
Von Rainer Rupp
Die erste Lachnummer war die dänische Ankündigung einer gemeinsamen “Arbeitsgruppe” mit Washington zur einvernehmlichen Lösung des Problems. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen war am Mittwoch vergangener Woche mit dem US-Vizepräsidenten JD Vance und Außenminister Marco Rubio zusammengetroffen, um Trumps Forderung zu besprechen, Dänemark solle den Vereinigten Staaten die souveräne Kontrolle über Grönland überlassen, möglicherweise durch einen Verkauf. Nach dem Treffen betonte er, dass beide Seiten sich auf die Einrichtung einer vielversprechenden “Arbeitsgruppe” geeinigt hätten, um amerikanische Sicherheitsinteressen in der Region zu behandeln.
Als Nächstes widersprach das Weiße Haus Rasmussens Darstellung dieser “Arbeitsgruppe”. Laut Pressesprecherin Karoline Leavitt handle es sich nicht um eine gleichgesinnte Arbeitsgruppe zur Erörterung von gemeinsamen US-NATO-europäischen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz Grönlands vor Russland und China, sondern um eine für Dänemark eher verhängnisvolle Gruppe, die ausschließlich über die “technischen” Aspekte der Übergabe Grönlands an die USA verhandeln soll.
Als Rasmussen verstanden hatte, dass er keine Einigung mit der Trump-Administration erzielen konnte, erklärte er gegenüber Reportern der New York Times düster:
“Es ist klar, dass der Präsident den Wunsch hat, Grönland zu erobern.”
Von diesem Zeitpunkt an eskalierten die Ereignisse in NATO-Europa-Staaten. In einem epischen Auftritt von geistiger Umnachtung demonstrieren mehrere europäische Länder wilde Entschlossenheit, europäische Unabhängigkeit angesichts dieser plötzlichen amerikanischen Ambitionen auf dänischem Territorium zu demonstrieren: Sie kündigten an, Soldaten nach Grönland zu schicken, um “militärische Solidarität” mit Dänemark zu zeigen.
Das Ministerium von Boris-Kriegstüchtig-Pistorius entsandte laut unterschiedlicher Berichte eine stolze Streitmacht von 13 oder 15 Soldaten, um auf der eisigen Insel in der Arktis Flagge gegen die Amerikaner zu zeigen. Aber nicht nur die Zahl der nach Grönland entsandten, deutschen Krieger war eine Lachnummer, sondern auch ihr Weg dorthin!
Sie starteten mit einer militär-grauen A-400-M-Atlas-Transportmaschine der Bundesluftwaffe, begleitet von reichlich Presse, die für martialische Fotos sorgte. Im Hintergrund des Medienberichts konnte man unwillkürlich die Klänge von Wagners “Ritt der Walküren” hören, die eindrucksstark eine bekannte Spielfilmszene über einen US-Luftangriff auf ein vietnamesisches Dorf untermalt haben. Allerdings ging der Flug der mausgrauen A-400-M-Atlas gar nicht nach Grönland, sondern endete in Dänemark, tausende Kilometer vom umstrittenen Gebiet entfernt. Offensichtlich wollte Berlin unbedingt vermeiden, Trump zu provozieren, der die Aktion womöglich als eine gegen ihn gerichtete deutsche Machtdemonstration interpretieren könnte.
Deshalb stiegen nach ihrer Ankunft in Dänemark alle deutschen Soldaten um, in eine völlig harmlose, zivile Linienmaschine nach Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Während das geschah, versicherte Verteidigungsminister Boris-Kriegstüchtig-Pistorius der Presse verzweifelt, es handle sich um eine rein routinemäßige und längst geplante Mission, die nichts mit den amerikanischen Gelüsten auf Grönland zu tun hätte.
Der Blogger “eugyppius” charakterisierte die Aktion zutreffend als einen Versuch, den Amerikanern eine Botschaft zu senden, ohne wirklich eine zu senden, um Trump nicht zu verärgern. Aber trotz dieser Scharade ging der Schuss nach hinten los. Die Amerikaner waren nämlich trotzdem verärgert. US-Präsident Donald Trump kündigte auf seinem “Truth Social”-Kanal an, dass alle Länder, die ihre Soldaten auf die Trotz-Mission nach Grönland geschickt hatten, ab 1. Februar mit Strafzöllen von 10 Prozent auf all ihre Exporte in die USA belegt würden, und eine weitere Erhöhung um 15 Prozent ab 1. Juni 2026 geplant sei, wenn bis dahin kein Abkommen über den vollständigen und totalen Kauf Grönlands erreicht sei.
Bereits wenige Stunden, nachdem “NATO-Daddy” Trump die unfolgsamen EU-Kinder mit höheren Zöllen bestraft hatte, verschlechterte sich – wie bestellt – das Wetter in Grönland, und die aus EU-Ländern zwecks Solidaritätsbekundung angereisten Soldaten sagten ihre arktische “Erkundungstour” ab und kehrten vorzeitig zum Flughafen Nuuk zurück, um nach Hause zu fliegen. Da lag natürlich die Vermutung nahe, dass Trumps Reaktion auf “Truth Social” die tapferen EU-Krieger in die Flucht geschlagen hat, was auf den sogenannten “Sozialen Medien” eine Flut von Spott und Häme zur Folge hatte.
Nach dieser Schlappe entschieden die tapferen zivilen Eurokraten in Brüssel, an die die nationalen Parlamente der EU-Mitgliedsstaaten ihr nationales Mandat über die Handelspolitik abgetreten haben, das im Juli letzten Jahres mit der Trump-Administration einseitig zugunsten der USA “ausgehandelte” Handelsabkommen (0 Prozent Zoll auf US-Importe in die EU und 15 Prozent Zoll auf EU-Exporte in USA) auszusetzen.
Alarmiert von diesen Entwicklungen beschloss der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, seinem guten Freund im Weißen Haus persönlich zu schreiben, um gegen die gerade angekündigten zusätzlichen Zölle zu protestieren. Trump antwortete Støre mit dem nachfolgend von mir übersetzten tiefschürfenden Schreiben:
“Lieber Jonas,
angesichts der Entscheidung Deines Landes, mir den Nobelpreis für Frieden nicht zu verleihen, obwohl ich acht Kriege PLUS beendet habe, fühle ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken – obwohl der immer vorrangig bleiben wird –, sondern in Zukunft kann ich nur noch daran denken, was gut und richtig für die Vereinigten Staaten von Amerika ist. Dänemark kann dieses Land (Grönland) nicht vor Russland oder China schützen, und warum haben sie (die Dänen) überhaupt ein ‘Eigentumsrecht’? Es gibt keine schriftlichen Dokumente, es ist nur so, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort gelandet ist, aber wir hatten auch Boote, die dort gelandet sind. Ich habe mehr für die NATO getan als jede andere Person seit ihrer Gründung, und nun sollte die NATO etwas für die Vereinigten Staaten tun. Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht die vollständige und totale Kontrolle über Grönland haben.
Vielen Dank!
Präsident DJT”
In seinem kürzlich abgehaltenen Interview schloss Trump eine Annexion mit militärischer Gewalt nicht aus. Das sei “eine Option” und notfalls auch auf Kosten (bzw. des Zerfalls) des NATO-Bündnisses. In einem weiteren Interview im Oval Office, das am 8. Januar 2026 in der New York Times erschienen war, sagte Trump:
“Ich brauche kein Völkerrecht.”
Das sei ohnehin nur eine Frage der Definition. Gefragt, ob es etwas gebe, was seine globale Macht einschränke, antwortete US-Präsident Trump:
“Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.”
Willkommen in Trumps Dschungel des Rechts des Stärkeren!
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