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Der Welt droht die größte Atomkatastrophe der Neuzeit

rtnews by rtnews
25/03/2026
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Ein möglicher Angriff auf das iranische Kernkraftwerk Buschehr birgt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und humanitäre Katastrophengefahren – und dabei geht es nicht nur um Iran. Dutzende Länder der Region würden unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung darunter leiden, auch Partner der USA.

Von Olga Samofalowa

Die USA drohen damit, in fünf Tagen, also noch vor Ende dieser Woche, iranische Kraftwerke anzugreifen, sollte die Islamische Republik die Straße von Hormus nicht wieder freigeben.

Besonders gefährlich wäre ein Angriff auf das iranische Kernkraftwerk Buschehr, der eine wirtschaftliche und ökologische Katastrophe zur Folge hätte. Die russische Atomenergiebehörde Rosatom befürchtet eine nukleare Katastrophe, unter der nicht nur Iran, sondern die gesamte Region leiden würde. Der Generaldirektor von Rosatom Alexei Lichatschow betont, dass solche Risiken nicht zugelassen werden dürfen. Er hebt hervor:

“Wir müssen jetzt lautstark darauf hinweisen, dass keinerlei Risiko für das in Betrieb befindliche Kraftwerk, das im Bau befindliche Kraftwerk oder das Personal, unabhängig von deren Nationalität, zugelassen werden darf. Deshalb stehen wir nicht nur mit dem Kraftwerk und der iranischen Führung, sondern auch mit der Führung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in ständigem Austausch.

Die Sache ist die, dass die Gegend im Allgemeinen nicht angegriffen werden darf, verstehen Sie? Weil die Menge an spaltbarem Material sowohl im Reaktor als auch in den Abklingbecken und Lagern einfach zu groß ist. Das wäre, ich betone es noch einmal, eine Katastrophe von regionalem Ausmaß, sie wäre gravierend. Unabhängig von politischen Sympathien oder Antipathien, unabhängig davon, wer auf welcher Seite steht, wird die gesamte Region schwer in Mitleidenschaft gezogen werden.”

Das Kernkraftwerk Buschehr ist ein Kraftwerk der zweiten Generation, das unter Berücksichtigung der Sicherheitssysteme der dritten Generation fertiggestellt wurde. Alexei Anpilogow, Präsident des Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung und zur Entwicklung ziviler Initiativen Osnowanije, sagt:

“Einerseits verfügt dieses Kraftwerk neben dem robusten Hauptreaktorgebäude über eine sogenannte Sicherheitshülle oder einen Sicherheitsbehälter. Dabei handelt es sich um ein Stahlbetongebäude, das den Reaktor von oben bedeckt und so ausgelegt ist, dass es dem Aufprall eines leichten Motorflugzeugs standhält. Die Widerstandsfähigkeit solcher Sicherheitshüllen wurde am Beispiel des Kernkraftwerks Saporoschje eindrucksvoll unter Beweis gestellt.”

Bei Fukushima – einem Kraftwerk der ersten Generation – gab es solche Schutzhüllen beispielsweise nicht. Sollte die Schutzhülle jedoch gezielt angegriffen werde, dann würde ihre Festigkeit zerstört werden und es zu einer Freisetzung von Radioaktivität kommen, sagt der Experte. Natürlich hatte niemand damit gerechnet, dass diese Schutzhüllen den Einschlägen von Sprengbomben ausgesetzt sein würden.

Und dies ist nicht das einzige System, dessen Beschädigung zu einer Katastrophe führen kann. Es gibt zahlreiche Systeme, die weitaus empfindlicher auf äußere Einflüsse reagieren. Wladimir Tschernow, Analyst beim Onlinebroker Freedom Finance Global, meint:

“Das Risiko besteht nicht nur bei einem gezielten Treffer des Reaktors, sondern bei jeder Beschädigung des Geländes der Anlage, die die Kühlung, die Stromversorgung, die Dichtheit oder den Umgang mit dem Brennstoff beeinträchtigt. Zudem ist ein Einschlag in der Nähe der Reaktoren aufgrund des bereits auf dem Gelände gelagerten Brennstoffs gefährlich.”

Nach Angaben Lichatschows befinden sich auf dem Gelände 72 Tonnen spaltbares Material und 210 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoff.

Der Chef der IAEA Rafael Grossi sagte ausdrücklich, dass bereits der Ausfall zweier externer Stromversorgungsleitungen zu einer Kernschmelze mit hoher Radioaktivitätsfreisetzung führen könne.

Anpilogow verweist als Beispiel auf das Kühlsystem des Reaktors. Seinen Worten zufolge ist für die Erzeugung von einem Gigabyte (GB) Strom, wie im iranischen Kernkraftwerk, eine enorme Wärmeabgabe von etwa vier GB erforderlich, die normalerweise in Form warmen Wassers an die Umgebung abgegeben wird. Zur Kühlung dieses Wassers sind leistungsstarke Umwälzpumpen im Einsatz. Warum diese wichtig sind, lässt sich am Beispiel des Kernkraftwerks Fukushima erkennen. In diesem Kraftwerk fiel die Stromversorgung der Umwälzpumpen aus, was zu einer unkontrollierten Erwärmung des Reaktorbereichs führte. Es kam zu sogenannten Paracyklonreaktionen, bei denen Wasserstoff freigesetzt wurde, der sich mit Sauerstoff in der Luft vermischte, weshalb der Reaktor in die Luft flog, erzählt Anpilogow.

Seinen Worten zufolge ist es genau das – der Verlust der Kühlung –, was Russland beim Kernkraftwerk Saporoschje befürchten, dessen Betrieb auf die Mindestleistung heruntergefahren wurde, da ein Betrieb mit voller Leistung unter Kriegsbedingungen äußerst gefährlich ist. Genau aus diesem Grund geht der Experte davon aus, dass auch das Kernkraftwerk Buschehr nun so weit wie möglich entlastet und auf Mindestleistung heruntergefahren wird. Tschernow meint:

“Derzeit erzeugt das Kernkraftwerk Buschehr etwa zwei Prozent der elektrischen Energie des Landes. Das heißt, für das gesamte iranische Energiesystem ist das Kraftwerk zwar wichtig, aber auf nationaler Ebene nicht kritisch. Den Ausfall dieser Stromerzeugung könnte Teheran theoretisch teilweise durch Gas- und Ölkraftwerke ersetzen, doch dies würde die Belastung des Netzes erhöhen, den Brennstoffverbrauch steigern und die Versorgungslage in den südlichen Provinzen verschlechtern. Es sind jedoch eher Lastabwürfe, Engpässe in einzelnen Netzknoten und eine steigende Störanfälligkeit zu erwarten als ein totaler Stromausfall im gesamten Iran. Sollte der Angriff allerdings nicht nur zum Stillstand des Blocks, sondern zu einer Beschädigung des Reaktors, der Abkühlbecken oder der externen Stromversorgung führen, dann würde sich eine Tragödie ganz anderen Ausmaßes ereignen.”

Sollte es zu einem solchen Angriff kommen, träte das Energieproblem Irans in den Hintergrund, während ökologische und humanitäre Katastrophen in den Vordergrund rücken würden. Die IAEA hat gewarnt, dass in einem solchen Fall Evakuierungen, die Unterbringung der Bevölkerung, die Verteilung von stabilem Jod, Lebensmittelrationen und Strahlungsüberwachung in einem Umkreis von mehreren Dutzend bis zu mehreren hundert Kilometern erforderlich werden könnten.

Laut Tschernow wäre in so einer Situation vor allem der Süden Irans betroffen, die Küstenregion am Persischen Golf. Er erklärt:

“Der Norden und der Osten des Landes werden nicht unbedingt in gleichem Maße von der Strahlung getroffen. Hier hängt alles von der Windrichtung, der Art der Freisetzung und davon ab, ob es zu einer Verschmutzung des Meeres kommt. Aber selbst wenn die direkte Kontamination nicht das ganze Land erfasst, wird die Krise wirtschaftlich landesweit sein. Iran wird Probleme in den Bereichen Stromversorgung, Verkehr, Medizin und Export bekommen, sowie Haushaltsausgaben für die Beseitigung der Folgen aufbringen müssen.”

Dabei übertreibt Lichatschow nicht, wenn er sagt, dass die gesamte Region unter einer solchen Katastrophe leiden würde. Dem stimmt auch Anpilogow zu:

“Natürlich wird die gesamte Region in Mitleidenschaft gezogen, denn Luftmassen kennen keine Grenzen, sie lassen sich nicht vom Zoll aufhalten, und das Kraftwerk liegt in unmittelbarer Nähe des Persischen Golfs und solcher Länder wie Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und so weiter.”

Nicht nur Iran und seine Gegner seien gefährdet, sondern auch die Länder auf beiden Seiten des Persischen Golfs, darunter Partnerländer der USA, hebt Tschernow hervor. Er betont:

“Strahlung macht keinen Unterschied zwischen Verbündeten und Gegnern, und die Verschmutzung von Wasser und Luft wird auch die Monarchien am Golf treffen, wo sich US-amerikanische Stützpunkte und wichtige Öl- und Gasinfrastruktur befinden. In der unmittelbaren Gefahrenzone liegen in erster Linie der Süden Irans, dann Kuwait, Bahrain, Katar, der Osten Saudi-Arabiens, die Vereinigten Arabischen Emirate und, je nach Wetterbedingungen, Oman und der Süden des Irak.”

Die IAEA erklärte, dass im schlimmsten Fall Schutzmaßnahmen und Strahlungsüberwachung in einem Umkreis von mehreren Dutzend bis zu mehreren hundert Kilometern erforderlich sein könnten. Anpilogow merkt an:

“Außerdem verfügt nicht nur Iran über ein Atomkraftwerk. Es gibt das israelische Forschungszentrum in Dimona, das Iran im Gegenzug mit Sicherheit angreifen wird. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es ein von Koreanern gebautes Atomkraftwerk, das ebenfalls Opfer eines möglichen Angriffs werden könnte.”

Tschernow unterscheidet vier Arten möglicher Schäden, die ein US-Angriff auf das Kernkraftwerk mit sich bringen könnte:

“Die erste Art von Schaden ist die Ausbreitung radioaktiver Aerosole über die Luft. Die zweite ist die Verschmutzung der Gewässer des Persischen Golfs, was besonders für Länder heikel ist, deren Wasserversorgung stark von der Meerwasserentsalzung abhängt. Die dritte Art von Schäden sind Nahrungsmittelengpässe, ein möglicher Rückgang der Fischereiproduktion sowie Störungen in Häfen, Logistik und Schifffahrt. Viertens sind rein wirtschaftliche Schäden zu erwarten, denn jeder solche Unglücksfall wird mit ziemlicher Sicherheit die Ängste auf den Rohstoffmärkten verstärken. Die Risikoprämie bei den Preisen für Erdöl, Erdgas, Versicherungen, Fracht und den regionalen Handel würden in die Höhe schnellen.”

Für die Golfstaaten sei dies besonders schmerzhaft, da das Meer für sie nicht nur Transportweg, sondern auch Wasserquelle ist. Selbst eine begrenzte radioaktive Kontamination im Gewässer kann zu Stillständen in den Entsalzungsanlagen führen. Diese würden ihre Arbeit erst wieder aufnehmen, wenn entsprechende Überprüfungen abgeschlossen und grünes Licht gegeben wird. So etwas würde bereits ein direktes humanitäres Risiko bedeuten, fügt der Experte hinzu. Tschernow erklärt weiter:

“Wenn radioaktive Stoffe in den Golf gelangen, trifft dies Plankton, Fische und die Nahrungsketten. Die Erfahrungen aus Fukushima zeigen, dass Radionuklide ins Meer gelangen und sich durch die Meeresströmungen ausbreiten können. Die US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration hat sogar Spuren von Cäsium aus Fukushima in Pazifischem Thunfisch vor der US-Küste nachgewiesen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Fisch lebensgefährlich wird, aber es zeigt, dass die Kontamination weit über das Unfallgebiet hinausreichen kann und langfristig überwacht werden muss. Für den Persischen Golf ist das Problem aufgrund seines vergleichsweise geschlossenen Gewässers und der hohen Belastung der Küste noch gravierender.”

Was die Bauweise des Reaktors betrifft, ist Buschehr kein Tschernobyl, doch hinsichtlich des Ausmaßes der grenzüberschreitenden Folgen könnte der Unfall für den Nahen Osten eine Katastrophe von einem Ausmaß werden, das mit den größten Nuklearunfällen der Gegenwart vergleichbar ist, schließt der Experte.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 24. März 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad.

Mehr zum Thema – Rosatom-Chef: Explosionen nahe AKW Buschehr – Angriff könnte eine Katastrophe auslösen



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