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Trumps Rede in Davos: Identitätspolitik als außenpolitische Leitlinie

rtnews by rtnews
01/02/2026
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Donald Trump nutzte seine Rede in Davos, um Migration, Europa und gesellschaftlichen Wandel scharf zu kritisieren. Hinter außenpolitischen Drohungen und provokanten Zuspitzungen stand vor allem eine Botschaft an sein heimisches Publikum: Der Westen sei bedroht und müsse sich behaupten.

Von Aram Aharonian

Die Anti-Somalia-Tirade des Präsidenten und seine Beleidigungen gegenüber europäischen Staats- und Regierungschefs standen im Einklang mit der Weltanschauung seines stellvertretenden Stabschefs Stephen Miller*, dem Architekten seiner faschistischen Einwanderungspolitik.

Trumps ultrarechte Verbündete haben sich in letzter Zeit Sorgen gemacht, dass er sich zu sehr auf globale Eroberungen – Iran, Venezuela, Grönland – konzentriert und dabei sein Motto “America First” aus den Augen verloren hat. Auch wenn er sich wie immer an die wohlhabenden Eliten in Davos wandte, war sein eigentliches Zielpublikum das seines Landes. Die Botschaft war: Ich bin immer noch die “große weiße Hoffnung”.

Seine identitätspolitische Rhetorik spiegelt sich in der “Great Replacement”-Theorie wider, der Verschwörungstheorie, die behauptet, dass der demografische Wandel gezielt darauf ausgerichtet ist, die weiße Mehrheit durch nicht-weiße Bevölkerungsgruppen zu ersetzen und so die traditionelle Kultur zu untergraben.

Und sie spiegelt sich auch in Trumps Entscheidung wider, weißen Südafrikanern aufgrund eines angeblichen “weißen Völkermords” Asyl zu gewähren, sowie in der Ideologie, die hinter dem gewaltsamen Vorgehen der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) gegen Einwanderer in Minnesota steht.

Stephen Miller ist zu dem Wortschmied geworden, der Trumps Stammtischjargon in einen biblischen Slogan verwandelt: “Machen wir Amerika wieder groß”. Bei der Beerdigung des rechten Aktivisten Charlie Kirk im vergangenen Jahr sagte Miller: “Unsere Abstammung und unser Erbe reichen zurück bis nach Athen, Rom, Philadelphia und Monticello. Unsere Vorfahren haben Städte gebaut. Sie haben Kunst und Architektur geschaffen. Sie haben die Industrie aufgebaut. Wir verteidigen das Gute, das Tugendhafte und das Edle.”

In seiner zweiten Amtszeit geht Trumps Prahlerei mit einem emotionalen und aggressiven Kurs in der Außenpolitik einher. Vielleicht weiß er nicht, dass Theodore Roosevelt, der 26. Präsident der USA, seinen Ansatz in den internationalen Beziehungen als “sanft sprechen und einen großen Knüppel tragen” beschrieb. Dieser Ansatz brachte ihm 1906 für seine Rolle bei der Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges den Friedensnobelpreis ein. Trump erhielt ihn dieses Jahr von der Venezolanerin María Corina Machado, von der niemand weiß, was sie getan hat, um ihn zu verdienen, außer dass sie mit US-Präsidenten befreundet ist.

Trump macht immer alles im großen Stil, damit kein Zweifel aufkommt, dass er der Hauptakteur jedes Treffens ist: Er machte sich über die Pilotenbrille des französischen Präsidenten Emmanuel Macron lustig, tadelte den kanadischen Premierminister Mark Carney (“Kanada lebt dank der USA”), behauptete, dass die Schweizer “nur dank uns gut sind”, und stichelte gegen Dänemark, weil es Grönland während des Zweiten Weltkriegs “in sechs Stunden” verloren hätte.

Abgesehen von seinen hemmungslosen Äußerungen hinterließ Trump eine tiefgründige Botschaft, mit der er versuchte, den sogenannten Westen zu vereinen, anstatt ihn weiter zu spalten. Es ist sein dunkelstes, heimtückischstes und unheimlichstes Projekt, schreibt David Smith in The Guardian. Smith weist darauf hin, dass der Schlüssel zu Trumps außenpolitischen Drohungen darin besteht, hysterisch zu reden und mit dem großen Knüppel zu drohen.

Trumps Beteuerung, dass er keine Gewalt gegen Grönland anwenden würde, sollte man rational im Zusammenhang mit seiner früheren Behauptung sehen, dass Präsident Barack Obama kein gebürtiger US-Bürger sei (eine Lüge) oder dass der Klimawandel ein “Betrug” Chinas sei (eine gewaltige Lüge). 

Die New York Times berichtete über die Rede in einem Artikel mit dem Titel “Trump droht Europa wegen Grönland, schließt aber die Entsendung von Truppen aus”. Dies basierte auf Trumps Aussage: “Ich muss keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden. Alles, was die USA wollen, ist ein Ort namens Grönland.”

Sicherlich hat Trump (oder seine Beratergruppe) Folgendes angenommen: Ja, wir mögen unsere internen Streitigkeiten haben. Aber ich werde ihnen die harte Hand zeigen, denn wir sitzen alle im selben Boot. Wir sind die Bannerträger der westlichen Zivilisation. Wir müssen den barbarischen Horden Widerstand leisten. Wir müssen den weißen Mann retten.

Zur Vorgeschichte sei daran erinnert, dass Trump sich vor zwei Jahren darüber beklagte, dass “wir heute viele schlechte Gene in unserem Land haben”. Er sagte, er sei “europäischer Herkunft”, das heißt:

“Meine Mutter ist zu 100 Prozent schottisch, mein Vater zu 100 Prozent deutsch. Und wir glauben fest an die Verbindungen, die wir als Zivilisation mit Europa teilen.” 

Wollte er damit sagen, dass die Europäer für seine Äußerungen und Handlungen verantwortlich sind? Natürlich nicht die heutigen, sondern die früheren, die Weißen.

In seiner rassistischen Tirade wies er auch gleich darauf hin, dass “bestimmte Orte in Europa offen gesagt nicht mehr wiederzuerkennen sind”, und machte dafür die “unkontrollierte Masseneinwanderung” verantwortlich. “Es ist schrecklich, was sie sich selbst antun. Sie zerstören sich selbst, diese schönen Orte. Wir wollen starke Verbündete, keine erheblich geschwächten.” Aber dieser Anfall von uraltem Rassismus ging weiter.

Er sinnierte über die Einwanderung in sein eigenes Land, wo er die somalische Gemeinschaft nach den jüngsten Fällen von Betrug in Minnesota, in denen die meisten Angeklagten somalische Wurzeln hatten, zu einem besonderen Ziel seiner Abschiebungsrhetorik gemacht hat. “Wir ergreifen energische Maßnahmen gegen mehr als 19 Milliarden Dollar an Betrug, die von somalischen Banditen gestohlen wurden”, sagte er. “Können Sie das glauben, Somalia? Es stellte sich heraus, dass sie einen höheren IQ hatten, als wir dachten. Ich sage immer, dass sie Menschen mit einem niedrigen IQ sind. Wie sind sie nach Minnesota gekommen und haben all dieses Geld gestohlen?”

“Die Situation in Minnesota erinnert uns daran, dass der Westen nicht massenhaft fremde Kulturen importieren kann, die es nicht geschafft haben, eine eigene erfolgreiche Gesellschaft aufzubauen. Das heißt, wir nehmen Menschen aus Somalia auf, und Somalia ist ein gescheitertes Land; es ist keine Nation. Es hat keine Regierung, keine Polizei, nichts.” (Er war sich nicht bewusst, dass es sehr wohl eine Regierung gibt, mit der sein Land Beziehungen unterhält).

Er nutzte die Gelegenheit, um eine Tirade gegen die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar, die in Somalia geboren wurde und US-Staatsbürgerin ist, loszulassen.

Dann betonte er: “Die Explosion des Wohlstands, der Integration und des Fortschritts, die der Westen geschaffen hat, kam nicht von unseren Steuergesetzen. Letztendlich kam alles von unserer ganz besonderen Kultur.” (Die der indigenen Bevölkerungen vielleicht?)

Und weiter sagte er: “Das ist das wertvolle Erbe, das Amerika und Europa gemeinsam haben, und wir teilen es. Wir teilen es, aber wir müssen es stark halten. Wir müssen stärker, erfolgreicher und wohlhabender sein als je zuvor. Wir müssen diese Kultur verteidigen und den Geist wiederentdecken, der den Westen aus den Tiefen des Mittelalters an die Spitze der menschlichen Errungenschaften gebracht hat.”

Elon Musk, ein weißer Mann, der während der Apartheid in Südafrika geboren wurde und heute der reichste Mensch der Welt ist, gehört zu denen, die diese Ideen verbreiten. Seine Pinnwand auf X, dem sozialen Netzwerk, das ihm gehört, ist nach wie vor gespickt mit alarmierenden Warnungen vor der Bedrohung der weißen Zivilisation. So retweetete er beispielsweise mit voller Zustimmung einen Beitrag, in dem es hieß:

“Wenn weiße Männer zur Minderheit werden, werden wir massakriert werden… Weiße Solidarität ist der einzige Weg, um zu überleben.”

*Stephen Miller war während Trumps erster Amtszeit Senior Advisor to the President of the United States (Chefberater des US-Präsidenten). Seit Januar 2025 ist er stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und Homeland Security Advisor.

Übersetzt aus dem Spanischen von Olga Espín.

Aram Aharonian ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler aus Uruguay. Er ist Mitgründer von TeleSUR und Vorsitzender der Stiftung für lateinamerikanische Integration (FILA).

Mehr zum Thema – Trumps acht Phantom-Frieden



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Tags: alsaußenpolitischeDavosIdentitätspolitikLeitlinieRedeTrumps
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