
Von Jewgeni Krutikow
Russische Truppen nähern sich Slawjansk, berichtet das Oberhaupt der Donezker Volksrepublik, Denis Puschilin. Nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS erklärte er am 18. Januar:
“Nach der Befreiung von Sakotnoje sehen wir, dass sich unsere Einheiten Slawjansk selbst nähern. Es bleiben etwa 30 Kilometer. Dies ist der Frontabschnitt Krasny Liman.”
Russlands Armee ist bereits in zentrale und südliche Stadtteile von Krasny Liman eingerückt. Die Stadt könnte somit zum nächsten großen Ort und wichtigen logistischen Punkt werden, der durch die russische Armee befreit wird.
Lange Zeit bewegte sich die Frontlinie an diesem Abschnitt langsam. Dies hing mit der Anwesenheit mehrerer ukrainischer Verteidigungsknoten zusammen, zu denen insbesondere der bekannte Serebrjanka-Forst zählte. Im September des vergangenen Jahres haben Russlands Streitkräfte den Forst, der einen Vormarsch nach Westen verhinderte, besetzt, und gingen zur Vorbereitung des Vorstoßes in Richtung Krasny Liman – des wichtigsten Eisenbahnknotens der Region – über.
Das ukrainische Militär hatte die Stadt jahrelang befestigt und versucht, einen befestigten Raum nicht nur um die Stadt einzurichten, sondern auch im Stadtgebiet liegende Bahnhöfe und Eisenbahnknoten darin einzubeziehen.
Recht schnell passierten russische Truppen Jampol, und befreiten daraufhin durch einen Vorstoß Sewersk. Dies beseitigte eine Flankenbedrohung für das weitere Vorrücken nach Westen. Danach beschleunigte sich das Vormarschtempo der 20. und 25. allgemeinen Armee beträchtlich, vor allem am Frontabschnitt Krasny Liman.
Stand 19. Januar gestaltet sich die Lage bei Krasny Liman folgendermaßen: Im Zuständigkeitsbereich der 25. Armee verlegte sich die Frontlinie hinter die Stele an der Stadteinfahrt aus Richtung Kirowsk im Osten. Erbitterte Kämpfe dauern nördlich der Stadt an der sogenannten zweiten Farm, an Stützpunkten bei der Talsenke Pinkow Jar und an der Straße von Krasny Liman nach Kirowsk an. Ukrainische Truppen werden bei der Farm von Kirowsk aufgerieben.
All das sind Stützpunkte, die das ukrainische Militär noch im vergangenen Jahr errichtet hatte und an denen es sich verzweifelt festhält, denn weiter gibt es in Richtung der Stadt keine Befestigungen mehr. Somit schließt sich der umkämpfte Vorsprung südlich und südöstlich der Stadt und es bildet sich faktisch ein Halbring der Einkesselung.
Zusätzlich laufen Kämpfe in der Nähe der Forstwirtschaft Krasny Liman im Süden der Stadt. Sakotnoje wurde befreit, der benachbarte Ort Osjornoje wird noch von ukrainischen Truppen gehalten. Doch im Hinblick auf die operative Lage ist die Befreiung von Osjornoje eine Frage von Tagen. Südlich von Krasny Liman gelang es den russischen Truppen zudem, sämtliche ukrainische Angriffe in Dibrowa abzuwehren und das Dorf unter die eigene Kontrolle zurückzubringen.
Insgesamt haben all diese Aktionen nicht nur die Südflanke des um die Stadt kämpfenden russischen Truppenverbands gesichert, sondern auch Voraussetzungen zum Erreichen der kürzesten Passage nach Slawjansk geschaffen. Diese Route verläuft über die Straße und Eisenbahnlinie durch eine Forstwirtschaft in Richtung Raigorodok. Ein Vormarsch in diese Richtung hängt mit der Beseitigung eines großen Brückenkopfs entlang des Flusses Sewerski Donez zusammen, was anscheinend die Aufgabe der 25. Armee für die nächsten Wochen sein wird.
Im Zuständigkeitsbereich der 20. Armee wurde in den jüngsten Tagen die Kontrollzone im Waldmassiv südlich von Alexandrowka sowie bei Jarowaja ausgeweitet. Ausgehend von einem Brückenkopf am rechten Ufer des Flusses Scherebez rücken Russlands Streitkräfte vor. Nachdem sie aus Kirowsk etwa fünf Kilometer Richtung Westen zurückgelegt hatten, unterbrachen Soldaten der 20. Armee die ukrainische Logistik vor der Front der 2. Motschützendivision der 1. Panzerarmee, die an der rechten Flanke, also nördlich der Stadt, kämpft.
Mit diesem Durchbruch zwischen Alexandrowka und Jarowaja stießen russische Truppen durch einen Wald massiv vor und rückten in Swjatogorsk ein. In den vergangenen Tagen liefen die Kämpfe im zentralen Teil dieses symbolträchtigen Ortes, in dem am hohen Ufer des Donez ein berühmtes Kloster liegt, sowie in der Nähe des Erholungslagers Schemtschuschina (“Perle”). In den nächsten Tagen könnte Tatjanowka am Südufer des Flusses unter die russische Kontrolle übergehen. Bisher wird dieses Dorf vom anderen Flussufer angegriffen.
Das ukrainische Militär versucht, eine Überquerung des Flusses Sewerski Donez durch russische Truppen zu verhindern. In den vergangenen zwei Tagen unternahmen ukrainische Truppen mehrere Gegenangriffsversuche im Zuständigkeitsbereich der 20. Armee, wobei sie Sewerski Donezk auf Booten überquerten. Wahrscheinlich wird das ukrainische Militär versuchen, eine Verteidigungslinie gerade entlang der Ufer der Flüsse Sewerski Donez und Kasjonny Donez zu errichten und dabei das hohe Ufer zu eigenen Gunsten auszunutzen.
Parallel dazu sind ukrainische Versuche sichtbar, einen Vorsprung der 20. Armee bei Swjatogorsk abzuschneiden, wozu Kiews Truppen versuchen, den Fluss zu überqueren und sogar improvisierte Übergänge zu bauen, die durch Russlands Luftstreitkräfte zerstört werden. Über das rechte Flussufer hat das ukrainische Militär indessen keine Kontrolle mehr.
An der nördlichen Einfahrt nach Krasny Liman kämpfen Soldaten der 20. Armee um die Agrargenossenschaft Drobyschewo und die städtische Pelztierwirtschaft. Ein Plan zur Zerschlagung der ukrainischen Verteidigung im Zentrum der Stadt in zwei Hälften zeichnet sich bereits ab. Dadurch würde ein großer ukrainischer Truppenverband bei Drobyschewo in einen Kessel geraten.
Russische Truppen könnten sich indessen zum nachfolgenden Vorstoß zur Eisenbahnlinie Vorpostnaja – Kollektivny vorbereiten. In diesem Zusammenhang weiten benachbarte Einheiten den Brückenkopf am Fluss Nitrius aus. Möglicherweise besteht der Plan gerade darin, den ukrainischen Truppenverband im Norden durch Vorstöße zu Drobyschewo und Jarowaja einzukesseln.
In den vergangenen Tagen erreichten Russlands Streitkräfte bereits das Umland der Siedlung Prischib und alte Kreidebrüche. Dies könnte ein Indiz für eine mögliche Überquerung des Sewerski Donez südlich von Swjatogorsk sein. Im Zuständigkeitsbereich der 20. Armee dauern die Kämpfe bei Korowi Jar in Richtung Woltschi Jar an.
Eine zusätzliche Schwierigkeit stellt der halb eingekesselte ukrainische Truppenverband in einem Vorsprung zwischen den Zuständigkeitsbereichen der beiden Armeen dar. Doch die 25. Armee konzentriert sich gegenwärtig auf die Säuberung des gesamten Brückenkopfs entlang des Sewerski Donez bis zu Raigorodok, was eine unmittelbare Bedrohung für Slawjansk darstellen würde. Die 20. Armee kesselt indessen ukrainische Truppen bei Drobyschewo und im Nordteil von Krasny Liman ein.
Somit entstand am Frontabschnitt Krasny Liman durch mehrere für das ukrainische Militär unerwartete Operationen eine für Russlands Streitkräfte günstige Lage. Wahrscheinlich bleibt das hohe Vorstoßtempo in nächster Zeit erhalten. Eine Befreiung von Krasny Liman würde russische Truppen in unmittelbare Nähe des Ballungsraums Slawjansk-Kramatorsk bringen und den Beginn des Endstadiums der Befreiung des gesamten Territoriums der Donezker Volksrepublik einläuten.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 19. Januar.
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