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Realisten wider Willen: Warum die "Koalition der Willigen" ins Wanken gerät

rtnews by rtnews
13/01/2026
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Auf den Britischen Inseln kippt der Ton: Führende Kommentatoren britischer Leitmedien warnen plötzlich vor der Entsendung europäischer Truppen in die Ukraine. Militärische Schwächen, fehlende Ressourcen und unkalkulierbare Risiken rücken in den Fokus – ein bemerkenswerter Bruch mit dem bisherigen Konsens.

Von Wladimir Kornilow

Auf den Britischen Inseln geschieht etwas Ungewöhnliches. Es scheint, als hätte sich während des Glockenspiels anlässlich des Jahreswechsels ein Schalter in Bewegung gesetzt, der den Ton der Diskussionen über die Entsendung europäischer Truppen in die Ukraine abrupt veränderte. Auf einmal erschienen in den britischen Mainstream-Zeitungen fast identische Artikel von führenden Experten. Diese erwiesen sich unerwartet als sehr vernünftig. Sie enthielten eine realistische Einschätzung der äußerst geringen Erfolgsaussichten der Armee Seiner Majestät, sollte das von Premierminister Keir Starmer und Präsident Emmanuel Macron in Paris vorgestellte Szenario tatsächlich umgesetzt werden.

Im Folgenden werden nur drei Beispiele solcher Veröffentlichungen (tatsächlich gibt es mehr) der namhaftesten Autoren aufgeführt.

7. Januar, The Times. Der renommierte Kreml-Experte Edward Lucas veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel “Leere Worthülsen über die Ukraine deuten auf den Zusammenbruch der NATO hin”. In seinem Kommentar zum Plan, britische Truppen in die Ukraine zu entsenden, schreibt der Autor: “Wir versprechen, Streitkräfte zu entsenden, die wir nicht haben, um einen Waffenstillstand zu gewährleisten, der noch nicht einmal in Kraft ist, nach einem Plan, der noch nicht einmal ausgearbeitet ist, genehmigt von einer Supermacht, die nicht mehr zu unseren Verbündeten gehört, um einen Gegner in Schach zu halten, der über einen viel größeren Willen verfügt als wir.”

Und dann folgt eine Frage, die im Mainstream-Diskurs bisher tabu war: “Was passiert, wenn ein russischer Drohnenangriff unsere Truppen trifft? Wie viele Menschen müssen getötet oder verletzt werden, bevor wir das Feuer erwidern?” Bislang wurden solche Fragen bei der Diskussion über diese verrückten Pläne der “Koalition der Willigen” nur von wenigen in Großbritannien gestellt – und diese wurden sofort als “Stimmen vom Rand” oder “Agenten des Kremls” abgestempelt.

8. Januar, Daily Mail. Der General a. D. und ehemalige stellvertretende Kommandeur der NATO-Streitkräfte in Europa, Richard Shirreff, veröffentlicht einen Artikel mit der Überschrift “Britische Truppen in der Ukraine? Die Wahrheit besteht jedoch darin, dass wir weder über die personellen Ressourcen noch über die nötigen Finanzmittel, die Ausrüstung oder den Willen verfügen”. Der Autor schreibt: “Wen will Keir Starmer damit täuschen? Sicherlich nicht Wladimir Putin. […] Ich gehe davon aus, dass diese leeren Versprechungen noch auf den Premierminister zurückfallen werden. Das ganze Vorhaben ist völlig unrealistisch.”

10. Januar, Daily Mail. Der berühmte britische Journalist und Fernsehmoderator Andrew Neil veröffentlicht einen umfangreichen Artikel über den Gesamtzustand der britischen Verteidigung, in dem er sich in deutlichen Worten gegen Keir Starmers Pläne ausspricht, britische Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Er schreibt: “Starmer übernimmt militärische Verpflichtungen, für deren Erfüllung Großbritannien weder über Personal noch über materiell-technische Mittel verfügt. Diese Woche hat er mit Präsident Macron vereinbart, britisch-französische Sicherheitskräfte in die Ukraine zu entsenden. […] Ist das ernst gemeint? Das Minimum, das Großbritannien entsenden müsste, um eine überzeugende Stärke zu demonstrieren, wäre eine Panzerbrigade mit etwa 5.000 Mann. Die reguläre britische Armee zählt etwas mehr als 71.000 Mann, aber nur etwa 25.000 davon sind einsatzfähig.”

An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass alle genannten Experten überzeugte Gegner Russlands sind. Vor nicht allzu langer Zeit unterstützten sie noch mit Nachdruck die Idee, europäische Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Richard Shirreff ist sogar Autor eines Buches darüber, wie die NATO Russland bereits 2017 hätte bekämpfen sollen. Im Frühjahr letzten Jahres erklärte er begeistert: “Starmer hat Recht: Wir müssen Soldaten in die Ukraine entsenden”. Andrew Neil vertrat eine sehr aggressive Haltung gegenüber Russland und bestand darauf: “Es ist an der Zeit, Putins Drohungen zu ignorieren […] und der Ukraine alles zu geben, was sie braucht.“

Und Edward Lucas war sozusagen einer der geistigen Väter der Idee zur Schaffung der “Koalition der Willigen”. In seinen Artikeln tauchte dieser Begriff zum ersten Mal im November 2024 auf, als er dazu aufrief: “Lasst uns Koalitionen bilden – Koalitionen der Willigen, der Fähigen und der Bedrohungsbewussten. […] Den Kern dieser Koalition könnten die Vereinigten Expeditionsstreitkräfte [Joint Expeditionary Force – JEF] bilden, ein von Großbritannien geführtes Bündnis aus zehn Ländern Nordeuropas und des Baltikums sowie den Niederlanden. Wir sollten es zu JEF+ ausbauen und Länder wie Polen, Tschechien und Rumänien einbeziehen.”

Zugleich war Lucas einer der Mitverfasser eines kollektiven Aufrufs zur Bildung einer solchen Koalition, um “unter britischer Führung stehende vereinte Expeditionsstreitkräfte” in die Ukraine zu entsenden. Diese Initiative markierte eigentlich den offiziellen Ausgangspunkt für die Bildung dieser Koalition: Genau diesen Aufruf griffen Starmer und Macron auf und setzten sich sofort dafür ein, Polen zur Teilnahme an dieser Mission zu bewegen. Mehr noch, der französische Präsident verschob im Dezember desselben Jahres sogar die Ernennung eines neuen französischen Premierministers, um persönlich nach Warschau zu fliegen und die Polen davon zu überzeugen, den Kern der Militärmission in der Ukraine zu bilden. Dies gelang ihm jedoch nicht.

Und plötzlich kritisiert der Autor dieser Idee sie, als hätte er nie etwas damit zu tun gehabt! Was könnte dahinterstecken? Man könnte vermuten, dass es kein Zufall war, dass die Veröffentlichung des Artikels von Edward Lucas in The Times mit seiner öffentlichen Erklärung zusammenfiel, wonach er nicht mehr für das Centre for European Policy Analysis (CEPA) tätig ist. Dieses Think-Tank wird von führenden westlichen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, Lockheed Martin, General Atomics und anderen finanziert. Dementsprechend stimmen die Positionen dieses Zentrums stets mit den Interessen seiner Geldgeber überein.

Gut, nehmen wir einmal an, dass die “Arbeitsstätte” von Experten wie Edward Lucas ihre Sicht auf aktuelle Ereignisse beeinflusst. Es geht hier jedoch um einen deutlichen Wandel im Diskurs britischer konservativer Politiker und der Medien insgesamt. Denn genau an dem Tag, an dem sein Artikel in The Times erschien, attackierte die Vorsitzende der oppositionellen Konservativen Partei, Kemi Badenoch, den Premierminister während einer Parlamentsdebatte und forderte ihn auf, über den mit Emmanuel Macron und Wladimir Selenskij vereinbarten Abenteuerplan Rede und Antwort zu stehen. Sie brachte Keir Starmer buchstäblich in Bedrängnis und erreichte, dass er sich verpflichtete, in Kürze konkrete Pläne für ein Militärkontingent vorzulegen und dafür die Zustimmung des Parlaments einzuholen.

Und noch einmal: Seit Keir Starmer vor einem Jahr erstmals seine Bereitschaft bekundete, britische Soldaten in die Ukraine zu entsenden, war es in der dortigen Politik praktisch tabu, über dieses Thema zu diskutieren. Genauer gesagt, das Thema wurde zwar mehrfach angesprochen, aber niemand bezweifelte diese Idee als solche, und vor allem stellte niemand die Frage nach den möglichen Folgen, einschließlich des Todes britischer Militärangehöriger.

Andrew Neil weist in dem oben genannten Artikel ganz klar darauf hin, warum die Briten dieses “Projekt” so ruhig akzeptiert haben: “Meiner Vermutung nach hat Starmer dem nur deshalb zugestimmt, weil er davon ausgeht, dass die Russen ohnehin schon unmissverständlich klargestellt haben, dass sie niemals NATO-Truppen auf ukrainischem Boden akzeptieren werden. Es wird also kein Friedensabkommen geben. Seine Zustimmung ist nur eine reine Augenwischerei.”

Aber die Unterzeichnung der “Pariser Deklaration” wurde von den britischen Konservativen offenbar als Alarmsignal gewertet: Starmer ist zu weit gegangen und hat sich von leeren Prahlereien zu bestimmten Verpflichtungen hinreißen lassen, von denen London später nicht mehr zurücktreten kann. Daraufhin versuchte der britische Premierminister, ebenso wie der französische Präsident, mit Schaum vor dem Mund zu beweisen, dass die Truppen der “Willigen” “tief im Hinterland”, also “weit entfernt von der Kontaktlinie”, stationiert sein würden.

Nun, nicht zufällig folgte unmittelbar nach diesen Worten ein “Oreschnik”-Schlag Russlands auf Lwow. Auf diese Weise wurde diesen “Abenteurern” deutlich vor Augen geführt, dass es für sie – bei Vorhandensein solcher Waffen – kein “tiefes Hinterland” mehr gibt. Das wird hoffentlich zusätzliche “Argumente” für die Autoren der Pläne der “Koalition der Willigen” liefern, die plötzlich zu Skeptikern beziehungsweise zu “Realisten wider Willen” geworden sind.

Übersetzt aus dem Russischen.

Der Artikel ist am 12. Januar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

Mehr zum Thema – Starmer und Trump vereinbaren Abschreckung Russlands im hohen Norden



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Tags: derdiegerätinsquotKoalitionRealistenWankenWarumwiderWillenWilligenquot
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