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Darum geht es beim US-Iran-Abkommen

rtnews by rtnews
18/06/2026
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Der von Donald Trump gefeierte “Deal” mit Iran sei kein Friedensabkommen, sondern allenfalls eine Absichtserklärung, argumentiert Pepe Escobar. Hinter den Kulissen gehe es vor allem darum, die Märkte zu beruhigen und Zeit zu gewinnen.

Von Pepe Escobar

Auf dem höchst irrelevanten G7-Gipfel in Evian verkündete der Imperator von Barbaria vor den Anwesenden – darunter drei BRICS-Vollmitglieder –, dass “ich der Boss bin”. Das ist nicht ironisch gemeint.

Betrachten wir also die “Boss”-Absichtserklärung zwischen Iran und den USA, die er als seinen Deal darstellt (“Ich habe zehn Kriege beendet”).

Nun, es ist kein Deal: Es ist eine Absichtserklärung, bestenfalls ein elektronisch unterzeichnetes Versprechen, Gespräche zu führen. Und sie beendet nicht den Krieg, den er am 28. Februar begonnen hat.

Was auch immer diesen Freitag in Genf für Theater gespielt wird: Der “Maestro der Barbarei” wird die Absichtserklärung nicht wirklich unterzeichnen. Das ist ein Spiel auf Zeit, um die Öl- und Anleihenmärkte zu beschwichtigen und – im Verborgenen – einen Waffenstillstandsrahmen zu instrumentalisieren. Mit eingebaut wird natürlich eine gewisse “Handelserleichterung” sein – etwa, dass die Straße von Hormus mehr oder weniger wieder in Betrieb geht.

Im besten Fall wird der Krieg gegen Iran und das größere imperiale Schachspiel zur Destabilisierung Westasiens als Schlüsselfront im “Großen Krieg” gegen die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China in Zeitlupe weitergehen, mit größerem Spielraum für glaubhafte Dementis.

Schon ein flüchtiger Blick auf die unaufhörliche Hysterie rund um den Beltway (*) offenbart, dass die exklusive Plutokratie, die in den USA tatsächlich die Fäden in der Hand hat, absolut kein Interesse an irgendeiner Form von Frieden mit Iran hat. Großmeister Lawrows Maxime trifft immer zu: Die USA sind nicht zu einer Einigung fähig.

Was im Moment vorherrscht, sind ganz praktische Notwendigkeiten. Das Trump-Team braucht die Straße von Hormus – selbst wenn Iran Gebühren für Instandhaltung, Umweltschutz und Sicherheit erhebt –, damit sie offen bleibt, um die globalen Energiemärkte zu stabilisieren.

Darüber hinaus haben die Ölmonarchien des Golf-Kooperationsrats – über den Vermittler Pakistan und direkt via Katar und Saudi-Arabien –  Washington sehr klar gemacht, dass sie sich eine weitere Eskalation des Krieges einfach nicht leisten können.

In realpolitischer Hinsicht ist klar, dass das Trump-Team – und die herrschende US-Plutokratie – den Kern der 14-Punkte-Forderungen Irans niemals akzeptieren werden: die vollständige Aufhebung der Sanktionen; die offizielle Nichteinmischung in iranische Souveränität; das Ende aller Kriege gegen die Achse des Widerstands; und, dem Geld folgend, die volle Zahlung von Kriegsreparationen.

Was wir haben werden, sind “Gespräche”, die sich möglicherweise bis ins 22. Jahrhundert hinziehen, während Sanktionen vom zionistisch kontrollierten US-Kongress nicht aufgehoben werden, sowie wiederholte Vetos der USA im UN-Sicherheitsrat.

Was der “Boss”, der “zehn Kriege beendet” hat, kurzfristig erhält, ist das Trugbild eines Sieges: eine Abmachung, die eine massive strategische Niederlage verschleiert.

Iran, Russland und China: Unzerbrechlich

Vergessen Sie die Leute, die das imperiale Spiel spielen und zugeben, dass es Iran durch Abschreckung gelungen ist, die US-Vorherrschaft in Westasien zu zerschlagen und sich als eine der führenden regionalen Mächte und aufstrebende Weltmacht zu positionieren – mit voller Unterstützung der absoluten Mehrheit des Globalen Südens.

Von nun an sollte man bestenfalls mit einer unsicheren, hybriden, irgendwie kontrollierten und dosierten Turbulenz rechnen – einschließlich wiederholter Provokationen und verdeckter Operationen: “Maximaler Druck light”, der Teheran in höchster Alarmbereitschaft hält (nicht, dass sie sich davon beunruhigen lassen; sie sind bereit) und im Idealfall weitere Zugeständnisse erzwingt.

Doch sollten die Barbaren glauben, dass dies die strategische Partnerschaft Irans mit Russland und China schwächen würde, wird die Realität etwas anderes zeigen.

Besonders China, aber auch Russland standen maßgeblich hinter den Vermittlungsbemühungen Pakistans, um eine Art Verständigung zwischen den USA und Iran zu finden.

[Der Sprecher des iranischen Parlaments Mohammad Bagher] Ghalibaf ist nun dafür zuständig, die strategischen Beziehungen China-Iran zu vertiefen.

Sowohl Beijing als auch Moskau sind sich vollkommen bewusst, dass die Besessenheit der USA von der Eindämmungspolitik – die Energieversorgungswege zu kontrollieren – gegen sie und gegen die eurasische Integration gerichtet ist.

Letztendlich fungiert das Theater um endlos diskutierte 14 Punkte, scheinbare “Waffenstillstände” und die Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (MoU) also auch als riesige Informationsoperation: ein Signal an alle Märkte und die naive Öffentlichkeit, dass “Barbaria” wirklich Frieden anstrebt.

Dann ist da noch die nukleare Obsession – und wir werden deutlich sehen, was das Team Trump wirklich will, wenn die 60-tägigen Verhandlungen entsprechend der Absichtserklärung beginnen.

Das amerikanische “Verbot” der Urananreicherung ist eine direkte Botschaft an Akteure wie die Türkei, Saudi-Arabien, Südkorea, Japan und sogar Deutschland: Wenn einer von euch die nukleare Schwelle außerhalb des von den USA auferlegten Rahmens überschreitet, werdet ihr Ärger haben.

Folgen wir nun dem Geld. Ja, im Wesentlichen ist es eine Falle. Die 12 Milliarden Dollar – die Hälfte der 24 Milliarden Dollar –, die in der ersten Phase der Verhandlungen freigegeben werden sollen, werden sicherlich über Banken in Katar, Oman und möglicherweise Saudi-Arabien fließen: Das bietet dem US-Finanzministerium lückenlose Überwachung und Zugang zur iranischen Offshore-Banking-Architektur. Natürlich ist sich die Führung in Teheran dessen vollständig bewusst, und es wird reichlich verdeckte Finanzmanöver geben.

Souveränität, Geduld – und einen Finger am Abzug

Was wird also als Nächstes passieren? Vor allem ein “eingefrorener Krieg”. Kein tiefgefrorener. Die Wiederinbetriebnahme der Straße von Hormus wird bedeuten, dass der Ölpreis auf bis zu 75 Dollar pro Barrel fällt. Die Freigabe der 12 Milliarden Dollar. Sie beginnen, darüber zu diskutieren, was im Wesentlichen ein “JCPOA 2.0 light”(**) sein wird – in Genf oder höchstwahrscheinlich in Islamabad. Dies könnte sich – mit erbitterten Auseinandersetzungen – bis zu den Zwischenwahlen in den USA hinziehen. Danach ist alles offen.

Teheran konzentriert sich unmittelbar nach der Unterzeichnung des MoU auf das Positive. Die Ölverkäufe werden ab diesem Wochenende wieder anlaufen. Vielleicht gibt es einige Ausnahmen bei den Sanktionen – etwa in den Bereichen Bankwesen, Transport und Versicherungen –, die Exporte erleichtern. Ein iranischer Supertanker hat schon den Hafen von Tschahbahar verlassen und die US-Blockade ohne Schwierigkeiten durchquert.

Der “Boss” setzt darauf, dass, sobald das Öl wieder frei fließt, die Energiepreise sinken, die Märkte sich etwas entspannen, auch die Inflation zurückgeht und so der politische Preis für die massive strategische Niederlage, für die er verantwortlich ist, aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwindet.

Und natürlich wird es für die Galerien eine ganze Palette neuer Ablenkungsmanöver geben – von Kuba und Grönland bis hin zu diesen leicht zu verprügelnden EU-Promenadenmischungen.

Der “Boss”-Masterplan, kurz gesagt: Zeit gewinnen; “Mission erfüllt” erklären; und beten, dass jemand “Strategisches Desaster!” schreit.

Aus Teherans Sicht ist das eine ganz neue Situation. Sie haben alles überstanden, was nicht nur eine, sondern gleich zwei Atommächte ihnen entgegengeworfen haben. Sie haben überlebt, sind sogar stärker als zuvor und bringen ihren nationalen Zusammenhalt vor der ganzen Welt stolz zur Geltung. Und sie machen keine nennenswerten Zugeständnisse.

Im Gegenteil: Sie sind die Herren der Straße von Hormus. Kein Zurück mehr. Sie haben keinerlei Vertrauen in irgendetwas, das aus Barbaria kommt. Dennoch werden sie weiterhin größte Geduld praktizieren. Verbunden mit einem furchtlosen Finger am Abzug.

*Der Begriff “Beltway” steht für das politische Establishment in Washington. Geografisch bezieht er sich auf das Gebiet innerhalb der Interstate 495, der 1964 erbauten Ringstraße (Beltway) der Stadt.

**JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) ist das im Jahr 2015 geschlossene Wiener Atomabkommen.

Übersetzt aus dem Englischen von Olga Espín.

Mehr zum Thema ‒ “Ohne Israel gäbe es die USA nicht” – US-Botschafter Huckabee widerspricht Trump



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Tags: beimDarumGehtUSIranAbkommen
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