
Von Anton Gentzen
Es war ein sehr verlockender Gedanke: Erstmals seit Jimmy Carter (und selbst der hatte sich gegen Ende seiner Amtszeit ein militärisches Abenteuer in Iran geleistet) ein US-Präsident, der keinen neuen Krieg begonnen hat. Als Donald Trump in seiner ersten Amtszeit dann auch noch einen bereits anberaumten Luftschlag gegen Iran abgeblasen hat, weil er von einer dreistelligen Zahl einkalkulierter ziviler Opfer erfahren hat, verfestigten sich bei vielen Illusionen. Ich gebe es zu: Auch bei mir.
Es war schließlich nicht nur Trumps eigene Darstellung, auch Dissidenten aus Trumps eigenem Kabinett nutzten diesen Fall für Kritik an ihrem früheren Chef.
Dass es Illusionen waren, steht spätestens seit letztem Sonnabend fest. Hunderte Zivilisten sind in Iran inzwischen bei Raketenschlägen Israels und der USA ums Leben gekommen. Die 150 iranischen Zivilisten, die er in seiner ersten Amtszeit angeblich nicht riskieren wollte, hat er nun bei einem einzigen Einschlag auf besonders brutale und menschenverachtende Weise getötet: in einer Grundschule für Mädchen.
Nun hat auch er seinen eigenen Krieg begonnen und wird vielleicht gerade dafür den Friedensnobelpreis erhalten. Von Barack Obama unterscheidet sich Trump in der Tat nur dadurch, dass der erste einen hat und der zweite noch nicht. Sonst ist es dasselbe: Der eine wie der andere wurde im Wahlkampf durch flammende Reden zum Hoffnungsträger der Welt. Beide erwiesen sich als Kriegspräsidenten.
Spätestens jetzt gilt: Schluss mit dem Gerede um “4-D-Schach”, um clevere vorab ausgehandelte Minimalangriffe, um den “Tiefen Staat” auszumanövrieren. Konnte man bei den bisherigen Aktionen wie im Zwölf-Tage-Krieg gegen Iran oder bei der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro noch mit sehr viel Naivität an so etwas glauben, ist im aktuellen Krieg gegen Iran nicht der geringste Raum dafür.
Zunehmend muss man sich auch fragen, ob all die bisherigen Reden über Friedenswillen und das Bestreben, alle Konflikte am Verhandlungstisch zu lösen, nichts anderes als hinterhältige Täuschungsmanöver waren und sind. Der Angriff auf Iran am 28. Februar erfolgte, als Teheran und Washington sich in Verhandlungen befanden und es Hinweise darauf gab, dass diese vor dem entscheidenden Durchbruch standen. Alles nur, um die iranische Führung in trügerischer Sicherheit zu wiegen?
China und Russland sollten ihre strategische Lage spätestens jetzt neu bewerten. Dass der Schlag gegen Iran in erster Linie die weitere Umzingelung Russlands bezweckt, liegt auf der Hand. Sollte es den USA gelingen, in Teheran ein proamerikanisches Regime zu installieren, hindert Radikalislamisten und andere Stellvertreter der USA nichts mehr am Eindringen nach Turkmenistan. Und dahinter gibt es keine sicher kontrollierbare Landgrenze mehr bis nach Sibirien, in den Ural, an die Wolga und in das Herz Russlands.
Und wenn Russland fällt, ist China dran. Begreift man das in Bejing?
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