
Von Rainer Rupp
Der brutale, unprovozierte, völkerrechtswidrige Angriffskrieg der niedergehenden Weltmacht USA im Verbund mit dem völkermörderischen, zionistischen Regime in Israel gegen Iran war nicht, wie großspurig vorausgesagt, nach ein paar Tagen wieder vorbei, sondern befindet sich bereits im zweiten Monat. Und je länger er dauert, desto kritischer wird er für die Trump-Regierung und für das Überleben Israels. Dazu sagte der letzte Chef des britischen Auslandsnachrichtendienstes MI6 jüngst in einem Interview, dass aus seiner Sicht bereits nach einer Woche Krieg klar war, dass Israel diesen Waffengang mit Iran, trotz US-Hilfe, nicht gewinnen kann.
Trotz der von weltlichen Propaganda-Organen triumphal in die Welt posaunten, angeblich “spektakulären” Anfangserfolge der Aggressoren haben die anhaltende Widerstandskraft der iranischen Regierung und Bevölkerung sowie die klugen, jahrzehntelangen strategischen Vorbereitungen der Streitkräfte für Irans ausgiebige, anhaltende und nachhaltige Vergeltungsschläge die Initiative der Angreifer zunichtegemacht. Washington und Tel Aviv reagieren seither nur noch.
Vor dem Hintergrund der zunehmend wütenden, aber ratlosen Militärschläge der US-Angreifer, die auf der Suche nach einem Ausweg aus dem selbst geschaffenen Irankrieg-Dilemma sind, werden zugleich die grundlegend widersprüchlichen Zielsetzungen der beiden Schurkenregimes in Tel Aviv und Washington deutlich.
Die Trump-Administration hatte von Anfang an Mühe, ihren Angriff auf Iran zu rechtfertigen. Er widerspricht der jahrzehntelangen US-Strategie im Persischen Golf, die auf der Carter-Doktrin von 1980 beruhte. Jimmy Carter hatte damals klargestellt: Jeder Versuch, die Kontrolle über den Golf zu erlangen, verletzt vitale amerikanische Interessen und wird deshalb mit allen Mitteln – auch militärisch – abgewehrt. Deshalb stationierte Washington die Fünfte Flotte dauerhaft in der Region, verhängte Sanktionen gegen Iran und die Sowjetunion und baute nach 2001 Dutzende Stützpunkte in der Region aus. Vor Beginn des jüngsten Kriegs am 28. März waren es je nach Quelle zwischen 40.000 und 50.000 US-Soldaten. Davon besteht nur ein sehr kleiner Prozentsatz aus Truppen, die für einen regulären Bodenkrieg, den Trump nun anscheinend plant, geeignet sind.
Trotz ihrer geo-strategischen Übermacht gegenüber Iran hielten in der Vergangenheit alle bisherigen US-Regierungen an einem fragilen Status quo mit Iran fest. Sie wussten: Ein offener Krieg könnte sehr wahrscheinlich genau das provozieren, was die geltende Carter-Doktrin verhindern sollte – die Sperrung der Straße von Hormus durch iranische Kräfte und damit die Unterbrechung des Ölflusses. Genau das hat Trump mit seiner aktuellen Eskalation erreicht, zumindest für US-Schiffe sowie solche aus pro-westlichen und pro-israelischen Staaten.
Israels Zielsetzung sieht völlig anders aus. Für Tel Aviv ist Iran der zentrale Pfeiler der sogenannten “Achse des Widerstands” – eines lockeren Bündnisses aus Iran, Hisbollah in Libanon, Huthi in Jemen und Hamas in Gaza. Deren erklärtes Ziel: den US-Einfluss in der Region zurückdrängen, den palästinensischen Widerstand gegen die rassistische Besatzung unterstützen und das Regime der zionistischen Eroberungskrieger zerschlagen, was nicht gleichbedeutend mit der Auslöschung des Staates Israel ist.
Auch in Südafrika wurde einst das rassistische, scheindemokratische Regime zerschlagen, aber der Staat Südafrika existiert weiter. Dennoch wird die Gefahr, die von der “Achse des Widerstands” gegen die zionistischen Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschlichkeit ausgeht, von der zionistischen Propaganda mit voller Unterstützung des Westens als existenzielle Bedrohung Israels dargestellt.
Netanjahu als Wahlkämpfer im Kriegsmodus
Im israelischen Wahljahr 2026 ist dieser Krieg für Benjamin Netanjahu ein Geschenk des Himmels. Die Hamas-Angriffe im Oktober 2023 hatten ihn, der sich gern als “Beschützer Israels” aufspielt, bis auf die Knochen blamiert. Jetzt hofft er, vor den Wahlen am 27. Oktober dieses Jahres verkünden zu können: Hamas zerschlagen, Hisbollah gedemütigt, Iran in die Knie gezwungen. Das würde seine Chancen erhöhen, den gegen ihn laufenden Korruptionsprozess durch eine erneute Wiederwahl zu überstehen und sich anschließend von Israels Präsident Jitzchak Herzog begnadigen zu lassen. Diesen Krieg zu gewinnen, ist für den vom Internationalen UN-Gerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesuchten Netanjahu von persönlicher, existenzieller Bedeutung.
Doch die Rechnung des Oberschurken hat Lücken. Umfragen zeigen: In Israel hängt die Unterstützung für Netanjahus Likud-Partei einzig von den versprochenen Totalerfolgen ab. Sobald Gerüchte über einen Waffenstillstand mit der Hamas auftauchten, stürzten die Zustimmungszahlen für Netanjahu ab. Ein von Trump vermittelter Deal, der auch die Hisbollah einschließt, würde Netanjahu politisch schwer treffen.
Gleichzeitig bröckelt auch im Westen, selbst in den USA die internationale Rückendeckung für Israel und Netanjahus Verbrecher-Regime. In den USA sympathisieren 65 Prozent der Demokraten und 41 Prozent der unabhängigen Wähler inzwischen eher mit den Palästinensern. Auch unter den Republikanern ist die Zustimmung auf das Niveau von vor 25 Jahren gefallen. Tatsächlich sind die Republikaner inzwischen tiefer denn je gespalten, vor allem in Trumps eigener MAGA-Bewegung, wenn es um die Unterstützung Israels geht. Auch in Europa ist diese auf einem historischen Tief. Das sind keine Nebensächlichkeiten: Israel erhält jährlich 3,8 Milliarden Dollar US-Militärhilfe plus freien Zugang zu Waffen. Ohne diese Mittel wäre die aggressive Außenpolitik nicht finanzierbar – und die Wirtschaft würde kollabieren. Trumps Launen machen diese Abhängigkeit noch riskanter.
Hinzu kommt, dass der Internationale Strafgerichtshof neben Netanjahu auch gegen mehrere Minister seiner Regierung wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gaza-Krieg ermittelt. Jede Verurteilung würde Israel weiter isolieren.
Die Bilanz: Israels Schwächung statt Sieg
Selbst wenn es stimmt, dass die USA und Israel tatsächlich Iran, Hamas und Hisbollah so schwer getroffen haben, wie ihre Propaganda-Organe uns glauben machen wollen, gilt dennoch, dass für die Angegriffenen das pure Überleben – im Falle Irans als funktionierender Staat, bei Hamas und Hisbollah als funktionierende Bewegung – genügt, um dies angesichts der gigantischen militärischen Überlegenheit der Angreifer bereits als Sieg zu verbuchen. Gleichzeitig entsteht in Iran eine jüngere, radikalere und technologisch fähigere Führungsschicht, die auf Rache sinnt. Die “Achse des Widerstands” wird nicht zerstört, sondern verjüngt, fähiger und aggressiver aus der Asche dieses Krieges aufstehen.
Statt zu mehr Sicherheit hat Netanjahu Israel in eine gefährlichere Lage manövriert: höhere Isolierung, unsichere US-Unterstützung und eine revitalisierte Gegenseite, die sich auf eine Revanche vorbereitet.
Fazit:
Diese Entwicklung zeigt das klassische Muster gescheiterter militärischer Abenteuer: Kurzfristige taktische Erfolge erzeugen langfristige strategische Katastrophen. Die Trump-Administration hat mit ihrem Iran-Angriff die eigene Golf-Doktrin untergraben und damit die Stabilität der globalen Energieversorgung riskiert. Statt Stärke zu demonstrieren, wirkt Washington zunehmend als unberechenbarer Akteur, der alte Regeln bricht.
Netanjahus Politik der totalen Zerstörung folgt einer Logik der permanenten Eskalation. Sie ignoriert, dass militärische Überlegenheit allein keine politische Lösung ersetzt. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur und die hohe Zahl ziviler Opfer haben nicht nur humanitäre Folgen, sondern auch politische: Sie schaffen neue Generationen von Gegnern, die nichts mehr zu verlieren haben.
Die Abhängigkeit Israels von US-Hilfe macht Tel Aviv erpressbar. Sollte Trump – bekannt für plötzliche Kurswechsel – die Unterstützung kürzen, stünde Israel vor einer schweren Wirtschaftskrise und eingeschränkter Handlungsfähigkeit. Gleichzeitig untergräbt die fortgesetzte Missachtung internationalen Rechts die moralische und diplomatische Position Israels weltweit.
Zudem lehrt die Geschichte, dass Kriege, die aus innenpolitischem Kalkül geführt werden, selten gut enden. Netanjahus Krieg gegen Iran ist kein Meisterstück strategischer Weitsicht, sondern ein kurzsichtiges, riskantes Spiel mit dem Feuer, das durchaus in einer katastrophalen Niederlage Israels enden könnte.
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