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Russische Zentralbank beginnt das Jahr mit einer Überraschung

rtnews by rtnews
15/02/2026
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Die russische Zentralbank überraschte mit einer Zinssenkung bereits bei ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr, obwohl viele dies eher gegen Ende des Frühjahrs erwartet hatten – zumal die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Wohnungs- und Kommunalkosten im Januar zu einem Inflationsschub geführt hatte. Was veranlasste die Zentralbank zu dieser raschen Lockerung ihrer Politik, und wie wird sie sich auf Kredite und Einlagen auswirken?

Von Olga Samofalowa

Bereits die erste Sitzung der Zentralbank der Russischen Föderation in diesem Jahr brachte Überraschungen mit sich. Die Regulierungsbehörde senkte schließlich den Zinssatz, obwohl die meisten Analysten eine Pause erwartet hatten, und zwar fast bis zum Ende des Frühlings/Anfang Sommer. Ihre Logik ist durchaus verständlich: Im Januar kam es aufgrund der Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Tarife der kommunalen Versorgungsunternehmen zu einem preissteigernden Effekt, sodass eine Pause seitens der Zentralbank durchaus berechtigt gewesen wäre.

Die Zentralbank entschied sich dennoch, den Zinssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zu senken. Die Regulierungsbehörde ging davon aus, dass es sich um einmalige Inflationsfaktoren handelt, nach deren Auslaufen die Inflation wieder sinken wird.

Natalia Miltschakowa, leitende Analystin bei Freedom Finance Global, erläutert:

“Die Meinung der Analytiker war uneinheitlich, da externe Signale sowohl für eine Zinssenkung als auch für einen vorübergehenden Verzicht darauf sprachen. Viele wurden durch die Reaktion der Wirtschaft auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer in die Irre geführt. Im Prinzip ist dies ein inflationärer Faktor, und in der ersten Januarwoche 2026 stieg die Inflation auf 1,26 Prozent – was selbst gemessen an den monatlichen Steigerungsraten sehr hoch ist, zumal dieser Anstieg innerhalb nur einer Woche erfolgte. Danach begann die Inflation jedoch recht schnell nach der Mehrwertsteuererhöhung zu sinken, und zwar gleichzeitig mit der Erhöhung der Tarife für Wohn- und Kommunalleistungen. Vielleicht war es aber einfach so, dass viele Einzelhändler und der Dienstleistungssektor ihre Preise bereits im Dezember 2025 vorzeitig erhöht hatten, indem sie die erhöhte Mehrwertsteuer im Voraus in die Preise für Waren und Dienstleistungen einkalkulierten.”

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die nächste Sitzung der Zentralbank im März. Alexander Baсhtin, Investmentstratege bei Garda Capital, hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Regulierungsbehörde im März eine Pause bei der Leitzinssenkung einlegen wird.

Er merkt an:

“Die Regulierungsbehörde wird die Schlüsselindikatoren, die ihr erst im April vorliegen werden, genau betrachten. Die jährliche Inflationsrate liegt derzeit noch über sechs Prozent, sodass es verfrüht wäre, von einer nachhaltigen Verlangsamung des Preisanstiegs zu sprechen. Die Inflationserwartungen der Bevölkerung und der Unternehmen haben sich zwar stabilisiert, befinden sich jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. Gleiches gilt für das Wachstum der Nominallöhne – diese verlangsamen sich zwar, aber ausgehend von hohen Werten. Das Lohnwachstum übertrifft weiterhin das Wachstum der Arbeitsproduktivität.”

Grigori Schirnow, Mitarbeiter des Labors für Makrostrukturmodellierung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Nationalen Forschungsuniversität “Hochschule für Wirtschaft” (HSE), ist der Ansicht:

“Das reale Leitzinsniveau ist nach wie vor hoch, und die Lockerung der Politik der Zentralbank wird sich höchstwahrscheinlich erst im nächsten Jahr in vollem Umfang auf die Wirtschaft auswirken. Deshalb wird sich der Zinssenkungszyklus im März wahrscheinlich fortsetzen.”

Dennoch werde die Politik der Zentralbank im Jahr 2026 insgesamt weniger streng sein als in den letzten zwei Jahren, meint Miltschakowa.

Sie prognostiziert:

“Jetzt erwarten wir, dass die russische Zentralbank den Leitzins möglicherweise bei jeder Sitzung ihres Verwaltungsrats senken wird. Allerdings wird dies schrittweise geschehen, jeweils um etwa 0,5 Prozentpunkte, bis die Inflation ein Niveau von 4,5 bis 5,5 Prozent oder etwas in dieser Größenordnung erreicht hat. Wir gehen davon aus, dass die Mehrwertsteuererhöhung bereits in den Warenpreisen berücksichtigt ist und als inflationärer Faktor keine Rolle mehr spielt.”

Die Expertin fügt hinzu:

“Die jährliche Inflation wird in der ersten Jahreshälfte zwischen 5 und 6,5 Prozent schwanken. Sollte sie aufgrund äußerer Umstände über 6,5 Prozent steigen, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Zentralbank irgendwann in der ersten Jahreshälfte eine Pause bei der Leitzinssenkung einlegt.”

Miltschakowa führt aus:

“Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2026 könnte der Leitzins auf 14 bis 14,5 Prozent pro Jahr gesenkt werden. In der zweiten Jahreshälfte ist unserer Meinung nach eine Senkung des Leitzinses auf elf bis zwölf Prozent bis zum Jahresende möglich, wenn sich die jährliche Inflation im Bereich von 4,5 bis 5,5 Prozent bewegen wird.”

Es sei nicht auszuschließen, dass wir im zweiten Quartal ernsthaftere Schritte seitens der Regulierungsbehörde sehen werden (die Senkung des Zinssatzes um einen Prozentpunkt), und bis zum Jahresende könnte der Leitzins im Bereich von 10,5 bis 11,5 Prozent liegen, prognostiziert Schirnow.

Im Zuge der Leitzinssenkung sollten auch die Kredit- und Einlagenzinsen der Banken sinken.

Die maximale Verzinsung für Rubel-Einlagen bei den zehn führenden Kreditinstituten könnte Ende Winter/Anfang Frühjahr auf etwa 14 Prozent sinken. Dabei könnte sich die Verzinsung für kurz laufende Einlagen nur geringfügig verringern, während Einlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr und mehr deutlich an Attraktivität verlieren würden, so Baсhtin.

Miltschakowa ist der Ansicht:

“Wenn der Leitzins bis zum Jahresende auf elf bis zwölf Prozent pro Jahr sinkt, werden auch die Verzinsungen für Einlagen entsprechend auf 8,5 bis 11 Prozent pro Jahr fallen.”

Auch Kreditgelder sollen günstiger werden.

Miltschakowa erwartet:

“Die Kreditzinsen könnten bis zum Jahresende sinken: Marktübliche Hypotheken auf 14 bis 15 Prozent p. a., Verbraucherkredite auf 16 bis 18 Prozent p. a.”

Die Banken senken bereits die Zinsen für Konsumentenkredite. Als erste reagierte die VTB-Bank auf die Senkung des Leitzinses und setzte die Zinsen für unbesicherte Kredite umgehend um drei Prozentpunkte herab.

Miltschakowa schlussfolgert:

“Höchstwahrscheinlich werden auch die Konkurrenten der VTB diesem Trend relativ schnell Folge leisten. Zum Jahresende dürften Kredite zugänglicher sein als zu Jahresbeginn, da die Zinssätze niedriger liegen werden. Andererseits scheint es unwahrscheinlich, dass die russische Zentralbank ihre strengen Anforderungen an Kreditantragsteller lockern wird, sodass es weiterhin schwierig sein dürfte, in diesem Jahr einen Kredit zu bekommen.”

Interessanterweise verstärkte sich der Rubel gegenüber dem Yuan nach dieser Entscheidung der Zentralbank, obwohl Zinssenkungen und moderate Kommentare der Regulierungsbehörde normalerweise zu einer Schwächung der Landeswährung führen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 14. Februar zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Mehr zum Thema – US-russische Beziehungen: Geht es auch ohne die Ukraine?



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Tags: beginntdaseinerJahrmitRussischeÜBERRASCHUNGZentralbank
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