
Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Wie der Deutsche Bundestag mitteilte, starb sie am Sonntag im Alter von 88 Jahren.
Die am 17. Februar 1937 in Wuppertal geborene CDU-Politikerin stand von 1988 bis 1998 dem Parlament der BRD und später des wiedervereinigten Deutschlands vor. Zuvor war sie ab 1985 Ministerin für Familie, Gesundheit und Jugend im zweiten Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl. Süssmuth setzte sich stark für eine Frauenquote und die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe ein. Als Abgeordnete des Bundestages diente sie von 1987 bis 2002.
Im September 1989 zählte sie gemeinsam mit Lothar Späth und Heiner Geißler zu der innerparteilichen Gruppierung, die beim CDU-Parteitag in Bremen eine Kandidatur gegen den CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl erwog. Im Dezember 1989 trat Süssmuth für eine gemeinsame Erklärung beider deutscher Staaten zur Anerkennung der polnischen Westgrenze ein.
Nach dem Ausscheiden aus der Politik engagierte sich die promovierte Philologin (Schwerpunkt Französisch-Studien) gesellschaftlich in zahlreichen Vereinen und Organisationen, auch auf internationaler Ebene. Während der sogenannten “Corona-Krise” sprach sie sich für eine Politik mit Augenmaß aus und appellierte, keine “Angst vor dem Gefährlichen” zu schüren. Sie berief sich dabei auf ihre Erfahrungen als Gesundheitsministerin und sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im März 2021:
“Aufgrund meiner damaligen und heutigen Erfahrungen ist meine Empfehlung an die jetzt Verantwortlichen: Denkt stets daran, Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, ihnen Fähigkeiten und Engagement zuzumuten und zuzutrauen. Schürt nicht Angst vor dem Gefährlichen, sondern stärkt das individuelle Selbstvertrauen und Eigenverantwortung.”
Gleichzeitig gab sie bekannt, selbst gegen COVID-19 geimpft zu sein. Die Maskenaffäre bezeichnete sie als mit der Parteispendenaffäre der Kohl-Ära vergleichbaren Vertrauensbruch.
Von diesen herausstechenden Aussagen abgesehen, war für Süssmuth in der Amtsführung wie im Privatleben stets ein fast schon präsidiales Gebaren typisch, mit dem sie öffentlich wenig “aneckte”. In der offiziellen Verlautbarung des Deutschen Bundestages werden Süssmuths Engagement gegen AIDS, das als “bahnbrechend” bezeichnet wird, sowie ihre Mitwirkung an der “Gestaltung der deutschen Einheit” hervorgehoben.
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