. Im oberbayrischen Weßling. Und süffisant hinzugefügt:

“Die dummen, zufriedenen Gesichter Selenskijs und des Ministers scheinen anzudeuten, dass sie die Einwohner Bayerns nicht vor möglichen Problemen in der Zukunft gewarnt haben.”

Zelensky received the first drone produced at the joint Ukrainian-German defense enterprise Quantum Frontline Industries GmbH.The exact location of the plant is officially undisclosed for security reasons.At the same time, through simple calculations, we figured out that it… pic.twitter.com/AfvhIrVfU8

— Anatolij Sharij (@anatoliisharii) February 13, 2026

Weßling ist ein Ort zwischen Ammersee und Starnberger See; eine logische Adresse für ein Tochterunternehmen einer Drohnenfirma, die selbst in Gilching sitzt. Quantum Frontline ist eine gemeinsame Tochter von Quantum Systems mit dem ukrainischen Drohnenproduzenten Frontline Robotics (an dem Quantum seit Sommer 2025 beteiligt ist). Ziel ist es, 10.000 Drohnen jährlich zu bauen; dabei soll vor allem deutsche Automatisierung genutzt werden. Finanziert wird diese Firma vom deutschen Verteidigungsministerium. Was erstaunlich ist, denn Quantum Systems hätte das eigentlich nicht nötig. Auch wenn die Mutterfirma 2023 erstmals Gewinn erzielte, ist dieses Unternehmen bisher vor allem eines: eine erfolgreiche Geldsammeleinrichtung.

Aber Quantum Systems ist auf Einkaufstour. Vor kurzem übernahm es die Hacker Motor GmbH, ursprünglich als Firma für Elektromotoren für Modellbau bekannt. Auf einem Modellbauforum wurde das so kommentiert:

“Quantum Systems kauft momentan alles auf, was laminieren kann.”

Derartige Übernahmen sind derzeit in Mode; im vergangenen September hatte der Motorenhersteller Deutz die Elektromotorfirma Sobek übernommen, was das Handelsblatt kommentierte, Deutz wolle damit “in das Geschäft mit militärisch genutzten Drohnen” einsteigen. Ein großes Geschäft, in dem gerade viel Bewegung ist. Zuletzt kaufte Quantum Fernride, eine Firma für Logistikautomatisierung, und die britische Nordic Unmanned.

Quantum Systems GmbH ist eine Firma, die erst 2015 von ehemaligen Studenten der Bundeswehr-Hochschule gegründet wurde. Die Vorarbeiten hatten, so die Angaben auf einem Startup-Portal, schon 2008 begonnen. Noch 2021 beschrieb sich das Unternehmen als “spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von autonomen Wandelfluggeräten zur zivilen Nutzung”.

Wandelfluggeräte, das sind in diesem Fall Starrflügeldrohnen, die ihre Rotoren vertikal, aber auch horizontal stellen und daher senkrecht starten können. Das Startup besitzt eine Reihe von Patenten für derartige Drohnen. Anfangs wurden sie beispielsweise für Kartierungen oder zur Kontrolle von Bahnstrecken eingesetzt.

Trotz der Selbstbeschreibung von 2021 begann schon 2020 die erste Entwicklung in militärische Richtung; interessanterweise zusammen mit einer amerikanisch-schweizer Softwarefirma für das US-Verteidigungsministerium (das übrigens im Mai 2023 ebenfalls 20 Millionen beisteuerte) . Aber der große Schub erfolgt mit dem Ukraine-Konflikt im Jahr 2022. Erst einmal schon im Sommer aus dem Wachstumsfonds Bayern 2, einigen Privatinvestoren und der Europäischen Investitionsbank, und dann im Oktober durch Project A und Peter Thiel; insgesamt fast 50 Millionen Euro.

Die Drohnen, die Quantum produziert, sind nicht billig. Die spanische Armee orderte beispielsweise im April 2025 91 Vector-Drohnen (das ist das für die USA entwickelte Modell) für 27 Millionen Euro, also fast 300.000 Euro pro Stück. Auch die Ukraine wurde übrigens mit Vector beliefert; bis April 2025 waren es 619 Vector-Drohnen, bezahlt aus dem deutschen Haushalt. Die 26 Millionen Euro des ukrainischen Verteidigungsministeriums, die in der Bilanz 2023 stehen, dürften also in Wirklichkeit deutsches Geld gewesen sein. 2023 war dann auch das Jahr, in dem das Unternehmen erstmals Gewinn machte.

Aber das Auffälligste ist der kontinuierliche Geldfluss. Der endete nämlich nicht im Jahr 2022, sondern setzt sich seitdem kontinuierlich fort, wie man aus dieser Grafik des Portals Munich-Startup.de sehen kann:

Screenshothttps://www.munich-startup.de/startups/quantum-systems-gmbh/

Das ist ein gewaltiges Wachstum. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg entsprechend – von unter 50 noch im Mai 2019 auf mehr als 450 im Januar 2026. Der Wert der Firma wird inzwischen auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Nebenbei: T Capital ist tatsächlich die Deutsche Telekom.

Es ist schon interessant, was sich da alles drängt. Airbus zum Beispiel. Porsche. Da gibt es eine Erwartung für großes Wachstum. Das Wachstum hat aber eine Voraussetzung – es darf keinen Frieden geben. Sonst würde das Geschäft mit den Drohnen sehr schnell nachlassen. Ein Geschäft, das es vor 2022 nur in Randgebieten gab. Urwälder kartografieren. Luftaufnahmen für Bauplanungen liefern. Oder eben Überwachung für Sicherheitszwecke. Krieg liefert Umsatz auf einer ganz anderen Skala; schließlich wird da in der Regel Nachschub benötigt, ehe der natürliche Lebenszyklus des Objekts beendet ist. Und im Falle von Quantum Systems lässt sich sehen: Dorthin fließt das Geld.

Quantum hat übrigens nicht nur Drohnen an die Ukraine geliefert, sondern betreibt dort auch schon seit 2023 eine Werkstatt. Es gibt außerdem Tochterfirmen in den USA, in Rumänien und in Australien. Seit März 2024 gönnt sich die Firma sogar einen eingetragenen Lobbyisten im deutschen Bundestag.

Ja, man könnte sagen, die Voraussetzungen für gute Geschäfte sind geschaffen. Da kommt dann auch gerne mal der Verteidigungsminister vorbei und grinst in die Kamera. Für die zehntausend Drohnen, die die Ende vergangenen Jahres geschaffene Tochter Quantum Frontline Industries künftig jährlich produzieren soll, sollen sogar einige in Deutschland lebende Ukrainer eingestellt werden.

Diese Drohnen dürften pro Stück etwas günstiger sein als die Produkte von Quantum selbst, aber mit Sicherheit dennoch eine beträchtliche Gewinnspanne liefern. Außerdem ist das dank der Finanzierung durch das Verteidigungsministerium quasi risikofrei. Weshalb man sich eigentlich fragen müsste, was das denn soll, dafür überhaupt ein solches Unternehmen zu nehmen, das dann am Ende die Gewinne einstreichen darf. Vermutlich geht es, wenn man sich die Einkäufe der Mutterfirma in jüngster Zeit ansieht, vor allem darum, eine automatisierte Produktion zu schaffen, die dann die Stückpreise deutlich senken würde. So lautete es auch in einem ukrainischen Bericht über die Gründung von Quantum Frontline Industries:

“Sie wird eine voll automatisierte industrielle Drohnenproduktionslinie für die ukrainischen Streitkräfte in Europa errichten.”

Die Rüstungsindustrie im Westen ist nämlich weitgehend wieder auf Manufakturniveau zurückgefallen, was einer der Gründe für die massiven Probleme bei der Ausweitung der Produktion ist.

Eines allerdings kann weder Quantum Systems noch seine Investoren gebrauchen: den Ausbruch von Frieden. Denn dann würden nicht nur quer durch Europa die Ausgaben für diesen Sektor auf ein gesellschaftlich verträglicheres Maß heruntergefahren, weil es deutlich schwerer würde, Kanonen statt Butter durchzusetzen; es würde auch die regelmäßige Zerstörung beenden, die die Nachfrage nach oben schraubt. Das Geschäftsmodell wäre am Ende.

Nun ist Quantum Systems aber nur ein Beispiel für derartige Firmen. Und nur eine Andeutung der Kapitalbewegungen, die die letzten Jahre ausgelöst haben, abseits der großen sichtbaren Exemplare wie Rheinmetall. In ganz Europa dürfte jedenfalls die Rüstungsindustrie in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen gerade der profitabelste Sektor überhaupt sein. Mit einer unübersehbaren Erwartung von mehr. Gerade die jüngsten Zuflüsse belegen, dass niemand von diesen Investoren davon ausgeht, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Wieviele Ukrainer das noch das Leben kostet, ist egal. Und genau so werden sich die Politiker der EU weiter verhalten. Außer vielleicht, man erfände eine neue Pandemie.

Mehr zum Thema – Mehr Krieg für Maximalprofit: Rüstungsgewinne explodieren





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Tags: beendendeneinfälltFRONTLINEIndustrieskriegNamensoderQuantumschwerStartupWarum
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