
Von Bernhard Loyen
Mit Spannung wurde der gestrige gemeinsame Auftritt zweier entscheidener Protagonisten in der “Corona-Krise” im Bundestag erwartet. So waren in der “Enquete-Kommission Corona” zum Thema “Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens in der Pandemie” der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sowie Ex-RKI-Chef Lothar Wieler als Sachverständige vorgeladen worden. Demgegenüber inhaltlich unter anderem konfrontiert mit Dr. Helmut Sterz, dem früheren Toxikologie-Europachef des Pharmaunternehmens Pfizer, einem unmissverständlichen Kritiker der mRNA-Technologie.
Ausgesuchte Parteienvertreter empfingen in der gestrigen Sitzung der “Enquete-Kommission Corona” in Berlin zwei der am kontroversesten wahrgenommenen Verantwortlichen in der “Corona-Krise”. Die Zusammenkunft dauerte rund drei Stunden. Themen lauteten unter anderem die Situation in den Krankenhäusern, zur These der “Überlastung der Intensivbetten”, der Rückblick auf generelle “Pandemiemaßnahmen” sowie der strittigste Punkt des Tages, die sogenannten “COVID-Impfungen”.
Das SPD-nahe RedaktionsNetztwerk Deutschland (RND) berichtet nach der Veranstaltung in einem längeren Absatz:
“Karl Lauterbach ist jetzt sichtlich das, was er später sagt: bestürzt. Der ehemalige SPD-Gesundheitsminister stellt sich am Donnerstag in der Anhörung der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie den Fragen der Bundestagsfraktionen. Gerade hat der ehemalige Chef-Toxikologe des US-Pharma- und Biotechnologiekonzern Pfizer, Helmut Sterz, die Zulassung von Corona-Impfstoffen als ‘verbotene Menschenversuche’ bezeichnet. Unzählige Menschen seien an Impfungen gestorben, die Geburtenrate sei eingebrochen, es sei zu einer Lawine an schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen.”
Sterz wurde durch die AfD-Fraktion zu dem Termin eingeladen. Lauterbach schrieb auf X resümierend zu seinem Auftritt:
“Heute war ich mit Lothar Wieler, RKI Präsident a.D., in der Corona-Enquete-Kommission. Ging um die Wirkung und Sicherheit der Impfstoffe, ob wir gut durch Pandemie kamen, was man besser machen könnte. Die AfD hat immer wieder Fake News in die Fragen gestreut.”
Heute war ich mit Lothar Wieler, RKI Präsident aD, in der Corona Enquete Kommission. Ging um die Wirkung und Sicherheit der Impfstoffe, ob wir gut durch Pandemie kamen, was man besser machen könnte. @AfD hat immer wieder Fake News in die Fragen gestreut https://t.co/1HBwBVxkak
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) March 19, 2026
Der ebenfalls seitens der AfD geladene Maßnahmenkritiker Prof. Stefan Homburg bezeichnete die Aussagen des früherer Toxikologie-Chefs von Pfizer als “gut belegte Fakten zur Notzulassung von Comirnaty”, dem BioNTech/Pfizer-Präparat der Stunde ab Dezember 2020.
Lauterbach erklärte demgegenüber wörtlich in bekannter verinnerlichter Überzeugungen zum Thema “COVID-Impfungen”:
“Es ist in der wissenschaftlichen Literatur Konsens, dass tatsächlich die Zahl der Toten nur deshalb nicht wesentlich höher ist, weil wir den Segen der Impfungen gehabt haben.”
Erneut lautete sein Argument, dass es nur zu “seltenen Komplikationen der Impfungen” gekommen sei, wie Herzmuskelentzündungen. Der Ex-Minister referierte zitierend aus Studien, wonach “dadurch allein in Europa 1,4 Millionen Todesfälle vermieden worden sind”, so der SPD-Politiker. Die Welt-Zeitung fasst zu seinen Aussagen zusammen:
“Die Studien seien wegen der Dringlichkeit lediglich beschleunigt worden, Prüfungsschritte im ‘Teleskop-Design’ verschachtelt worden, um Zeit zu gewinnen. Allerdings nicht zulasten der Sicherheit: ‘Es gibt keinen Impfstoff, der so intensiv untersucht wurde’.”
Ein den Auftritt Lauterbachs zusammenfassendes Zitat lautet auf der Bundestagswebseite:
“Deutschland ist verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen.”
Der medial bekannte Rechtsanwalt Tobias Ulbrich, Vertreter sogenannter “Post-Vac-Opfer”, konnte im Anschluss an die Drei-Stunden-Sitzung bezüglich einer “Aufarbeitung” nur wenig Effizientes erkennen. Ein längerer X-Beitrag resümiert, dass “die Täter” sich gestern “feierten”. Wörtlich erklärte Ulbrich betont zynisch und unmissverständlich:
“Die Täter feierten sich heute in der Enqete Kommissionsarena mit Prof. Dr. Karl Lauterbach und Prof. Dr. Wieler, die, wie nicht anders zu erwarten war, von der Trickfilmkiste (Modellierungsstudien) bis zu den hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten (der Hinweis auf politische Anweisung des BMG wurde weggelassen) von PEI, STIKO und RKI hinwiesen.”
Seine Kritik an den anwesenden Vertretern der Bundestagsparteien lautet:
“Die Themen schienen alle heute mit den ‘Impfstrategien’ nicht mehr wirklich ernstgenommen worden zu sein, sondern es ging heute der CDU, SPD, den Grünen und Linken im Kern darum, maximale Solidarität mit dem Kandidaten für den frei werden Posten des Generalsekretärs der WHO ‘Karl Lauterbach’ mit großem Applaus zu demonstrieren, damit keinerlei Ungnade vom neuen ‘König’ inthronisiert von der Pharmaindustrie auf die Anwesenden herniederprasselt.”
Seitens der AfD-Abgeordneten und ihren Sachverständigen vermisste er folgende Fragen:
- Warum war es erforderlich, keine Beipackzettel und Inhaltsdeklarationen beizufügen?
- Warum war es erforderlich, auch abgelaufene Vakzine entgegen der gesetzlichen Anordnung verimpfen zu dürfen?
- Warum verlängerte Karl Lauterbach diese MedBVSV?
- Warum ist die Haftungsfreistellung von Impfherstellern erforderlich, wenn sie Milliarden an Gewinnen einfahren werden?
- Wer verhandelte von deutscher Seite diese Verträge und wer segnete diese zur Implementierung ab?
Der seitens der AfD geladene Daten-Analyst Tom Lausen erklärte am Tag vor der Sitzung auf Telegram:
“‘Enquete’ ist französisch und heisst ‘Untersuchung’. Dem wird die Enquete Corona trotz ihres Auftrages vom Bundestag nicht gerecht. Und alle unkritischen Parteien CDU, CSU, SPD, Grüne und Linke helfen kräftig mit und auch deren teils eigentlich reputationsstarke sachverständige Mitglieder brechen aus dieser Ablehnungsfront nicht aus.”
Der RND-Artikel erklärt resümierend zu der gestrigen Stimmung im Bundestagssaal:
“Für Gäste sind jegliche Emotionsäußerungen verboten. Dabei ist das Thema doch so aufgeladen. Die einen sprechen von Meinungsdiktatur, andere hängen Verschwörungstheorien an wie der einer absichtlichen Corona-Infizierung zur Unterwerfung der Bürger, viele setzen aber auf die Medizin und Forschung. Was in den Jahren der Pandemie von 2020 bis 2023 jedoch oft verloren gegangen ist: Vertrauen in den Staat und am Ende auch umgekehrt das Vertrauen des Staates in manche Bürger.”
Der ehemalige RKI-Chef Lothar Wieler wird mit den Worten zitiert: “Die Pandemie hat wichtige Lernprozesse angestoßen.” Explizit dankte er “der großen Mehrheit” der Bürger in Deutschland, “deren kontinuierliche Unterstützung die Eindämmung der Covid-19-Pandemie erst ermöglicht” hätte. Anfangs sei die Unterstützung außerordentlich groß gewesen, “sie hat im Laufe der Pandemie jedoch nachgelassen.”
Diese Wahrnehmung blieb im Veranstaltungsraum unkommentiert stehen. Bis zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung gab es keine Beiträge der Spiegel-und Bild-Redaktion oder einen Artikel der Süddeutschen Zeitung zur gestrigen Sitzung.
Mehr zum Thema – RKI-Studie: Deutsche weiterhin impfwillig, aber skeptisch in Einzelfragen







