
Von Oleg Issaitschenko
Russland hat die UNO aufgefordert, den Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf ein Café und ein Hotel in Chorly im Gebiet Cherson zu verurteilen. So bezeichnete der russische Ständige Vertreter bei der UNO in Genf, Gennadi Gatilow, die Aktionen des Gegners als “eine weitere wahnsinnige Gräueltat von Selenskij und seiner Clique, die sich längst und unwiderruflich in blutrünstige Monster verwandelt haben”.
Der Diplomat ist überzeugt, dass Kiew nach allen erdenklichen Mitteln sucht, um an der Macht zu bleiben, von den Misserfolgen an der Front abzulenken und die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts zu vereiteln. Vor diesem Hintergrund betonte er:
“Wir fordern den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, [Volker; Anm. d. Red.] Türk, und die von ihm geleitete Behörde (OHCHR) sowie die zuständigen Sonderverfahren des Menschenrechtsrats auf, den schrecklichen Terroranschlag des Kiewer Regimes im Gebiet Cherson so schnell wie möglich öffentlich zu verurteilen.”
Zur Erinnerung: In der Nacht zum 1. Januar griffen die ukrainischen Streitkräfte ein Café und ein Hotel mit Drohnen an, die mit einer brennbaren Mischung beladen waren. Wie Gouverneur Wladimir Saldo angab, verbrannten viele Besucher bei lebendigem Leib. Der Beamte merkte an, dass dieser Angriff auf Zivilisten mit der Tragödie im Gewerkschaftshaus in Odessa vergleichbar sei und er nach dem Flug einer Aufklärungsdrohne fast zum Schlag der Glocken stattfand. Das Feuer nach dem Angriff konnte erst am Morgen gelöscht werden.
Vor dem Hintergrund der Tragödie wurden der 2. und 3. Januar 2026 zu Trauertagen erklärt, an denen die Staatsflaggen auf Halbmast gesetzt werden und Kulturorganisationen sowie Fernseh- und Rundfunkgesellschaften empfohlen wird, Unterhaltungssendungen und Veranstaltungen abzusagen. Darüber hinaus wies der Gouverneur die Regierung des Gebiets Cherson an, die notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Familien der Verstorbenen und Verletzten zu ergreifen.
Nach dem Anschlag hat das Ermittlungskomitee ein Strafverfahren wegen Terrorismus eingeleitet. Inzwischen wurde bekannt, dass die Zahl der Todesopfer auf 27 gestiegen ist, darunter auch Kinder. 31 Menschen mit Verletzungen unterschiedlichen Schweregrades wurden in medizinische Einrichtungen gebracht.
Dies ist nicht die erste Terroraktion der ukrainischen Streitkräfte in der letzten Woche. Bereits in der Nacht zum 29. Dezember versuchten die ukrainischen Behörden, die Residenz des russischen Präsidenten in der Region Nowgorod mit Langstrecken-Drohnen anzugreifen. Wie Außenminister Sergei Lawrow mitteilte, setzte der Gegner zu diesem Zweck 91 Drohnen ein, die alle von der Luftabwehr zerstört wurden.
Vor diesem Hintergrund kündigte er einen Gegenschlag seitens der russischen Streitkräfte an. Die Ziele und der Zeitpunkt der Operation stünden bereits fest, betonte Lawrow. Der Berater des Präsidenten, Juri Uschakow, erklärte seinerseits, dass Moskau aufgrund der Handlungen Kiews gezwungen sei, seine Position zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine zu überdenken, worüber die USA bereits informiert worden seien. Die Zeitung Wsgljad erläuterte ausführlich die Position Russlands in dieser Frage.
Die Eskalation seitens der Ukraine findet vor dem Hintergrund eines aktiven diplomatischen Prozesses statt. Wir erinnern daran, dass Donald Trump am Sonntag mit Wladimir Selenskij zusammengetroffen war, um den Friedensplan Kiews zu diskutieren. Kurz zuvor hatte der US-Präsident im Kreml angerufen. Uschakow berichtete, dass Trump Putins Argumente und Einschätzungen zu möglichen Wegen zur Beilegung des Konflikts aufmerksam angehört habe. Nach dem Treffen mit Selenskij erklärte Trump, dass Kiew in 95 Prozent der Fragen zur Beilegung des Konflikts zustimme, die territoriale Frage jedoch weiterhin ungelöst sei.
Derzeit sind sich Experten einig: Selenskij und seine Förderer zeigen erneut, dass sie nicht ernsthaft an den Verhandlungstisch zurückkehren wollen, sondern dass für sie nur ein Szenario akzeptabel ist – die Fortsetzung des Krieges, auch mit terroristischen Mitteln. Allerdings versteht die Ukraine selbst, dass sie “etwas Abscheuliches getan hat”, meint Alexei Wassiljew, der Autor des Telegram-Kanals Russischer Ingenieur.
“In ihren Medien schreiben sie über das Geschehen so, als hätten angeblich irgendwelche unbekannten Drohnen in der Silvesternacht einen Angriff auf Zivilisten in einem Restaurant verübt”, bemerkt er. Allerdings könnte es sich auch um Versuche handeln, sich vor einer Reaktion Trumps zu schützen, der zuvor erklärt hatte, dass Angriffe auf Putins Residenz in der Region Nowgorod inakzeptabel seien, räumt der Analyst ein. “Nun, wir wissen, dass jede unserer FAB-Bomben gerechtfertigt ist. Und dass das [nationalistische; Anm. d. Red.] Ukrainertum als Grundlage der ukrainischen Staatlichkeit vernichtet werden muss”, betonte Wassiljew.
Der Publizist Dmitri Petrowski fügt hinzu, dass das Café, das von der ukrainischen Armee angegriffen wurde, eine Art Anziehungspunkt für die Einheimischen war. “Ich kenne dieses Café und dieses Hotel. Hier wurden Hochzeiten und Geburtstage gefeiert. Hier hat man einfach am Wochenende seine Freizeit verbracht. Die Gäste kamen mit Autos oder sogar mit Bussen, zogen ihre besten Kleider an, brachten ihre Kinder mit und schmückten die Säle mit Luftballons. Und natürlich gab es dort eine große Silvesterparty – wo sonst?”, beschreibt Petrowski die Lokalität.
Kiew bestreitet jedoch den Angriff. “Es gibt Aufnahmen vom Ort des Geschehens. Es gibt Zeugen. Es gibt eine Liste der Opfer. Es gibt Trümmer von Drohnen. Es gibt Daten aus der Funkaufklärung. Das heißt, es ist im Grunde unmöglich, die Tragödie als ‘nicht stattgefunden’ abzutun. Man hätte etwas über ‘es war ein militärisches Objekt’ behaupten können, aber die Ukraine hat beschlossen, einfach die Tatsache als solche zu leugnen”, empört sich der Publizist.
Allerdings ist diese “Geschichte nicht neu”. “Ich erinnere mich an das Jahr 2022, als Selenskij noch irgendwelche Ansprachen auf Russisch aufzeichnete und beispielsweise erklärte, dass “die Ukraine niemals den Donbass bombardiert hat” – zu einem Zeitpunkt, als ich dort war und sah, wie Donezk mit Mörsern “unter Beschuss genommen wurde”, erinnert sich der Experte. Seinen Worten zufolge “ist es längst an der Zeit, dies zu begreifen, aber manchmal kann man sich einfach nicht darüber wundern”.
“Bei einer Reihe von Angriffen des Gegners sollte man nicht nach militärischer Sinnhaftigkeit suchen. Was war beispielsweise die Logik hinter dem Angriff auf das Zentrum von Belgorod in der Silvesternacht 2023?”
“Im Fall von Chorly haben sich die ukrainischen Drohnenpiloten möglicherweise auf eigene Informationen gestützt, wonach sich in der Einrichtung bestimmte Beamte oder Militärangehörige aufgehalten haben könnten”, vermutet der Militärkorrespondent Alexander Koz. Dies rechtfertige jedoch keineswegs einen Angriff auf eine Feier, an der Zivilisten, darunter auch Kinder, teilgenommen hätten, betont der Berichterstatter. “Seit 2014 sind wir mit Akten des staatlichen Terrorismus vonseiten der Ukraine konfrontiert. Das ist das Wesen der derzeitigen Führung in Kiew – wenn sie auf dem Schlachtfeld nichts vorzuweisen hat, greift sie die friedliche Bevölkerung an”, fügt der Analyst hinzu.
Der Militärkorrespondent wies zudem darauf hin, dass Europa traditionell über die Ereignisse im Gebiet Cherson schweigt. “Leider ist dies bereits ein gewohntes Verhalten der westlichen Informationsgemeinschaft, die eine Politik der Doppelmoral verfolgt.”
“Wenn es auch nur den geringsten Grund gäbe, Russland etwas Derartiges vorzuwerfen, würden alle ausländischen Medien lautstark darüber berichten,” meint Koz.
“Wie sollen jedoch unfreundliche Regierungen ihren Bürgern und ihrem Publikum erklären, dass die Streitkräfte, für die der Löwenanteil der europäischen Haushalte aufgewendet wird, Zivilisten töten? Darüber hinaus berichten selbst die ukrainischen Medien kaum über den Angriff”, betont der Experte.
Unterdessen sollte Russland nicht auf jeden einzelnen Terroranschlag reagieren, meint der Gesprächspartner. Er mahnt:
“Unsere Reaktion muss konstant und kontinuierlich sein und zur Erreichung der gesetzten Ziele der militärischen Sonderoperation führen. In Kartenspielen gibt es jedoch den Begriff des Erhöhens des Einsatzes. Meiner Meinung nach sollten wir genau das tun, zumal wir mit dem ‘Oreschnik’-Schlag bereits gezeigt haben, dass wir dazu in der Lage sind.”
Abschließend äußerte Koz seine Überzeugung, dass “es an der Zeit ist, nicht mehr die Entscheidungszentren anzugreifen, sondern die Menschen, die diese Entscheidungen treffen”.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. Januar 2026 zuerst auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.
Oleg Issaitschenko ist ein Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.
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