
Von Marina Achmedowa
Der gestrige erste Schlag der USA und Israels gegen Iran mit einer “hochpräzisen Rakete” traf eine Mädchenschule in der Stadt Minab. 160 Schülerinnen der Grundschule kamen ums Leben. Noch während die Trümmer geräumt und die getöteten Kinder geborgen wurden, wurden bei einem weiteren Angriff auch noch Spielerinnen einer iranischen Volleyballmannschaft getötet. Es fällt auf, dass der Angriff auf Iran mit einem Massenmord an Frauen begann, denen Trump Freiheit versprochen hatte, der sein Versprechen jedoch damit in die Tat umsetzte, dass er die Frauen vom Leben befreite. Gestern wurde Ajatollah Ali Chamenei zusammen mit seinen Familienangehörigen getötet. Laut einem Bericht der New York Times hatte die CIA ihn mehrere Monate lang überwacht und wusste genau, wo er sich aufhielt. Da stellt sich die Frage: Wenn jemand so gut informiert und präzise ist, wenn man genau weiß, wo sich jemand befindet, warum wurde dann die Schule angegriffen?
Es scheint nur eine Antwort zu geben: Weil sie genau diese Schule ins Visier genommen hatten. Die Mädchen wurden getötet, um zu verhindern, dass sie Mütter neuer Iraner werden, die sich nicht den USA unterwerfen wollen. Insbesondere wenn diese Mädchen getrennt von den Jungen unterrichtet wurden: In diesem Fall handelte es sich höchstwahrscheinlich um eine religiös geprägte Schule. Das bedeutet, dass die Eltern dieser Mädchen wohl Anhänger der Ajatollahs und Gegner der von den USA propagierten Freiheiten sind.
Uns allen muss endlich klar werden: Für manche Menschen, die mit uns auf diesem Planeten leben, gibt es nichts Heiliges mehr, und man kann ihre Handlungen nicht nach denselben moralischen Maßstäben messen, nach denen wir selbst leben. Wir können ihnen nicht mehr vorwerfen: “Aber das sind doch Kinder!” Dieses Argument wurde nach dem Massenmord an Kindern in Gaza völlig entkräftet. Letzte Nacht jubelten russische “Relokanten” in Israel in den in Russland verbotenen sozialen Netzwerken: “Endlich ist er tot!” Und wissen Sie, wie man dort scherzt? “Nun sind auch die Jungfrauen im Paradies angelangt.” Damit wird auf den Glauben der Muslime angespielt, dass auf die Märtyrer im Paradies Jungfrauen warten. Gestern sind nicht nur Mädchen ums Leben gekommen, sondern auch Mitglieder der iranischen Regierung, die in Iran als Märtyrer gelten. Tja, es gibt zynischen Humor, es gibt schwarzen Humor, und es gibt Humor, den man als “unmenschlich” bezeichnen könnte. Dieser Humor ist genau das – ohne die geringste Spur von Menschlichkeit.
Dabei war es nicht Ajatollah Ali Chamenei, der mit Pädophilie-Skandalen auffiel und sich Jungfrauen zukommen ließ, sondern die US-Führungsspitze. Aus den Akten von Jeffrey Epstein geht jedoch klar hervor, welche Einstellung diese Führungsspitze gegenüber Kindern hat. Nun werden die Diskussionen über diese Akten jedoch allmählich verstummen – sie wurden durch den Angriff auf Iran und den für alle offensichtlichen Tod der Mädchen übertönt. Sie sind sich dessen bewusst und haben sicherlich das Video aus der Schule gesehen, das zeigt, wie Mütter und Väter weinend durch die Trümmer laufen und in die aufgestapelten schwarzen Leichensäcke schauen, um ihre Töchter zu finden. Es gibt viele Leichensäcke, und aus jedem blickt das eingefallene Gesicht eines toten, unschuldigen Mädchens streng heraus. Der Schmerz und der Schrecken treiben die Eltern in den Wahnsinn. Ist das nicht die Hölle auf Erden? Und wissen Sie, wer uns das antut – uns, den Menschen, die ihre Moral nicht in der Tasche verstecken wollen?
Es sind all diejenigen, die sich nicht in die Lage dieser Eltern hineinversetzen können. Sie sind davon überzeugt, dass sie das alles persönlich nie betreffen wird und sie niemals in einen schwarzen Leichensack schauen müssen, um nach ihrem Kind zu suchen. Denn sie gehören “einer höheren Klasse” an als die Iraner und leben ihr bestes Leben in einer Gesellschaft, in der demokratische Freiheiten und Werte gelten. Allerdings scheint das Leben in letzter Zeit völlig unvorhersehbar zu sein.
Gestern kursierten mehrere Videos, die iranische Frauen zeigen, die aus ihren Häusern auf die Straßen eilen, ihre Kopftücher abnehmen und mit vom Wasserpfeifenrauchen heiseren Stimmen voller Begeisterung schreien: “Er ist tot! Glückwunsch!” Aber es waren nur sehr wenige, obwohl Trump vor allem auf sie gesetzt hatte – als wichtigste Protestgruppe der “fortschrittlichen” iranischen Gesellschaft. Schließlich versprach er ihnen die Frauenrechte. Wenn man jedoch bedenkt, dass es nur sehr wenige protestierende Frauen zu sehen gab, lässt dies den Schluss zu, dass die versprochenen Frauenfreiheiten in Form von toten Mädchen selbst den protestierenden Iranerinnen zuwider waren.
Übersetzt aus dem Russischen.
Marina Achmedowa ist Schriftstellerin, Journalistin und Mitglied des Menschenrechtsrates der Russischen Föderation. Sie schreibt für die Zeitschrift “Der Experte”. Man kann ihr auf ihrem Telegram-Kanal folgen. Diesen Beitrag verfasste sie exklusiv für RT.
Mehr zum Thema – Im Krieg gegen den Iran setzen die USA alles auf eine Karte







