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Genozid-Forschung in Russland: "Für uns gibt es keine zweitrangigen Opfer des Nazismus"

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22/02/2026
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Russland stellt sich der Hierarchisierung der Nazismus-Opfer mit einem wissenschaftlichen Aufklärungsprojekt entgegen. Die Weichen dafür stellte eine hochkarätig besetzte Sitzung der Militärhistorischen Gesellschaft in Moskau.

Das Gedenken an den Völkermord an den Sowjetbürgern während des Zweiten Weltkriegs spielt eine immer wichtigere Rolle in Russland. Ende Dezember vergangenen Jahres hatte der russische Präsident Putin ein Dekret unterzeichnet, das den 19. April zum Gedenktag für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords erklärt. Er wird dieses Jahr zum ersten Mal begangen werden – dem Jahr, in dem sich auch der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 85. Mal jährt. In der Hauptstadt Moskau soll zudem noch dieses Jahr ein Museum entstehen, das das Andenken an die damals ermordeten Sowjetbürger bewahrt.

Insgesamt fielen dem deutschen Vernichtungskrieg zwischen 1941 und 1945 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer. Bei der Mehrzahl von ihnen handelte es sich um Zivilisten und Kriegsgefangene. Bereits in der Planungsphase von “Unternehmen Barbarossa” hatten die NS-Führung sowie die Befehlshaber ein rücksichtsloses Vorgehen gegenüber Gefangenen und Zivilisten beschlossen. Der von Reichsminister Herbert Backe ausgearbeitete Hungerplan brachte Millionen Menschen in der Sowjetunion den Hungertod.

Am 18. Februar fand ein Runder Tisch der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft (RVIO) zu diesem Thema statt. Die Veranstaltung trug den Titel “Der Völkermord am sowjetischen Volk und der Holocaust: eine konfliktfreie Gedenkpolitik”. Die Sitzung war hochkarätig besetzt: Als Moderator fungierte der Leiter der Kommission zur Erforschung von Völkermorden und Kriegsverbrechen und Herausgeber des Formats “Digitale Geschichte” Jegor Jakowlew. Neben weiteren hohen Funktionären des RVIO und bekannten Militärhistorikern nahm die Sprecherin des Außenministeriums der Russischen Föderation, Maria Sacharowa, teil.

Ein zentraler Gesichtspunkt der Veranstaltung war die Würdigung aller sowjetischen Opfer des Nazismus, sowohl der jüdischen als auch der nichtjüdischen. Jakowlew stellte als Leiter der Sitzung fünf Prinzipien einer künftigen Geschichtspolitik vor. Die RVIO fordert gegenseitigen Respekt für beide Tragödien sowie eine klare Benennung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Eine Hierarchisierung der Opfer des Nazismus sei inakzeptabel. Viertens müssten respektvolle wissenschaftliche Diskussionen das historische Bild der Völkermorde an Juden und Nichtjuden präzisieren. Der fünfte Punkt richtet sich in die Zukunft: Gemeinsames Ziel aller Bemühungen müsse es sein, künftig Völkermorde und ethnische Säuberungen zu verhindern.

Diesem Anliegen stimmte Maria Sacharowa zu. Man solle aller Opfer der nazistischen Vernichtungskriege gedenken. Notwendig sei, das historische Gedächtnis zu bewahren, ohne die Opfer in Gruppen einzuteilen. Sie betonte, dass die Beschäftigung mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs die Menschen verbinden, nicht trennen solle. Die Sprecherin des Außenministeriums verurteilte den Abriss von Denkmälern für sowjetische Soldaten in einer Reihe von Ländern und prangerte die Haltung dieser Staaten als geschichtsvergessen an. In der heutigen Ukraine könne man derzeit die Fortsetzung der völkermörderischen Politik der Nazis sehen.

Jegor Jakowlew hob die enge historische Verknüpfung zwischen der Vernichtung der Juden und dem Völkermord an den Sowjetbürgern hervor:

“Obwohl der Völkermord am sowjetischen Volk und der Holocaust keine identischen Programme sind, bei denen das eine auf das andere übertragen werden könnte, sind sie dennoch eng miteinander verbunden und ein wichtiger Teil des Gedenkens an die nazistischen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs. Und sie sollten auf keinen Fall miteinander konkurrieren. Für uns gibt es keine zweitrangigen Opfer des Nationalsozialismus. Alle Opfer sind gleichwertig, wir erinnern uns an sie und trauern um sie.”

Jakowlew wies auch auf Unterschiede hin: Während es den Nationalsozialisten um die vollständige Vernichtung der Juden gegangen sei, hätten sie vorgehabt, einen Teil der Sowjetbevölkerung für die Sklavenarbeit am Leben zu lassen.

Die Sitzungsteilnehmer beschäftigten sich auch mit neuen Dokumenten zur Auslöschung durch Hunger, die das NS-Besatzungsregime über mehrere Opfergruppen verhängte: sowohl über die in Ghettos gefangengehaltenen Juden als auch über die übrige Bevölkerung der besetzten Sowjetunion, die nach den Plänen der Nazis um 30 Millionen Menschen reduziert werden sollte.

Die Gruppe beschloss, eine internationale wissenschaftliche Konferenz zum Thema “Völkermorde in der Weltgeschichte” zu veranstalten und einen Band mit Dokumenten zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee herauszugeben. Eine geschichtliche Tatsache, die der Westen in den vergangenen Jahren in den Hintergrund gedrängt oder gar verfälscht hat.

Mehr zum Thema – Weißrussland klagt einen Toten an



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Tags: desGenozidForschunggibtkeineNazismusquotOpferquotFürrusslandunszweitrangigen
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