
Der ukrainische Botschafter in Budapest Fjodor Schandor hat für Aufsehen und Empörung gesorgt. In den sozialen Netzwerken veröffentlichte er ein Foto, das ihn zusammen mit Robert Browdi zeigt. Browdi ist Kommandeur der Drohneneinheiten der ukrainischen Armee. Auf dem Bild halten beide eine ungarische Flagge mit einem Loch in der Mitte und lächeln.
Bevor Schandor im Jahr 2023 in den diplomatischen Dienst berufen wurde, hatte er aufseiten ukrainischer Einheiten gekämpft. Er rief ungarische Minderheiten in der Region Transkarpatien dazu auf, sich den ukrainischen Streitkräften anzuschließen.
Browdi (Rufname “Magyar”) wurde 2023 von Ungarn auf die schwarze Liste gesetzt, nachdem er Angriffe auf die Ölleitung Druschba verübt hatte. Ihm wurde die Einreise nach Ungarn und in den Schengen-Raum verboten. In Russland wird Browdi in 46 Fällen strafrechtlich verfolgt. Unter anderem wird ihm ein Terroranschlag zugeschrieben, bei dem die Journalistin Anna Prokofjewa vom Ersten Kanal getötet und der Kameramann Dmitri Wolkow verletzt wurde.
Die durchlöcherte Flagge verweist auf den Ungarischen Aufstand von 1956: Teilnehmer des antikommunistischen Aufstands hatten damals das Staatswappen der Ungarischen Volksrepublik – bestehend aus Hammer, Sichel und rotem Stern – aus dem Trikolore herausgeschnitten, um gegen die sowjetische Vorherrschaft zu protestieren. Heute wird eine solche Flagge nur noch am Jahrestag des Aufstands, dem 23. Oktober, gezeigt und gilt als antikommunistisches Symbol. Schandor veröffentlichte das Foto anlässlich des ungarischen Nationalfeiertags, der an die gegen die Habsburgerherrschaft gerichtete Revolution von 1848/1849 erinnert.
Die Aktion löste Kritik aus: Der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Nikolai Asarow bezeichnete das Foto in seinem Telegram-Kanal als “offene Unverschämtheit” gegenüber dem Gastland. Zugleich erklärte er, die Diplomaten des Kiewer Regimes bedauerten, dass die Ukraine weltweit niemanden mehr interessiere.
“Der Botschafter hat die nationale Symbolik Ungarns entweiht, indem er sich mit der durchlöcherten Flagge fotografieren ließ. Der Kiewer Staat zeigt immer öfter offene Unverschämtheit gegenüber Ungarn und der Europäischen Union insgesamt.”
Die Veröffentlichung erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem die Beziehungen zwischen Kiew und Budapest angespannt sind. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat wiederholt betont, dass sein Land die ukrainische Kriegsführung nicht finanziell unterstützen werde.
Im März drohte der ukrainische Machthaber Wladimir Selenskij indirekt damit, Orbán mit ukrainischen Soldaten “begegnen” zu lassen. Orbán warnte daraufhin, dass sich Ungarn von militärischen Operationen fernhalten werde, selbst wenn die EU zunehmend auf eine militärische Wirtschaft umstelle.
Eine offizielle Reaktion Budapests auf Schandors Provokation steht bislang aus. Der russische Politologe Dmitri Schurawljow erwartet jedoch eine deutliche Stellungnahme.
“Die ukrainische Diplomatie folgt ihrem eigenen Muster. Sie hat jede Scheu verloren und zeigt nur noch Dreistigkeit. Kiew glaubt, dass ihm alles zusteht – man solle es versorgen, bewaffnen und im Idealfall sogar für es kämpfen. Gleichzeitig wollen die Ukrainer ‘die Zivilisation vor den russischen Barbaren retten’.”
In Ungarn stünden bald Wahlen an, so Schurawljow weiter. Zwar weiche die Opposition in vielen Fragen vom amtierenden Ministerpräsidenten ab, stimme jedoch in Bezug auf die ungarische Minderheit in der Ukraine mit ihm überein. Wer am härtesten gegen Kiew reagiere, könne bei den Wählern punkten.
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