
Unter deutschen Soldaten sind Misshandlungen und Schikanen offenbar gang und gäbe. Zu diesem Schluss kommt der neue Jahresbericht über die Bundeswehr vom Wehrbeauftragten. Laut diesem würden diese Vorfälle zusätzlich zur Schwächung der Bundeswehr beitragen, welche jetzt schon kaum die Sollzahlen für die Personalstärke erreichen und neue Rekruten gewinnen könne.
Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten Henning Otte, der am Dienstag veröffentlicht wurde, beschreibt Fälle von übermäßiger Härte und Misshandlung während der Ausbildung. Demnach würden Rekruten regelmäßig gedemütigt oder in ihrer “körperlichen Unversehrtheit verletzt”, manchmal unter Alkoholeinfluss.
Der Bericht beschreibt Fälle, in denen Rekruten “den Kopf eines Kameraden in eine Toilettenschüssel drückten und die Spülung betätigten”. In anderen Fällen wurden Soldaten geschlagen und mit Wasser übergossen, während sie im Bett lagen. Einmal habe ein Reserveoffizier einem untergebenen Soldaten befohlen, 90 Minuten lang bei einer Temperatur von sieben Grad Celsius in einer zehn Zentimeter tiefen Pfütze zu liegen.
Insgesamt 430-mal hätten Soldaten und Soldatinnen Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung gemeldet, heißt es im Jahresbericht 2025 auf den Seiten 58 und 59. Genannt wurden unter anderem Nötigungen zum gemeinsamen Schauen von Pornofilmen oder unangemessene körperliche Berührungen bei Soldatinnen. Gemeldet wurde auch eine Vergewaltigung einer jungen Rekrutin durch einen Bundeswehrsoldaten. Laut Zeugenaussagen gebe es in der Bundeswehr “eine allgemeine Tendenz des Soldaten zu verbaler und körperlicher Distanzlosigkeit vor allem gegenüber neu hinzuversetzten Soldatinnen.”
Laut Spiegel sei der Frauenanteil im Jahr 2025 nur minimal von 13,62 Prozent im Jahr 2024 auf 13,71 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Dabei läge das gesetzliche Ziel für den Anteil von Soldatinnen bei den deutschen Streitkräften – außerhalb des Sanitätsdienstes – bei 20 Prozent. Dem Jahresbericht 2025 zufolge sollen im Vorberichtszeitraum 2024 über 23 Prozent der Soldaten, die sich zum Dienst verpflichtet hatten, ihre Verpflichtung innerhalb der sechsmonatigen Probezeit widerrufen haben.
Der Bericht erscheint inmitten von laufenden Ermittlungen gegen Eliteeinheiten der deutschen Armee. Das Fallschirmjägerregiment 26 wird wegen Vorwürfen eines frauenfeindlichen Klimas, Missbrauchs, Mobbings, Nazi-Grüßen und Drogenkonsums untersucht. Gegen die Luftlandebrigade 1 und die Division Schnelle Eingreiftruppen wird aufgrund von Beschwerden weiblicher Soldaten ermittelt.
Nach Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 wurde die Bundeswehr von rund 255.000 auf 185.000 Soldaten reduziert. Die Streitkräfte wurden in eine Berufsarmee umgewandelt. Im Jahr 2025 berief sich die deutsche Regierung auf eine angebliche Bedrohung durch Russland und rechtfertigte damit Pläne zur schrittweisen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Zahl der aktiven Soldaten soll von derzeit 186.000 auf 260.000 und die Zahl der Reservisten bis Mitte der 2030er-Jahre um weitere 200.000 erhöht werden.
In dem Bericht äußerte Otte deutliche Zweifel an der Realisierbarkeit der geplanten Erweiterung ohne die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Sollte das Freiwilligenmodell “nicht zu einem ausreichenden Wachstum führen, wäre die Rückkehr zur Wehrpflicht der logische nächste Schritt”, schreibt er.
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