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Grenzschließung zu Finnland stärkt Russlands Wirtschaft

rtnews by rtnews
19/03/2026
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In Finnland werden Polizeistationen großflächig geschlossen, und die Bevölkerung wandert aus den östlichen Regionen ab. Grund ist die weiterhin geschlossene Grenze für russische Touristen, wodurch ganze Regionen enorme Verluste erleiden. Doch es gibt auch Profiteure – in Russland, nicht in Finnland.

Von Stanislaw Leschtschenko

Der finnische Staat unternimmt Anstrengungen, um die Tourismusbranche des Landes wiederzubeleben, die aufgrund des Ausbleibens russischer Touristen am Absterben ist. Um den in Not geratenen Unternehmern zu helfen, hat Finnland die spezielle Organisation “Visit Finland” ins Leben gerufen. Sie ist das offizielle nationale Fremdenverkehrsamt Finnlands und gehört zur staatlichen Gesellschaft “Business Finland”.

Die Hauptaufgabe von “Visit Finland” besteht darin, Finnland als Reiseziel zu bewerben und lokale Reiseveranstalter bei der Entwicklung und Vermarktung ihrer Dienstleistungen zu unterstützen. Die Direktorin von “Visit Finland”, Kristiina Hietasaari, räumt ein, dass viele Regionen im Osten Finnlands derzeit wirtschaftlich in einer schwierigen Lage sind, da der Zustrom russischer Touristen “plötzlich versiegt” sei. Natürlich verschweigt sie, dass dieser Zustrom deshalb zum Erliegen gekommen ist, weil Finnland selbst die Grenze für russische Staatsbürger geschlossen hat.

“Visit Finland” startete in Europa insbesondere eine Kampagne zur Förderung der Region um den Saimaa-See, die einst bei russischen Touristen sehr beliebt war. Die Region wird als Ort der Ruhe, der unberührten Natur und der guten Küche beworben und bietet Urlaub in Ferienhäusern am Seeufer an. In der Praxis finden Touristen aus der EU jedoch selten den Weg zu diesen Ferienhäusern, und die US-Amerikaner bevorzugen ohnehin einen luxuriösen Urlaub in komfortablen Hotels. Branchenvertreter räumen ein, dass der Tourismus am Saimaa-See mit Ausflügen auf Dampfschiffen, Bootsfahrten und dem Aufenthalt in Ferienhäusern mit Sauna nur bei den Russen beliebt war.

Darüber hinaus ist ein neues Problem aufgetreten: die Saisonabhängigkeit. Der finnische staatliche Rundfunk Yle beklagt:

“Russische Touristen besuchten Finnland das ganze Jahr über, doch seit sie weggeblieben sind, beschränkt sich die Tourismussaison am Saimaa-See nur noch auf die Sommermonate.”

Finnische Experten versuchen, für die Möglichkeiten des Wintertourismus in Finnland zu werben. Die lokale Unternehmerin Katja Ahola, die mehrere Hotels und Geschäfte in Lappeenranta betreibt, rät:

“Auf dem Eis des Saimaa-Sees könnte man beispielsweise Eisfischwettbewerbe veranstalten. Im Zentrum von Lappeenranta könnte man einen öffentlichen Grillplatz errichten, wo die Leute Würstchen braten und heißen Saft trinken können. Auch das ist winterliche Exotik, die viele Menschen mit Finnland verbinden.”

Die Marketingagentur GoSaimaa erklärte, man wolle Touristen aus Deutschland mit Ausflügen, der örtlichen Sauna, dem Baden im Eisloch, Skifahren, Eislaufen und Schlittenfahren anlocken. Allerdings haben deutsche Reiseveranstalter im vergangenen Jahr die Charterflüge in das ostfinnische Savonlinna komplett gestrichen – aufgrund mangelnder Nachfrage nach Reisen in diese wenig bekannte Seenregion.

Insgesamt ist die Situation in der Region rund um den riesigen Saimaa-See (den viertgrößten Süßwassersee Europas) besonders aufschlussreich. Man kann nicht sagen, dass “Visit Finland”, das eine Marketingkampagne in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchführt, überhaupt nichts erreicht hätte – im vergangenen Jahr wurden in der Region Südsavo, zu der der Saimaa teilweise gehört, 84.000 Übernachtungen ausländischer Touristen verzeichnet. Doch diese Zahlen liegen weit hinter den Zahlen der “russischen Ferien in Finnland” zurück, als allein Savonlinna (eine der Städte in Südsavo) jährlich von rund 140.000 Russen besucht wurde.

Auch die Region Südkarelien leidet unter dem Ausbleiben der Russen: Dort wurden im Jahr 2025 weniger als 41.000 Übernachtungen ausländischer Touristen verzeichnet – fast sechsmal weniger als im Jahr 2019, als allein diese Region von mehr als 230.000 Gästen besucht wurde, hauptsächlich aus der Russischen Föderation. Pawel Kusnezow, der Leiter der russischen diplomatischen Vertretung in Helsinki, betont:

“Südkarelien verliert nach Schätzungen von Experten täglich etwa eine Million Euro, weil es den russischen Tourismus verloren hat.”

Dementsprechend sind die Tourismuseinnahmen dieser Region, die früher eine Partnerregion von Sankt Petersburg war, um ein Vielfaches zurückgegangen.

Der Chefredakteur der Zeitung Gazeta.fi, Wladimir Gussatinski, beschrieb bereits im vergangenen Herbst seine Eindrücke von einem Besuch in Imatra, der zweitgrößten Stadt der finnischen Provinz Südkarelien, wie folgt:

“Die Region befindet sich in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der Mangel an russischen Touristen schlägt sich in Personalabbau bei den Einzelhandelsunternehmen nieder. Meine Verwandten leben dort dauerhaft. Ihrer Meinung nach gab es so etwas nicht einmal während der Krise im Jahr 1990.”

Wenn ausländische Touristen derzeit nach Finnland kommen, entscheiden sie sich meist entweder für Lappland, auf das 61 Prozent aller Übernachtungen entfallen, oder für die Hauptstadt Helsinki (27 Prozent). Die übrigen finnischen Regionen können den wohlhabenden westlichen Touristen nichts wirklich Interessantes bieten – Liebhaber des Wintertourismus fühlen sich weitaus stärker von der Schweiz oder Kanada angezogen. Auch die Finnen selbst bevorzugen es mehrheitlich, ihren Urlaub in anderen Ländern zu verbringen. Der lukrativste und stabilste Touristenstrom nach Finnland kam aus Russland, doch die Finnen haben ihn abgeschnitten.

Vom Schließen bedroht ist der internationale Flughafen der Stadt Lappeenranta, einst der fünftgrößte in Finnland gemessen am Passagieraufkommen – diesem Luftverkehrsknotenpunkt setzt die Einstellung des Passagierverkehrs aus Sankt Petersburg nun den Todesstoß. Im Jahr 2026 wird der Flughafen nur noch vier Flüge abfertigen.

Vor kurzem erteilten die Behörden von Lappeenranta die Genehmigung für den Abriss des Gartencenters “Plantagen” im Erholungspark Myllymäki. Ohne Touristen aus Sankt Petersburg ging das Unternehmen Plantagen in Konkurs: Seine Verkaufshalle steht verlassen da und verfällt. Zudem stehen in Myllymäki die Räumlichkeiten des Sportgeschäfts “XXL”, das im vergangenen Jahr geschlossen wurde, sowie etwa ein Viertel der Räumlichkeiten des Einkaufszentrums “Family Center” leer. Nach der kürzlich verkündeten Insolvenz der Indoor Group werden auch die ihr gehörenden Hypermärkte “Asko” und “Sotka” geschlossen. Der lokale Unternehmer Mohammad Darvich beklagt:

“Myllymäki wurde in den goldenen Jahren erbaut. Jetzt gibt es keine Touristen mehr. Die Kaufkraft der Finnen hat nachgelassen.”

Er sei gezwungen, die Fläche seines Einkaufszentrums “Grande” zu verkleinern. Der Rundfunk Yle, der diese bittere Situation beschreibt, merkt an, dass hier nur eine baldige Öffnung der Grenze zu Russland helfen könne.

Insgesamt hat die finnische Tourismusbranche Schätzungen zufolge rund eine Milliarde Euro pro Jahr verloren. Denn sie hat nicht nur auf die Russen, sondern auch auf Touristen aus Asien verzichten müssen, da die Grenzschließungen und Sanktionen Reisen nach Finnland aus China und Japan erheblich erschwert haben.

Zusammen mit den Touristen verlassen auch Einheimische den Osten Finnlands. Vor diesem Hintergrund wirkt eine der jüngsten Meldungen besonders bezeichnend: Die finnische Polizei plant, mehr als 20 Polizeistationen im ganzen Land zu schließen. Dies hängt mit der Abwanderung der Bevölkerung zusammen – die Einwohner verlassen massenhaft die südöstlichen Grenzregionen, die nach dem Abbruch der Beziehungen zu Russland völlig verfallen sind.

Wer jedoch von dieser Situation profitiert hat, ist das russische Karelien. Viele Städte der Region, wie zum Beispiel Sortawala, ähneln stark ihren finnischen Pendants. Deshalb begeben sich Reisende, die die besondere Atmosphäre Nordeuropas erleben möchten, nach Ladoga-Karelien.

Der russische Teil Kareliens erlebt einen Tourismusboom. Da die Möglichkeit, einfach nach Finnland zu reisen, wegfiel, haben sich die Russen aktiv auf inländische Alternativen umorientiert. Karelien wurde zu einem der Hauptnutznießer dieses Trends. Nach Angaben der Behörden der russischen Teilrepublik stieg der Touristenstrom nach Karelien im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um etwa 40 bis 49 Prozent. Von Januar bis November 2025 besuchten fast 1,4 Millionen Menschen die Region. Dabei betrug das Wachstum im ersten Halbjahr 2025 fast 50 Prozent.

Heute gehört Karelien stabil zu den Top-10-Reisezielen Russlands. Für das Jahr 2026 prognostizieren die Behörden ein weiteres Wachstum auf 1,8 Millionen Touristen, und bis 2030 haben sie sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, drei Millionen Menschen pro Jahr anzulocken.

Ein solch rasantes Wachstum bringt jedoch auch Probleme mit sich. Die Preise für Urlaubsreisen nach Karelien sind deutlich gestiegen (die durchschnittlichen Reisekosten sind um 20 bis 30 Prozent angestiegen, und eine einwöchige Reise kann pro Person bis zu 100.000 Rubel, etwa 1.000 Euro, kosten). Dies wirft die Frage nach der Entwicklung eines erschwinglicheren, preisgünstigeren Tourismussegments auf. Insgesamt lässt sich jedoch feststellen, dass die Schließung der Grenzen Finnlands für Russen zu einem starken Katalysator für die Entwicklung des Inlandstourismus geworden ist. Die Mittel, die die Russen früher in Finnland ausgegeben haben, bleiben nun in Russland und kommen der Wirtschaft des Landes zugute.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 16. März 2026 auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Stanislaw Leschtschenko ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

Mehr zum Thema – NATO bereitet einen baltisch-skandinavischen Schlag gegen Russland vor



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Tags: FinnlandGrenzschließungRusslandsstärktwirtschaft
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