
Von Oleg Issaitschenko
Die USA verfügen über Waffen im Orbit, die der “Kontrolle des Weltraums” dienen. Dies erklärte der Chef der US-Luftwaffe, Troy Meink, auf der Konferenz “Air, Space, Cyber”. Er betonte:
“Auch heute sorgen wir weiterhin dafür, dass wir bereit sind, den Herausforderungen sich wandelnder Bedrohungen zu begegnen, wo auch immer diese bestehen mögen. Deshalb verfügen die USA nun über Weltraumwaffen zur Kontrolle des Weltraums, die in der Lage sind, die vereinten Streitkräfte vor feindlichen Handlungen von Gegnern zu schützen.”
Im Anschluss an seine Rede fügte Meink hinzu, dass er die Informationen über die Bewaffnung bewusst preisgegeben habe, weigerte sich jedoch, anzugeben, um welche Waffen es sich konkret handele, ob es sich um kinetische oder nicht-kinetische Waffen handele, wie viele solcher Systeme sich in der Umlaufbahn befänden und ob sie getestet worden seien.
Wie das Portal Defence One anmerkt, war Meink der erste US-Militärvertreter, der offen zugegeben habe, dass Washington über Weltraumwaffen verfüge. Die Direktorin der Secure World Foundation, Victoria Samson, hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass es sich um kinetische Waffen handele, deren Einsatz eine große Menge an Trümmern erzeugen würde. Ihrer Meinung nach würden die USA höchstwahrscheinlich über weltraumgestützte Mittel zur elektronischen Kampfführung verfügen.
Dabei präzisiert das Portal TWZ (The War Zone) unter Berufung auf einen Sprecher der US-Raumstreitkräfte, dass unter “Weltraumkontrolle” nicht nur der Schutz der eigenen Satelliten zu verstehen sei, sondern auch die Möglichkeit, die Fähigkeiten des Gegners mit kinetischen und nicht-kinetischen Mitteln zu stören, zu schwächen oder zu zerstören. Weiter erklärt die Quelle:
“Diese Mittel können auf Anweisung der Einsatzkommandos sowohl zu offensiven als auch zu defensiven Zwecken eingesetzt werden.”
TWZ zitiert außerdem eine Erklärung von General Gregory Gagnon, dem Kommandeur des Combat Forces Command der US Space Force (CFC), vom Februar:
“Der Schutz und die Verteidigung von Satelliten dürfen sich nicht nur auf den eigentlichen Schutz und die Verteidigung beschränken. Man kann nicht ewig vor einem Schläger davonlaufen – manchmal muss man sich umdrehen und zurückschlagen.”
Diese Worte erscheinen nun in einem neuen Licht, bemerkt das Portal.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentierte das Geschehene wie folgt:
“Washington ist bereit, zugunsten seiner engstirnigen Eigeninteressen die katastrophalen Folgen für die Menschheit, die jeder bewaffnete Konflikt im Orbit mit sich bringen würde, völlig zu ignorieren.”
Ihrer Einschätzung nach gefährden die Handlungen der USA die freie Erforschung des Weltraums durch alle Staaten.
Sie wies zudem darauf hin, dass die Äußerungen von Meink zeigen, dass die internationalen Initiativen der USA im Bereich der Weltraumsicherheit darauf abzielen, die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft von den eigenen aggressiven Bestrebungen abzulenken. Die Diplomatin betonte, dass die Weltgemeinschaft Maßnahmen ergreifen müsse, um ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern.
Zur Erinnerung: Der im Jahr 1967 in Kraft getretene Weltraumvertrag verbietet den USA und anderen Unterzeichnerstaaten, Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen in die Erdumlaufbahn zu bringen. Im April 2022 verhängte die Regierung von Joe Biden zudem ein Verbot von Tests mit Antisatellitenwaffen.
Im Jahr 2025, bereits unter Donald Trump, stellten die USA das System “Golden Dome” vor. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sieht das Projekt vier Verteidigungsstufen vor – eine im Weltraum und drei am Boden. Anfang August berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Unternehmen SpaceX und Northrop Grumman Corporation die ersten entscheidenden Tests des Systems abgeschlossen hätten, darunter auch die Überprüfung der Datenübertragung an die Abfangjäger.
Vor dem Hintergrund der Erklärung von Meink unterstrich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dass Russland sich weiterhin gegen die Stationierung jeglicher Waffen im Weltraum aussprechen werde. Er sagte:
“Wir sind der Ansicht, dass der Weltraum frei von jeglichen Waffen sein muss. Und natürlich zählen wir hier auf eine breite internationale Konsolidierung, um die Arbeit fortzusetzen und unsere Positionen zugunsten einer vollständigen Entmilitarisierung des Weltraums voranzubringen.”
Moskau hat wiederholt vorgeschlagen, ein internationales Abkommen über das Verbot von Waffen im Weltraum abzuschließen. Diese Position wurde auch von der Volksrepublik China unterstützt. In einer gemeinsamen Erklärung von Wladimir Putin und Xi Jinping vom September 2024 forderten beide Seiten die Schaffung eines rechtsverbindlichen Mechanismus, der die Verhinderung eines Wettrüstens und der Stationierung von Waffen im Weltraum gewährleisten würde.
Im August 2026 bekräftigte der Ständige Vertreter der Russischen Föderation bei den Vereinten Nationen in Genf, Gennadi Gatilow, erneut die Notwendigkeit eines solchen Abkommens. Seinen Worten zufolge würde es die internationale Sicherheit und Stabilität stärken, das Vertrauen zwischen den Ländern erhöhen und die Voraussetzungen für eine friedliche Erforschung des Weltraums schaffen. Experten gehen jedoch davon aus, dass Washington solchen Beschränkungen kaum zustimmen würde.
Wie Alexander Jermakow, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen an der Russischen Akademie der Wissenschaften und Experte des Russischen Rates für internationale Angelegenheiten, anmerkt, würden die USA in den letzten Jahren offen die Möglichkeit von Auseinandersetzungen im Weltraum einräumen und keinen Hehl daraus machen, dass sie Vorbereitungen für potenzielle Kampfhandlungen im Weltraum treffen. Und dafür benötigen sie offensichtlich entsprechende Waffen.
Seiner Meinung nach sei die Erklärung von Meink vor diesem Hintergrund lediglich eine Fortsetzung der Politik Washingtons. Der Experte erinnert daran, dass die US-amerikanischen Behörden auch zuvor nicht bestritten hätten, dass sich im weitesten Sinne Waffen jeglicher Art in der Umlaufbahn befänden. Darüber hinaus hätten sie über Übungen und Manöver in der Umlaufbahn berichtet, darunter auch solche, bei denen Satelliten sowohl der USA als auch verbündeter Länder tatsächlich ihre Position verändert hätten, fügt Jermakow hinzu.
Obwohl Meink keine Details zur Art der Waffen preisgab, stellt Jermakow einige Vermutungen an. Er argumentiert:
“Die USA stehen kinetischen Waffen im Weltraum ablehnend gegenüber. Washington betont die Risiken der Entstehung von Weltraumschrott. Dabei kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die US-amerikanische Seite dennoch über solche Waffen verfügt.”
In Washington habe man sich nie gegen Laser, Störsender oder elektromagnetische Systeme ausgesprochen, fährt der Experte fort und vermutet, dass Meink genau diese im Sinn gehabt habe. Jermakow ergänzt:
“Außerdem könnte es sich um elektronische Kampfführungssysteme handeln: Auch diese werden zu den Mitteln zur Kontrolle des Weltraums gezählt.”
Seiner Einschätzung nach sei der Rüstungswettlauf im Weltraum bereits in vollem Gange und werde sich fortsetzen. Der Experte meint:
“Ich gehe davon aus, dass Russland als Reaktion auf die Politik der USA in den letzten Jahren entsprechende Systeme entwickelt.”
Er erinnert daran, dass Moskau zuvor vorgeschlagen hatte, ein rechtsverbindliches Abkommen über das Verbot der Stationierung von Waffen im Weltraum abzuschließen. Allerdings sind die Aussichten für einen solchen Vertrag nach Ansicht Jermakows ungewiss. Er betont:
“In den Positionen Moskaus und Washingtons zu dieser Frage gibt es einen grundsätzlichen Unterschied.
Die US-Amerikaner bestanden darauf, nur Atomwaffen im Weltraum zu verbieten und die Handlungsfreiheit für nicht-nukleare Weltraumsysteme zu wahren. Russland und China hingegen schlugen vor, die Stationierung jeglicher Waffen in der Umlaufbahn zu verbieten, ohne jedoch den Einsatz von Antisatellitenwaffen, die von der Erdoberfläche aus gestartet werden, einzuschränken.”
Allerdings, so fügt Jermakow hinzu, habe die Debatte über die unterschiedlichen Ansätze vor Jahren noch Bedeutung gehabt. Seiner Ansicht nach würden die Parteien mittlerweile nicht mehr mit dem Abschluss eines solchen Abkommens rechnen.
Eine ähnliche Sichtweise vertritt Wassili Kaschin, Direktor des Zentrums für komplexe europäische und internationale Studien der russischen Nationalen Forschungsuniversität Wirtschaftshochschule Moskau. Er erklärt:
“Es ist bekannt, dass die USA lange Zeit an weltraumgestützten Angriffswaffen gearbeitet und zahlreiche Experimente durchgeführt haben. Parallel dazu hat Washington Initiativen Russlands und Chinas, die auf eine Begrenzung der Militarisierung des Weltraums abzielten, aktiv behindert.”
Kaschin räumt ein, dass die USA nun offenbar Waffen für den operativen Einsatz stationiert hätten und damit das erste Land seien, das über die Forschungsphase hinausgegangen ist. Nach Ansicht des Experten handelt es sich wahrscheinlich um im Orbit stationierte Waffen zur Bekämpfung von Satelliten. Er vermutet:
“Möglicherweise ist es ein Laser oder ein anderes System, das Raumfahrzeuge im Weltraum desorientiert oder deren Komponenten und Sensoren außer Gefecht setzt.”
Wie dem auch sei, die Maßnahmen der US-amerikanischen Seite werden eine zunehmende Entwicklung in Gang setzen. Andere Länder, die sich bisher auf Experimente, Forschungen und Tests beschränkt haben, werden zur praktischen Anwendung der Technologien übergehen – und dieser Prozess wird äußerst schwer aufzuhalten sein. Kaschin betont:
“Die politische Verantwortung für solche Folgen wird Washington tragen.”
Vor diesem Hintergrund weist er darauf hin, dass das Wettrüsten im Weltraum in eine neue Phase eintrete. Der Experte betont:
“Bisher fand es im Rahmen des Aufbaus von Kapazitäten statt. Aber wenn die entwickelten Technologien in Dienst gestellt werden, wissen wir, wer daran schuld ist und wer damit angefangen hat.”
Kaschin räumt ein, dass Moskau zwar erneut vorschlagen werde, ein rechtsverbindliches Abkommen über das Verbot der Stationierung von Waffen im Weltraum abzuschließen, dies aber keine Ergebnisse bringen werde. Er fügt hinzu:
“Wir werden, wie man so schön sagt, die Tür offen halten. Es ist jedoch offensichtlich, dass die US-Amerikaner darauf nicht eingehen werden. Daher ist Russland technisch gesehen berechtigt, äußerst aktiv und ohne Rücksicht auf politische Fragen mit der Umsetzung seiner Entwicklungen zu beginnen.”
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 15. September 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.
Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.
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