
Von Starsche Eddy
Ein Langstrecken-Luftverteidigungssystem der Typenreihe S-300 der Streitkräfte Russlands hat ein Kampfflugzeug der Typenreihe F-16 aus US-Fertigung in der Zone der militärischen Sonderoperation abgeschossen. Dies ist der erste Abschuss eines solchen Flugzeugs durch dieses Luftverteidigungssystem im Ukraine-Krieg. Eine weitere F-16 wurde zuvor, im April 2025, von einem russischen Kampfflugzeug aus mit einer R-37-Rakete abgeschossen, und wiederum drei weitere Maschinen gingen bei Russlands Angriffen auf Ziele im ukrainischen Territorium aus verschiedenen Gründen verloren.
Betrachtet man den Einsatz der F-16 durch die ukrainischen Streitkräfte, fällt auf, dass die Piloten stets versuchen, die Nähe zur Frontlinie zu meiden: Das Risiko, von einem russischen Kampfflugzeug oder der Langstrecken-Luftverteidigung getroffen zu werden, ist dort sehr hoch. Doch selbst diese Vorsicht schützt nicht immer. Wie der Kommandeur des Luftabwehrbataillons, das das Flugzeug aus US-Fertigung abgeschossen hat, russischen Journalisten mitteilte, musste die F-16 hierfür in einen Hinterhalt gelockt und schließlich mit zwei gleichzeitig abgefeuerten Raketen beschossen werden. Details werden nicht veröffentlicht, aber einige Annahmen sind zulässig.
Zunächst einmal ist davon auszugehen, dass mit S-300 höchstwahrscheinlich eine der neuesten Versionen dieses Systems gemeint ist – etwa die S-300PM2. Diese verfügt über ein verbessertes Feuerleitsystem und verwendet 48N6DM-Raketen mit erhöhter Reichweite, die auch in der späteren S-400 zum Einsatz kommen. Das Leitsystem der neuesten Generation russischer Luftverteidigungssysteme ermöglicht einen “lautlosen” Betrieb mit abgeschalteten Radaren, da die Zielzuweisung von außen erfolgen kann.
Wie könnte das in unserem Fall ausgesehen haben?
Das eigene Radar eines großen Systems – der S-300 oder S-400 – zwingt Piloten gegnerischer Flugzeuge, Abstand zu halten, um nicht getroffen zu werden. Darüber hinaus ist das Radarsignal ein verräterisches Zeichen: Der Gegner könnte seinerseits selber eine Antiradarrakete auf das Radar abfeuern. Im Betrieb mit externer Zielzuweisung bleibt das eigene Zielsuch- und Verfolgungsradar des S-300, das 64N6E2, stumm: Das System bezieht stattdessen die notwendigen Daten von einem Frühwarnflugzeug oder auch einem Kampfflugzeug wie einer Mikojan-Gurewitsch MiG-31 oder Suchoi Su-35, das automatisch Daten über erfasste Ziele übermittelt. Befinden sich die Ziele weit genug von der Frontlinie entfernt, wähnen sich die Piloten möglicherweise sicher, da sie glauben, entweder außer Reichweite zu liegen oder zumindest genügend Zeit zum Ausweichen zu haben. Die plötzliche Aktivierung des denselben Zwecken wie das 64N6E2, zusätzlich aber auch als Feuerleitradar der Anstrahlung des Ziels und somit der Ziellenkung der Abfangraketen dienenden 30N6E2 in unmittelbarer Nähe, begleitet von einem nahezu zeitgleichen Raketenstart, ist ein Überraschungsfaktor – und dem Piloten bleibt dann möglicherweise wirklich nicht genügend Zeit zum Ausweichen.
Ist sich der Gegner dieser Taktik bereits bewusst? Natürlich, sonst würden wir nicht öffentlich darüber sprechen. Luftabwehr-Hinterhalte werden von unterschiedlichen Streitkräften weltweit schon seit dem Vietnamkrieg geübt. Doch wie jeder Hinterhalt – und Ursprünge dieser Taktik reichen bis zu paläolithischen Jägern oder noch länger zurück – sind sie bei richtiger Organisation immer noch effektiv. Und dem Ergebnis nach zu urteilen, wurde hier ja alles korrekt ausgeführt. Dies bestätigt einmal mehr die Fortschrittlichkeit der Luftverteidigung Russlands, die in diesem Krieg ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und ihre Weiterentwicklungsfähigkeit bewiesen hat, indem sie eine Vielzahl von Zielen – sogar volle GMLRS-Salven von HIMARS-Raketenwerfern – abgeschossen hat. Piloten der verbleibenden F-16 im ukrainischen Militär müssen daher noch vorsichtiger vorgehen – und noch weiter von der Front entfernt operieren.
Übersetzt aus dem Russischen.
“Starsche Eddy” (Wortspiel, zu Deutsch: “Älter als die Edda“) ist ein russischer Telegram-Kanal, auf dem Autoren kurze Kommentare und Analysen aus eigener Feder zu aktuellen militärischen und politischen Anlässen veröffentlichen und Kommentare Dritter nebst Nachrichten aus demselben Themenbereich reposten.
Dieser Kommentar von Starsche Eddy erschien exklusiv bei RT.
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