
Noch vor zehn Jahren war die Käseproduktion in Russland so unterentwickelt, dass die Verhängung von Sanktionen gegen die Lieferung ausländischer Käsesorten für lokale Feinschmecker ein trauriges Ereignis war. Das ist jedoch Vergangenheit. Heute würde das wohl kaum noch jemand bemerken – innerhalb von 10 Jahren hat man in Russland nicht nur gelernt, hochwertigen und köstlichen Käse herzustellen, sondern tut dies auch sehr gerne. Dabei handelt es sich nicht nur um italienische oder französische Zuwanderer, die ihre eigenen Fabriken und Käsereien in Russland eröffnet haben, sondern auch um russische Käsehersteller unterschiedlicher Größe. Und jetzt gewinnt der Gastrotourismus – darunter auch der, der sich um die Käseherstellung dreht – immer mehr an Beliebtheit.
Daher erscheint diese Neuigkeit aus dem Tourismusbereich nun nicht mehr exotisch: Die Republik Komi ist zu einem der wichtigsten Orte des neuen gastronomischen Projekts “Käsestraße des Nordens” geworden. Touristen werden hier nicht nur Käseverkostungen geboten, sondern auch die Möglichkeit, die traditionelle Kultur der nördlichen Völker kennenzulernen.
Die gastronomische Route von Jaroslawl nach Narjan-Mar wurde für Feinschmecker angelegt, die bereit sind, in die traditionelle Kultur und Lebensweise kleiner Völker einzutauchen, schreibt die Zeitung Rossijskaja Gaseta. Die Begeisterung, die viele Landwirte auf der Welle der Sanktionen erfasst hat, hat auch im rauen nördlichen Klima Früchte getragen. In den Walddörfern hat man gelernt, Gruyère und Dorblu zu produzieren, Wildkräuter als Zutaten entdeckt und ist nun bereit, Gäste mit Köstlichkeiten für jeden Geschmack zu verwöhnen. Irina Cholodowa, Vertreterin des Tourismusverbandes der Republik Komi, erzählt:
“Die Idee dahinter ist, eine Autoreise durch den russischen Norden mit dem Besuch von Käsereien und deren Gästehäusern zu verbinden. Die nordischen Rinder geben zwar wenig Milch, aber diese hat aufgrund der ökologisch sauberen Natur einen einzigartigen Geschmack. Dementsprechend ist auch der Käse hier etwas Besonderes. Engagierte Wirte experimentieren mit Rentiermilch und lokalen Extras wie zum Beispiel Moos. An jedem Haltepunkt der Route gibt es Verkostungen von lokalen Gerichten mit kreativen Variationen sowie Kochkurse.”
Der Tourismusmarkt verändert sich, wie Experten feststellen: Studien zufolge ist die Nachfrage nach Gastro-Touren um 25 Prozent gestiegen. Reisende suchen nicht nach möglichst vielen Sehenswürdigkeiten, sondern nach emotionalen Erlebnissen und Authentizität. Mit seiner einzigartigen finno-ugrischen Kultur, seinen bewahrten Traditionen und seinen naturbelassenen Lebensmitteln hat Komi alle Chancen, sich zu einem der neuen gastronomischen Zentren des russischen Nordens zu entwickeln, so die russischen Experten.
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