
Wie die zum Springer-Konzern gehörende Tageszeitung Die Welt berichtet, hat der Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Ali Kazanci den Altjahresabend zumindest teilweise bei einer alternativen Silvesterfeier der streng religiösen Vahdet-Moschee verbracht. Dies sorgt nun sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den eigenen Parteikollegen für Kritik.
Da wegen des christlichen Hintergrundes des Festes (der heilige Silvester war einst ein römischer Papst) das Feiern von Silvester in strenggläubigen Kreisen als unislamisch gilt, gehen immer mehr Moscheen dazu über, am 31. Dezember die Eroberung Mekkas zu begehen – ohne dass ein sachlicher oder zeitlicher Grund zu diesem Datum bestehe. Der dahinterstehende Slogan lautet: “Ich feiere kein Silvester, weil ich Muslim bin.” oder auch: “Muslime feiern kein Neujahr.” Gerade prinzipiell integrationsbereite Jugendliche sollen so vom Silvester-Feiern abgehalten werden. Islam-Experten sprechen von einer Form der “islamistischen Kulturkampfrhetorik”.
Bei der Feier in der Vahdet-Moschee kam als weitere Problematik eine gewisse Hamas-Nähe hinzu. So fungierte als Hauptredner der islamische Theologe und Kolumnist Özkan Yaman, der in seinen Texten getötete Hamas-Mitglieder als Märtyrer gehuldigt haben soll. Yaman saß am selben VIP-Tisch wie der Bürgerschaftsabgeordnete Kazanci. Befremdlich ist auch der Bühnenauftritt kleiner Mädchen im Vorschulalter, die alle bereits schwarze Kopftücher trugen. Ein Junge sang ein Lied mit dem Titel “Karawane der Märtyrer” mit der Liedzeile “Wo es einen Kampf gibt, da sind auch wir/Auf dem Weg Allahs sind wir die Opfergaben.” Der Besuch Kazancis bei dieser Veranstaltung wird gerade auch von Personen mit Migrationshintergrund wie der junge-Welt-Journalistin Süheyla Kaplan angeprangert.
Kazancis Parteikollege, der frühere Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Kazim Abaci, übte auf der Plattform Facebook ebenfalls scharfe Kritik am Besuch Kazancis. Abaci schrieb empört (Schreibweise jeweils wie im Original): “Das hier ist weder Afghanistan, noch Syrien oder Saudi-Arabien. Es handelt sich um Europa – genauer gesagt Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands.” Es sei eine besorgniserregende, rückständige Veranstaltung gewesen, die da in der Vahdet-Moschee stattgefunden habe. Besonders problematisch sei, “dass eine Person, die sich als Sozialdemokrat bezeichnet und als Abgeordnete ins Hamburger Parlament gewählt wurde, an der Veranstaltung teilnimmt und sie unterstützt. Dies wirft erhebliche Fragen zur Verantwortung gegenüber demokratischen Werten auf”.
Der CDU-Politiker kurdischer Abstammung Ali Ertan Toprak zeigte seinen Abscheu vor der Moschee-Veranstaltung auf Facebook ebenfalls ganz deutlich. Auch ihm missfielen besonders die Kopftuch tragenden kleinen Mädchen:
“Während in Österreich das Kinderkopftuch verboten worden ist, feiert man am Silvesterabend in Hamburg die Eroberung von Mekka. Und ein SPD-Abgeordneter aus der Bürgerschaft nimmt daran teil. In einem Saal voller Männer in dem auf der Bühne kleine Mädchen mit Kopftuch auftreten. Das ist eine erfundene Feier. Man organisiert sowas, damit Muslime kein Silvester feiern. Oh, wie Wunder man feiert natürlich eine Eroberung. Was sonst?!”
Gegenüber der Welt rechtfertigte Kazanci seine Teilnahme an der Eroberungsfeier. Er sei nicht während der gesamten Veranstaltung anwesend gewesen; bei den Teilen der Veranstaltung, während denen er anwesend war, seien ihm keine problematischen Inhalte aufgefallen. Jede Form von Gewaltverherrlichung, Märtyrerkult oder Indoktrination, besonders wenn sie Kinder betreffe, lehne er ab. Er habe keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass Veranstaltungen mit dem Ziel organisiert würden, Muslime von Silvesterfeiern abzuhalten.
Ganz so streng wie die Vahdet-Gemeinde scheint es Kazanci persönlich jedenfalls nicht zu nehmen. Auf der Plattform Instagram hat er Impressionen vom Silvesterfeuerwerk in Hamburg-Wilhelmsburg gepostet. Kazanci schreibt dazu: !3 … 2 … 1 … 2026. Sehr schöne Aussicht aus Wilhelmsburg auf das Silvesterfeuerwerk am Jungfernstieg! Zusammen mit Familie und Nachbarn hatten wir den besten Platz.” Na dann: Prosit Neujahr!
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