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Die falsche Frage: Warum tun Peking und Moskau nichts, um Trump in Venezuela zu stoppen?

rtnews by rtnews
10/01/2026
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Ist in Washington der Wahnsinn ausgebrochen? Viele stellen sich diese oder ähnliche Fragen, vor allem aber: Warum greift China nicht in Venezuela ein, wo es doch Investitionen von zig Milliarden Dollar in die venezolanische Infrastruktur und Ölindustrie gesteckt hat?

Von Rainer Rupp

Die Welt schaute voller Unverständnis zu, wie am 3. Januar US-Spezialkräfte in Caracas einfielen und in einer Kommando-Operation den gewählten Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, und seine Frau in deren eigener Wohnung überfielen, kidnappten und nach New York verschleppten, wo sie beide unter nachweislich falschen Anschuldigungen ins Gefängnis steckten. Tage später droht dieselbe US-Regierung offen mit militärischen Optionen zur Annexion Grönlands und rasselte mit dem Säbel gegen das seit Ende Dezember von Protesten erschütterte Iran, wobei Washington mit Schaum vor dem Mund dem religiösen und politischen Oberhaupt Irans sogar mit der Ermordung drohte.

Warum tut Peking mit all seinen großen Investitionen in Venezuela nichts, um die Amerikaner dort zu stoppen? Das ist derzeit ein viel diskutiertes Thema unter Unterstützern Venezuelas. Die meisten Menschen erklären das mit einer – allerdings nur auf den ersten Blick – plausiblen Antwort: China will wegen der Verteidigung seiner Interessen in Venezuela keinen Atomkrieg mit den USA riskieren. Andere wiederum behaupten, China habe ganz einfach Angst vor einer Konfrontation mit den USA, die Peking verlieren würde. In der Tat fühlen sich viele durch Pekings Verhalten in der Venezuela-Krise in ihrem Glauben bestätigt, dass China ein Papiertiger ist und die glänzenden Waffen, die das chinesische Militär auf internationalen Ausstellungen präsentiert, in Wirklichkeit gegen US-Waffen nichts ausrichten können.

Beide Antworten auf die Frage, warum China “nichts tut”, sind Unsinn, der letztlich nur amerikanischen Machtfantasien schmeichelt. China hält sich von einer militärischen Konfrontation mit den USA in Venezuela deshalb zurück, weil es in einem Krieg auf der anderen Seite des Planeten – im historischen Hinterhof Amerikas – allein aus Gründen der Logistik keine Chance auf einen Sieg hätte, und selbst wenn das anders wäre, eine solche Operation auf der anderen Seite des Globus für Peking keinen strategischen Sinn ergibt. Peking hat keine Trägerkampfgruppen in der Karibik, keine Logistikstützpunkte, keine kontrollierbaren regionalen Allianzen.

Chinas Streitkräfte sind für Ostasien aufgestellt: Verteidigung seiner Küsten, Befreiung Taiwans, Sicherung der Seewege, Dominanz in den angrenzenden Seegebieten. Das ist keine Feigheit. Das ist Geografie. Genau wie die Amerikaner inzwischen verstanden haben, dass sie gegen einen gleichwertigen Gegner wie Russland in dessen Vorgarten Ukraine keine Chance auf einen Sieg haben.

Außerdem basiert Chinas Macht auf einem anderen Wertesystem als das des neokolonialen kollektiven Westens, allen voran das imperiale Amerika, das anscheinend ohne Endloskriege nicht existieren kann. Im Gegensatz dazu basiert Chinas Macht nicht auf militärischen Eingriffen in Übersee und Regime-Changes in anderen Ländern zwecks besserer Ausbeutung. Chinas Macht und Einfluss basiert auf dem Bau von Häfen, Krediten für Infrastruktur und beidseitig lukrativen Energieverträgen. Diesbezüglich war Venezuela ein guter Partner für China, ein Öllieferant außerhalb der US-Kontrolle, eine Stimme gegen US-Sanktionen –, aber trotzdem hat Venezuela für China nicht den Wert, dass es dafür seinen globalen Handel, Lieferketten oder seine Kerninteressen gefährdet.

Allerdings verurteilt China mit klaren Worten den Rückfall der USA in rücksichtsloses koloniales Verhalten, in dem sich mächtige Imperialisten nehmen, was ihnen gefällt. China beißt in den sauren Venezuela-Apfel, strukturiert Venezuelas Schulden um und sucht sich neue Öl-Lieferanten, anstatt sich mit den USA auf eine kostspielige bewaffnete Auseinandersetzung einzulassen, die Peking allein aus geografischen Gesichtspunkten nicht gewinnen kann. China verbrennt nicht das Schachbrett, nur um eine Figur zu retten.

Zu den richtigen Fragen

Wenn es je zu einem bewaffneten Konflikt zwischen China und den USA kommt, dann auf einem von Peking gewählten Schlachtfeld, auf dem die USA keine Chance haben. Daher ist die eingangs gestellte Frage, nämlich warum China – und das gilt genauso für Russland – in Venezuela nicht gegen die US-Erpresser und Kidnapper eingegriffen haben, eine vollkommen falsche. Die richtige Frage wäre stattdessen gewesen, warum Venezuelas Militär nicht gekämpft hat, warum kein einziger US-Hubschrauber über Caracas abgeschossen wurde, obwohl die venezolanische Luftabwehr über hocheffiziente russische Systeme wie z. B. die S-300 verfügt.

Langsame Hubschrauber sind zudem leichte Beute für tragbare, schultergestützte russische Flugabwehrraketen vom Typ Strela. Warum wurde keine einzige Strela abgefeuert? Zwangsläufig führt das zu der Feststellung, dass Russland und China ihre vermeintlichen Partner mit den von ihnen gelieferten Waffen nicht schützen können, wenn das venezolanische Militär nicht gegen die USA kämpft!

Diesbezüglich verdichten sich inzwischen die Hinweise, dass Korruption an der Spitze der Maduro-Regierung im Spiel war, dass Maduro an die Amerikaner verkauft wurde und in Caracas über Nacht etliche venezolanische Top-Militärs und Regierungsmitglieder zu Dollarmillionären geworden sind, mit einer Villa in Miami als Zugabe.

Eine weitere Frage, die im öffentlichen Diskurs, zumindest im Westen so gut wie nicht gestellt wird, ist: Warum die USA gerade jetzt und in dieser unglaublichen Art in Venezuela zuschlagen, hanebüchene Forderungen an Grönland bzw. an Dänemark stellen und zugleich der politischen und religiösen Führungsspitze in Iran, einschließlich Ajatollah Khamenei, mit der Ermordung drohen?

Zeugen diese leichtsinnigen politischen Abenteuer Washingtons von einer selbstbewussten, in sich ruhenden Supermacht? Ist es ein Attribut großer Staatskunst, die Souveränitäts- und internationalen Rechtsnormen zu zertrümmern, die Washington noch vor kurzem mit heiligen Schwüren vorgab zu verteidigen? Ist es ein Zeichen von Führungsqualität und Solidarität im NATO-Staatenbündnis, wenn Washington einen verbündeten Vasallen wegen arktischer Immobilien bedroht?

Das sind eher die letzten Zuckungen eines Hegemons, der sich aufgrund eigenen Versagens zunehmend in die Enge getriebenen fühlt, aber andere für seine hausgemachten Probleme verantwortlich macht; dessen Dollar-Dominanz auf den Währungsmärkten bröckelt, der seine einstige Kontrolle über die sich zunehmend diversifizierenden Weltenergiemärkte in Scherben liegt und dessen Soft Power im Globalen Süden verpufft ist. Stattdessen setzen die Länder des Südens auf Absicherung und gehen leise, leise auf immer größere Distanz zum unberechenbaren Grobian auf der Weltbühne. China muss keinen Schuss abfeuern, um weiter an Boden zu gewinnen – es baut einfach noch mehr Alternativen zum dahinsiechenden Hegemon und dessen EU-Vasallen auf.

Also eskaliert Washington zunehmend verzweifelt dort, wo es glaubt, das noch zu können, nämlich in seiner eigenen Hemisphäre, an strategischen Engpässen und bei symbolisch widerspenstigen Staaten wie Venezuela und Iran. Das ist keine Stärke! Das ist Panik. Sterbende Imperien greifen immer über. Sie verwandeln ihre Währung, ihre Gerichte, ihre Finanzpolitik in Waffen und versuchen mit militärischen Spezialkräften den Verlust der Soft Power zu kompensieren, um den entglittenen politischen und wirtschaftlichen Einfluss wieder herzustellen.

US-Amerika ist längst nicht mehr der Hegemon, den viele im Washingtoner Establishment noch in ihm sehen. Die US-Wirtschaft ist zunehmend ausgehöhlt, die innenpolitische Legitimität der US-Führungsschicht bröckelt seit Jahren, die permanente US-Kriegsmaschinerie verwandelt das Chaos im In- und Ausland in eine Geldmaschine für die ganz oben, auf Kosten der Bevölkerung. Allerdings darf bei all dem nicht vergessen werden, dass die USA noch überwältigende Gewalt projizieren können, aber nur noch in Regionen wie der westlichen Hemisphäre und in Teilen der Arktis.

China dagegen erhält trotz aller Widersprüche weiter seine systemische Stabilität, versorgt seine Bevölkerung mit ständig wachsendem Wohlstand und baut seine globalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen weiter aus. Zugleich ist die Legitimität der politischen Führung in Peking und im Volk unangefochten, und das alles ohne ständige Auslandsabenteuer und Kriege, ohne die das US-System offenbar nicht mehr existieren kann. China baut auf, statt zu zerbomben. Es wartet ab, statt Ressourcen zu verschwenden. Es ist diese Geduld, die den Falken in Washington wirklich Angst macht. Dies ist Chinas wahre Stärke, die Washington nicht kopieren kann.

China ist eine regionale Militärmacht mit globaler wirtschaftlicher Reichweite. Es stieg durch Fabriken auf, nicht durch militärische Vorposten. Es bietet Aufbaukredite an, keine Marschflugkörper. Seine Stärke ist strukturell: Industrialisierung zuerst, Infrastrukturdiplomatie, langfristige Verträge, asymmetrische Vergeltung anderswo. Es schluckt Verluste heute, um Jahrzehnte für morgen zu sichern. China muss Venezuela, Grönland oder Iran nicht auf dem Schlachtfeld “gewinnen”. Es muss nur weiter die unipolare US-“Ordnung” unterhöhlen – ein Hafen, ein Kredit, ein alternatives Zahlungssystem nach dem anderen.

Das ist keine symmetrische Großmachtkonkurrenz. Diese Multipolarität bedeutet ungleiche, asymmetrische Machtzentren mit unterschiedlichen Zeithorizonten und verschiedenen Arten der Risikobereitschaft. Die Geschichte wird nicht durch dramatische Sonderoperationen à la Venezuela entschieden, sondern dadurch, welches System sich ohne Zusammenbruch behaupten kann. US-Amerika scheitert an diesem Test. China hat ihn bisher bestanden.

Mehr zum Thema – Der US-Blitzkrieg gegen Venezuela: Niemand ist mehr sicher



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Tags: dieFalscheFrageMoskauNichtsPekingstoppentrumptunundVenezuelaWarum
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