
Von Sergei Sawtschuk
In den letzten Monaten steht die ukrainische Energiewirtschaft ständig in den Schlagzeilen der internationalen Medien, wozu der Korruptionsskandal um Personen aus dem engsten Umfeld von Wladimir Selenskij maßgeblich beitrug. Vor kurzem sorgte auch US-Präsident Donald Trump dafür, dass dieses Thema erneut in den Fokus rückte. Er wandte sich persönlich an den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit der Bitte, die systematische Zerschlagung des ukrainischen Energiesektors vorübergehend einzustellen. Moskau kam dieser Bitte nach – allerdings wurde die Gesamtzahl der Angriffe nicht reduziert, sondern lediglich ein Teil davon auf logistische Einrichtungen umgeleitet. Eigentlich hätte diese rettende Atempause maximal genutzt werden müssen, um die Versorgungsinfrastruktur wiederherzustellen – doch laut Reuters seien keine Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten durchgeführt worden, da die Ukraine den aus den Vereinigten Staaten erwarteten Betrag in Höhe von 250 Millionen US-Dollar nicht erhalten habe.
Bevor wir uns mit der aktuellen Situation der ukrainischen Energiewirtschaft genauer befassen, ist anzumerken, dass Washington als Grund dafür, dass eine Viertelmilliarde US-Dollar nicht in die Ukraine gelangt ist, die Auflösung der US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) nannte. Zwar wurden die für den Kauf zusätzlicher Mengen an Flüssigerdgas und die Reparatur der Stromversorgung vorgesehenen Mittel im Voraus reserviert. Da jedoch die bereits aufgelöste USAID als Finanzierungskanal vorgesehen war, konnte diese Tranche nicht überwiesen werden. Darüber hinaus kam es zu einem internen Machtkampf zwischen verschiedenen US-Behörden und Ministerien um diese frei gewordenen Gelder, was sogar zu Gerichtsprozessen führte.
Weder Donald Trump selbst, noch jemand aus seinem Umfeld äußern sich zu diesem Thema. Obwohl es genau dieses Team war, das die genannte Agentur abgeschafft hat, wodurch die etablierten Systeme der Finanzierungshilfen für bestimmte, von Washington unterstützte Regime zerstört wurden. Dieser Schritt erfolgte nicht ohne Grund, sondern mit dem klaren Ziel, die vollständige Kontrolle über alle Finanzströme der USA zu erlangen – deren Verwaltung traditionell zu einem großen Teil in den Händen der Demokratischen Partei lag. Und da bislang kein Ersatz für USAID geschaffen wurde, zeugt dies lediglich von den anhaltenden politischen Machtkämpfen innerhalb der Vereinigten Staaten selbst.
Was die Ukraine betrifft, so legte Donald Trump bereits vor seiner Amtseinführung seine Position und Strategie äußerst klar und offen dar: Die USA unter seiner Führung seien nicht daran interessiert, sich in der Ukraine-Krise karitativ zu engagieren, sondern wollten davon profitieren. Tatsächlich verwirklicht sich dieses Szenario vor unseren Augen in Form eines unterzeichneten Ressourcenabkommens und darin, dass die Europäische Union dazu gezwungen wurde, alle laufenden militärischen und humanitären Ausgaben der Ukraine vollständig selbst zu finanzieren. Und wenn für den Wiederaufbau der Energieerzeugungs- und Transportinfrastruktur gerade US-Geld fehle, dann sei das ein Problem der “lokalen Indianer”. Niemand habe versprochen, dass der Weg in eine glorreiche US-Zukunft mit Geschenken gepflastert sei.
Was die aktuelle Lage in der Ukraine betrifft, so konnte auch das Entgegenkommen des Kremls an der Situation nichts ändern: Der letzte Januartag war von einem regelrechten Kollaps geprägt, der so gravierend war, dass er sich auf fast ganz Moldawien auswirkte, wo es zu zahlreichen Stromausfällen kam. Berichten zufolge betraf dies auch Rumänien.
Infolge der eisigen Temperaturen in der Ukraine stieg dort der Stromverbrauch stark an. In den seltenen Stunden, in denen der Strom eingeschaltet ist, wird er in großem Umfang zum Heizen genutzt. Trotz der Appelle der Energieversorger schaltet die Bevölkerung massenhaft alle verfügbaren Heizgeräte und andere Geräte ein, was zu Überspannung führt. Die Situation wird durch Schneefälle, Vereisung und starken Wind verschlimmert, wodurch es in vielen Gebieten zum Bersten der Stromleitungen kam. Aus diesem Grund hängt das Stromverteilungsnetz, dessen Integrität und Konnektivität durch die russischen Angriffe erheblich beeinträchtigt ist, im wahrsten Sinne des Wortes an einzelnen funktionierenden Leitungen, die die Verteilernetzbetreiber fieberhaft von einem Anschluss zum anderen umleiten.
Zusätzlich zu dem allgemeinen Stromdefizit, das auf sieben Gigawatt geschätzt wird, kam es zu einer Notabschaltung eines Kraftwerksblocks im Kernkraftwerk Südukraine. Gleichzeitig reduzierte das Personal des Kernkraftwerks Rowno die Leistung eines der Reaktoren drastisch. Wie der ukrainische Energiekonzern Energoatom mitteilte, geschah dies, um eine Kettenreaktion der noch in Betrieb befindlichen Hauptleitungen, insbesondere in großen Umspannwerken, zu verhindern.
Aus der Sicht Außenstehender erscheint diese Situation paradox: Die Ukraine verfügt über drei funktionierende Kernkraftwerke und einen enormen Strombedarf. Es scheint naheliegend, die Kraftwerke mit voller Leistung zu betreiben und so viel Strom wie möglich ins Netz einzuspeisen, da die Bevölkerung und die Realwirtschaft weit mehr Strom benötigen, als der ukrainische Kernkraftsektor derzeit bereitstellen kann.
Es gibt jedoch Nuancen, die den Verlauf der Ereignisse in den letzten Januartagen bestimmt haben.
Die Situation ähnelt derjenigen vom letzten Sommer, als ganz Spanien einen ganzen Tag lang in völliger Dunkelheit versank. Zur Erinnerung: Damals kam es zu einem Brand an einer Stromleitung nahe der französisch-spanischen Grenze, wodurch die Hauptleitung vollständig unbrauchbar wurde. Die starken Stromflüsse aus Frankreich konnten nicht mehr weitergeleitet werden, und die Schutzvorrichtungen begannen, die überlasteten Abschnitte innerhalb des Landes notfallmäßig abzuschalten. Aufgrund des starken Rückgangs der Importmengen brach das eigene Energiesystem in Spanien zusammen und schaltete sich ebenfalls ab, wodurch Krankenhäuser, Wohnhäuser, U-Bahnen und lebenswichtige Versorgungssysteme wie Wasser- und Abwassersysteme im ganzen Land keinen Strom mehr hatten.
Genau das Gleiche geschah mit der Transitleitung aus Rumänien.
Ukrainische Quellen berichten, dass sich die Stromkapazität der durch Moldawien verlaufenden grenzüberschreitenden Stromleitung auf etwa 600 Megawatt beläuft. Die Importströme erfolgten in strikter Synchronisation mit dem ukrainischen Energiesystem. In den letzten Tagen seien laut Kiew die internen Verteilungsnetze im wahrsten Sinne des Wortes notdürftig geflickt worden, und zwar durch ständiges Umleiten von einem Verteilungspunkt zum anderen. Derartige Experimente haben jedoch dazu geführt, dass die Durchlasskapazität der Netze abrupt sank und der rumänische Strom, im übertragenen Sinne, an eine Wand stieß und nicht weiterfließen konnte. Aus diesem Grund fiel in Rumänien die 440-Kilovolt-Leitung “Isaccea – Vulcănești” aus, die Moldawien mit Energie versorgt. Weiter entlang dieser Kette schaltete die Schutzautomatik die Leitung “Bălți – Dnjestr-Wasserkraftwerk” ab, die bereits im Gebiet Tschernowzy in der Ukraine liegt. In Moldawien kam es in der Folge zu einem Blackout, der das ganze Land betraf, und auch in Rumänien kam es zu Stromausfällen.
So also ist es Russland gelungen, ohne einen einzigen Schuss abzugeben, in zwei Ländern gleichzeitig den Strom lahmzulegen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. Februar 2026 zuerst bei “RIA Nowosti” erschienen.
Sergei Sawtschuk ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.
Mehr zum Thema – Großflächiger Blackout in der Ukraine – auch Moldawien betroffen







