Gegen Mittag versammelten sich rund 300 Personen, darunter Studierende, Interessierte, Journalisten sowie Passanten, vor dem Hauptgebäude der Universität Zürich. Die Veranstaltung “Köppel auf dem Campus” war bewusst schlicht gehalten: ein Zelt, ein Mikrofon, freier Zugang für alle. Roger Köppel, Nationalrat und Verleger der Weltwoche, hatte zum direkten Gespräch eingeladen – in Anlehnung an Formate wie jenes von Charlie Kirk.
Er begründete sein Engagement mit der Notwendigkeit offener Debattenräume. Hochschulen müssten Orte sein, an denen unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen können, ohne dass Diskussionen im Voraus unterbunden werden. Das Konzept war einfach: Jeder durfte ans Mikrofon.
Tatsächlich entwickelte sich trotz einer kleinen Gruppe der immer gleichen “üblichen Verdächtigen”, darunter Klimaschützer und feministische Aktivistinnen, die wie erwartet protestierten, teils vermummt, mit Transparenten und Trillerpfeifen, eine intensive Debatte über Migration, Medienethik, Russland, Klimapolitik und die Grenzen der Meinungsfreiheit.
Studenten stellten kritische Fragen, Köppel antwortete, es kam zu direkten Wortwechseln. Eine Deutschlehrerin schilderte ihre Erfahrungen im Schulalltag, worauf selbst Teile der Störer kurz innehielten. Am Ende gab es Applaus. Die deutlichste Kritik an den Störungen kam nicht von Köppel selbst, sondern von Studenten im Publikum.
In Teilen der Berichterstattung, insbesondere beim extrem woken Watson und dem Tages-Anzeiger, lag der Schwerpunkt deutlich auf kleinen Protestgruppen und der äusseren Form der Veranstaltung. Begriffe wie “Inszenierung” oder “Show” dominierten dabei die Einordnung. Die inhaltliche Debatte rückte teilweise in den Hintergrund.
Beide Medien werden in diesem Zusammenhang häufig einem eher linken publizistischen Spektrum zugerechnet, was die Tonalität der Berichterstattung mitprägt. Immer wieder äussern Leser zudem den Vorwurf einer gewissen Einseitigkeit in der Darstellung. Beide Häuser stehen zudem angesichts sinkender Werbeeinnahmen und einer angespannten Lage im digitalen Medienmarkt unter wirtschaftlichem Druck.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) wählte einen distanzierteren, analytischeren Zugang, während der Blick stärker konfliktorientiert berichtete, aber breiter einordnete.
Diese Unterschiede sind kein Zufall. Sie spiegeln unterschiedliche journalistische Kulturen wider. Köppel tritt als einzelne prägende Stimme auf, mit klarer persönlicher Verantwortung und direkter Positionierung. Viele andere Medienhäuser arbeiten hingegen kollektiv-redaktionell, mit geteilter Autorenschaft und stärker institutionalisierter Einordnung.
Dieser strukturelle Unterschied prägt auch die Wahrnehmung. Wo eine klar erkennbare Einzelstimme steht, wirken kollektiv organisierte Darstellungen anders – stärker gefiltert, stärker vermittelt, weniger personalisiert.
Köppel gehört zu den wenigen Schweizer Journalisten, die eine ausgeprägte publizistische Eigenständigkeit entwickelt haben. Nach Stationen bei der NZZ und dem Tages-Anzeiger übernahm er die Weltwoche und formte sie zu einem klar positionierten Medium mit persönlicher Handschrift.
Seine Themen sind bekannt: Migration, Medienkritik, internationale Politik, Skepsis gegenüber dominanten politischen Narrativen. Diese Positionen sind umstritten, aber konsistent.
Köppel steht damit für einen Typus des Publizisten, der stark über Persönlichkeit und direkte Verantwortung funktioniert – im Gegensatz zu stärker anonymisierten redaktionellen Strukturen.
Die Veranstaltung an der Universität Zürich fand vor dem Hintergrund einer breiteren Entwicklung statt: Universitäten sind zunehmend Orte politischer Auseinandersetzung geworden, in denen Fragen der Meinungsfreiheit und der Grenzen des Sagbaren intensiver diskutiert werden. Der Auftritt wurde damit auch zum Testfall dafür, wie offen der Diskursraum tatsächlich ist.
Die Antwort war gemischt. Die Debatte fand statt, wurde aber zeitweise durch Proteste gestört. Gleichzeitig kam auch Kritik an diesen Störungen aus dem Publikum selbst, was zeigt, dass die Bereitschaft zur offenen Debatte weiterhin vorhanden ist.
Der Auftritt an der Universität Zürich ist weniger ein isoliertes Ereignis als ein Beispiel für einen strukturellen Gegensatz in der Schweizer Medienlandschaft: personalisierte Publizistik versus kollektive Redaktion, direkte Positionierung versus institutionelle Einordnung.
Der nächste Auftritt ist bereits angekündigt: Köppel wird erster Gast des neuen IP-Mittags-Podiums “Mittag mit IP” im Zürcher Schiffbau. In einem einstündigen direkten Austausch mit dem Publikum soll er zu seiner Rolle als Medienmacher, seiner politischen Positionierung und seinen internationalen Bezügen Stellung nehmen.
Themen sind unter anderem seine Haltung gegenüber Russland, die bilateralen EU-Schweiz-Verträge, seine Einschätzung von Donald Trump und Alice Weidel, die Schweizer Wirtschaftspolitik sowie umstrittene Fälle wie der Zürcher Herzchirurgie-Skandal rund um Francesco Maisano.
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