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Was Mexiko nach der Tötung eines Drogenbosses droht

rtnews by rtnews
28/02/2026
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Ein bedeutender Teil Mexikos ist seit Jahren von größten Unruhen erfasst – all das, weil die Regierung es wagte, einen der größten Drogenbosse des Landes zu töten. Die Folgen könnten noch schlimmer sein, und der Grund dafür könnte Einmischung aus dem Ausland sein.

Von Geworg Mirsajan

Auf den ersten Blick sollte der 22. Februar als ein Tag des Triumphs der mexikanischen Sicherheitsbehörden gelten. Diesen gelang es, im Städtchen Tapalpa im Bundesstaat Jalisco einen der meistgesuchten Menschen des Landes – Nemesio Ruben Oseguera Cervantes, besser bekannt als “El Mencho” – zu stellen und zu eliminieren. El Mencho war Anführer des brutalsten und gefährlichsten mexikanischen Kartells, Jalisco Nueva Generación (CJNG), und laut dem ehemaligen hochrangigen Beamten der US-Drogenbekämpfungsbehörde Mike Vigil einer der mächtigsten Drogenbosse in der Weltgeschichte des Drogenhandels.

Man könnte meinen, das wäre auch ein persönlicher Triumph der Präsidentin Mexikos Claudia Sheinbaum. Nach ihrem Regierungsantritt verzichtete sie auf die “Beschwichtigungspolitik” ihres Vorgängers Andrés Manuel López Obrador in Bezug auf Kartelle und erklärte der organisierten Kriminalität den Krieg.

Zum “Drogenzaren”, also für diesen Krieg Zuständigen, dem alle Sicherheitsbehörden unterstellt wurden, ernannte Sheinbaum Omar García Harfuch – ihren Sicherheitschef während ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, der sogleich begann, das entgegengebrachte Vertrauen zu rechtfertigen. Zwischen Oktober 2024 und Dezember 2025 wurden knapp 39.000 Personen wegen gewaltsamer Verbrechen verhaftet, 20.000 Waffen beschlagnahmt und 1.760 Drogenlabore vernichtet, was entsprechende Zahlen während zu Amtszeiten von anderen Präsidenten um ein Vielfaches übersteigt. Auch die Tötung El Menchos, den die Regierung seit Jahren gejagt hatte, sollte dieser Arbeit nicht bloß eine quantitative, sondern auch eine qualitative Dimension verleihen.

Doch in der Realität erscheint Sheinbaums Triumph eher als ein taktischer Sieg ohne strategische Vorteile. Mehr noch, strategisch könnten sowohl Sheinbaum als auch ganz Mexiko eine Niederlage erleiden.

So wurden unmittelbar nach der Tötung El Menchos in Mexiko und erst recht nicht im Bundesstaat Jalisco und dessen Hauptstadt Guadalajara keine Volksfeiern beobachtet. Journalisten der New York Times beschrieben die Lage vor Ort:

“In Guadalajara herrschte am Sonntagnachmittag eine unheimliche Stille. Die Straßen waren größtenteils verlassen, und die meisten Geschäfte, darunter Tankstellen, schlossen ihre Türen, während die Bewohner zu Hause blieben.”

Die Bewohner verstanden, dass das Kartell für ihren Boss Rache nehmen wird – und hatten damit Recht. Die Kämpfer des Kartells veranstalteten ein Chaos in der Hälfte der Bundesstaaten des Landes: Sie überfallen Banken, versperren Straßen mit brennenden Fahrzeugen und greifen Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden weiterhin an.

Das sind nicht irgendwelche Partisanen mit Sturmgewehren – noch vor fünf Jahren war das eine regelrechte Armee. Der mexikanische Kartellexperte Eduardo Guerrero berichtete von ihnen damals:

“Sie verfügen über riesige Geldmittel, die Waffen der jüngsten Generation, militarisierte Gruppierungen und spezialisierte militärische Transportfahrzeuge.”

Nach seinen Angaben könnte ein 50-köpfiger Trupp der Kartellkämpfer in kleinen und mittelgroßen Städten die lokale Polizei überwältigen.

Mexikos Regierung verhaftet oder tötet nicht zum ersten Mal Kartellbosse. Bestenfalls führt das zu einem Chaos in kriminellen Organisationen, während die Erben die Macht untereinander verteilen oder konkurrierende Kartelle eine Umverteilung der Einflusssphären veranstaltet. “Drogenzar” García räumt selbst ein:

“Natürlich stärkt die Schwächung eines Kartells ein anderes.”

Nach dem Aderlass, der von Massengewalt auf Straßen begleitet wird, erscheint ein neuer El Mencho oder ein neues dominierendes Kartell mit eigener Armee und Wirtschaftsmacht.

Die Tragödie besteht darin, dass selbst die härteste Politik der mexikanischen Regierung gegen Kartelle zur Lösung des Problems nicht ausreicht. Eduardo Guerrero sagt:

“Das Problem der organisierten Kriminalität übersteigt bereits die institutionellen Möglichkeiten Mexikos.”

Zur Vernichtung der Kartelle, die im Grunde einen Parallelstaat aufgebaut haben, benötigt Mexiko die Unterstützung der USA. Washington soll den Drogenfluss über die Südgrenze, der die Lebens- und Prosperitätsgrundlage der Kartelle darstellt, wirksam bekämpfen, sowie den Export von Waffen, die in den Südstaaten der USA frei verkauft werden und mit denen sich die Kartelle bewaffnen, nach Mexiko einstellen.

Das können die USA nicht tun. Zur Unterbindung des Drogenflusses fehlt ihnen die Kraft und zur Einstellung des Waffenverkaufs an Kartelle der Wille. Die National Rifle Association, die private Waffenverkäufer vereinigt, ist einer der größten Sponsoren der Republikanischen Partei der USA.

Dafür kann Washington etwas Anderes tun – das Chaos in Mexiko in eigenen Zielen ausnutzen. Nominell nahmen die USA an El Menchos Liquidierung teil. Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, räumte ein, dass Washington Aufklärungsdaten für den Einsatz bereitgestellt habe.

Nominell lobten die USA Mexiko sogar für die Durchführung des Einsatzes. Christopher Landau, ehemaliger Botschafter der USA in Mexiko, mittlerweile der stellvertretende US-Außenminister, schrieb:

“Das ist ein großes Ereignis für Mexiko, USA, Lateinamerika und die Welt. Die Guten sind stärker, als die Schlechten.”

Zudem schreiben mexikanische Experten, dass die Tötung El Menchos ein ernsthaftes Signal an die USA sei, dass die gegenwärtige Regierung Mexikos die Bekämpfung der organisierten Kriminalität ernst nehme.

Doch Washington warf Sheinbaum sogleich vor, dass sie unfähig sei, das auf den Straßen der mexikanischen Städte entstandene Chaos zu bewältigen. Dieses Chaos bedrohe unmittelbar die US-Interessen und Leben von US-Bürgern. Guadalajara ist eine der mexikanischen Städte, in denen im Juni die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 stattfinden sollen, bei der die USA, Mexiko und Kanada gleichzeitig als Gastgeber auftraten. Das US-Außenministerium empfahl seinen Bürgern in mexikanischen Bundesstaaten Jalisco, Tamaulipas, Michoacán, Guerrero und Nuevo León bereits, zu Hause zu bleiben und auf Reisen zu verzichten.

Und wenn jetzt etwa Touristen aus den USA durch Kartellkämpfer getötet werden sollten, könnte Donald Trump dies zum Anlass nehmen, US-Truppen zur Bekämpfung der Kartelle einzusetzen. Damit würde er Mexikos Souveränität, das weder die Erlaubnis für den Einmarsch von US-Truppen, noch für Luftschläge auf dem eigenen Gebiet erteilt, verletzen und der Welt ein weiteres Mal demonstrieren, wer der Herr in der Westlichen Hemisphäre sei.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 23. Februar.

Geworg Mirsajan ist außerordentlicher Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Politikwissenschaftler und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Geboren im Jahr 1984 in Taschkent, erwarb er seinen Abschluss an der Staatlichen Universität des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Er war in der Zeit von 2005 bis 2016 Forscher am Institut für die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Mehr zum Thema – Mexikos Armee tötet “El Mencho”, den meistgesuchten Drogenhändler der Welt



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Tags: derDrogenbossesdrohteinesMexikonachTötung
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