
Wie das Statistische Bundesamt am vergangenen Montag anlässlich der Veröffentlichung seiner jährlichen Wanderungsstatistik bekannt gab, sind im Jahr 2025 so viele Deutsche ausgewandert wie noch nie seit Beginn der Statistik. Demnach verließen im untersuchten Zeitraum 288.579 Bundesbürger die BRD – fast 18.600 Menschen mehr als im Vorjahr: 2024 waren es noch 269.986 Auswanderer.
Folglich übersteigt die Auswandererzahl von 2025 den bisherigen Rekordwert von 2016, der 281.000 Emigranten betragen hatte. Damit verstetigt sich eine langjährige Tendenz zur Auswanderung Deutscher aus dem Bundesgebiet, die durch die Wirtschaftskrise und ein immer repressiveres Meinungsklima begünstigt wird.
Allerdings besagen die bloßen Zahlen noch nichts über die Motivation der Auswanderer. Nicht alle wollen Deutschland für immer verlassen. Unter den fast 290.000 Menschen, die 2025 ins Ausland gingen, befinden sich auch Menschen, die aus privaten Gründen dorthin ziehen. Oder Studenten, die ihr Studium im Ausland fortsetzen wollen. Oder auch Firmenmitarbeiter, die von ihrer Konzernleitung an einen ausländischen Standort geschickt wurden, wie auch Handwerker, die für einige Jahre in einem anderen Land arbeiten wollen, weil dort die Löhne höher sind.
Die ebenfalls sinkende Nettozuwanderung könnte allerdings ein Indiz dafür sein, dass die Auswanderung von immer mehr Deutschen nicht nur im persönlichen Liebesglück oder im akademischen oder beruflichen Fortkommen begründet ist. Im Vorjahr wanderten zugleich nur noch 235.000 Menschen nach Deutschland ein, während es im Jahr 2024 noch 430.000 Zuwanderer waren. Ein Rückgang um 45 Prozent für das Einwanderungsland Deutschland.
Dennoch migrierten voriges Jahr mehr Personen nach Deutschland als im Vergleich dazu auswanderten. Das liegt unter anderem daran, dass im vergangenen Jahr 191.890 Deutsche wieder in die BRD zurückgekehrt sind. Der Wanderungsverlust betrug im Jahr 2025 also 96.689 Deutsche, während es im Jahr 2024 lediglich 80.879 waren. Damit wurde der zweithöchste Wert seit Einführung der Wanderungsstatistik erreicht. Nur 2016 war die Nettoauswanderung an Deutschen noch höher. Damals betrug sie 135.364 Menschen.
Die Hauptzielgebiete der deutschen Auswanderung befinden sich in geografischer Nähe. Spitzenreiter sind die Nachbarländer Schweiz und Österreich mit 23.000 beziehungsweise 14.000 Fortzügen. Es folgt der EU-Staat Spanien mit 10.000 Auswanderern aus Deutschland. Russland liegt auf der Länder-Rangliste mit 3306 Deutschen, die im Jahr 2025 dorthin ausgewandert sind, auf Platz zwölf.
Innerhalb Deutschlands bleiben die Deutschen mobil. Das Statistische Bundesamt registrierte im letzten Jahr insgesamt 996.000 Umzüge in ein anderes Bundesland. Die beliebtesten Bundesländer sind Brandenburg mit einem Wanderungsüberschuss von 9000 Personen, dann Bayern und Schleswig-Holstein (jeweils 8000 Personen). Die Verlierer der Binnenwanderung sind Berlin, Thüringen und NRW.
Auch Nichtdeutsche wandern aus Deutschland aus. Vergangenes Jahr waren es (zusammen mit den ausgewanderten Bundesbürgern) insgesamt 1,25 Millionen Fortzüge, ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024 mit 1,26 Millionen Fortzügen.
Auch die Zahl der Zuzüge nimmt ab: von 1,69 Millionen Zuzügen im Jahr 2024 auf 1,48 Millionen Zuzüge im Jahr 2025. Vor allem aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und der Ukraine geht die Zahl der Einwanderer zurück. Und auch für EU-Bürger ist die BRD offenbar unattraktiver geworden – insbesondere aus Polen und Bulgarien wandern immer weniger Menschen zu.
Die Reaktionen aus der Politik klangen besorgt: Lamya Kaddor von den Grünen sieht in der sinkenden Nettoeinwanderung eine kommende Verschärfung des Fachkräftemangels. Für die Freien Wähler in Bayern sind die ansteigenden Auswanderungszahlen Deutscher “ein Warnsignal für unseren Standort”. Deutschland brauche wieder “bessere Bedingungen für Leistung, Arbeit, Familien und Unternehmertum.”
Und der thüringische AfD-Politiker Björn Höcke gelangte angesichts der dramatischen Situation zu einem Vergleich mit den Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert und zitierte den Liedvers: “O Deutschland, Deutschland, kannst du ohne Grauen die Flucht der armen Landeskinder schauen?”
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