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Auf Stuttgart 21 warten und nachts in Flugzeugen festsitzen – Ach, Deutschland, was ist nur los

rtnews by rtnews
25/02/2026
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Das Deutschland von heute wirkt immer mehr wie eine Farce über das Deutschland von gestern. Es wirkt schon fast erstaunlich, dass deutsche Autos noch fahren können. In manchen Momenten bündelt sich die ganze Absurdität.

Von Dagmar Henn

Wenn man den aktuellen Zustand Deutschlands kurz zusammenfassen will, genügen diese zwei Meldungen: Der Projektleiter von Stuttgart 21 wurde abgelöst, weil sich die Eröffnung des Tiefbahnhofs (ursprünglich 2019 vorgesehen) weiter verschiebt, und am Münchner Flughafen durften 600 Passagiere die Nacht im Flugzeug verbringen, weil – nun, weil es, heißt es, keine Busfahrer mehr gab, die sie vom Flugfeld zurück zum Terminal hätten bringen können.

Die Fluggäste waren in die Flieger gesetzt worden, weil der Flughafen sich eine Sondergenehmigung beschafft hatte, diese Maschinen noch starten lassen zu dürfen, obwohl schon das Nachtflugverbot galt – nur, um dann die Starts abzusagen. Und weil es keinen Platz mehr an den Gates gab, standen die Flugzeuge dann auf Außenpositionen. Wobei selbst die am Flughafen anwesende Bundespolizei davon wusste – aber keine Eingriffsmöglichkeit sah.

Vielleicht hatten die Fluggesellschaften, bei drei der betroffenen Flüge die Lufthansa, keine Lust, Hotelübernachtungen zu zahlen (obwohl die 600 Euro Entschädigung, die sie inzwischen angekündigt haben, doch teurer waren), oder bei der Flughafen-Tochtergesellschaft AeroGround Flughafen München GmbH war im Büro schon niemand mehr anwesend, oder besagte Tochter kam nicht einmal darauf, Fahrern womöglich eine Prämie zu versprechen, wenn sie die gefangenen Passagiere abholen …

Das ist eine Frage, mit der sich wohl die Staatsanwaltschaft beschäftigen darf. Wobei man nicht weiß, was davon zu erwarten ist. Immerhin, noch eine Meldung der letzten Tage, einer der Maskengewinnler, die damals das Bundesgesundheitsministerium abgezockt haben, unter Corona (wobei das Ministerium sich sehr willig zeigte), wurde jetzt zu fünf Jahren Haft verurteilt, vor allem wegen Steuerhinterziehung. Das war diese Nummer mit Vergaben ohne Ausschreibung …

Aber zurück zum Flughafen München. Der hat einmal für eine Legende gesorgt, mit dem Umzug am 16. und 17. Februar 1992. Ganze sechzehn Stunden wurde der Flugverkehr unterbrochen. Insgesamt 700 Lkw transportierten in dieser Nacht die letzten nötigen Teile der Ausrüstung von Riem aus ins Erdinger Moos. Das ging so glatt, das war kaum zu bemerken. Wie würde das heute ablaufen? Es sind nicht einmal 35 Jahre seitdem vergangen; aber jeder würde inzwischen bei der Vorstellung, in einer Großstadt vom einen Flughafen in einen anderen umzuziehen, vor Schreck zusammenzucken. Der Berliner Umzug von Tegel nach Berlin-Brandenburg dauerte länger als eine Woche. Aber immerhin, verglichen damit, dass der Flughafen selbst sich um ganze neun Jahre verspätete und längst zum Witz geworden war, geradezu schnell.

Nun, das ist Berlin, wäre man vor einigen Jahren noch versucht gewesen zu sagen. Also, ehe sich Stuttgart 21 in dieses Desaster verwandelte, das es inzwischen darstellt (auch wenn die Gegner von Anfang an davor gewarnt hatten). Inzwischen scheint ganz Deutschland Berlin zu sein, und das, worüber man sich einst als Macke der ungewünschten Hauptstadt lustig machte, hat sich bis in den letzten Winkel verbreitet. Ja, es fühlt sich geradezu symbolisch an – solange noch Bonn die Hauptstadt war (oder Berlin nur Hauptstadt der DDR), fuhren die Züge pünktlich, die öffentliche Verwaltung funktionierte, und im Großen und Ganzen war das Land in beiden Teilen recht unaufgeregt.

In München selbst wird seit einigen Jahren an der zweiten Stammstrecke gegraben, auch so ein Projekt, das seit dem ersten Spatenstich bereits sieben Jahre Verspätung und bereits fast eine Verdreifachung der Kosten (von ursprünglich angesetzten 3,2 Milliarden auf 9,4 Milliarden Euro) geliefert hat. Noch so ein Ruhmesblatt. Aber wer braucht schon einen funktionsfähigen Hauptbahnhof, wenn die Züge ohnehin alle unpünktlich kommen und eigentlich nur derjenige mit der Bahn fährt, dem nichts anderes übrig bleibt? Schon allein, weil die Bahnhöfe selbst in den letzten Jahren so sehr an Attraktivität gewonnen haben (auch wenn es Leipzig ist und nicht München, das den Rekord an Gewalttaten hält).

Ja, wie soll man das noch finden? Dass die Passagiere von Zügen irgendwo festsitzen, ist ja ohnehin schon Alltag in dieser Republik; dass jetzt auch Flugzeuge dazukommen, scheint fast wie eine logische Erweiterung. Obwohl auch hier der Flughafen München einst stolz war auf seinen souveränen Umgang mit dem Winter. Die AeroGround Flughafen München GmbH hat sich aber im Lauf der Jahre eine ganze Reihe weiterer Beteiligungen zugelegt und die Flughafentransportdienste in Hamburg und in Berlin übernommen. Ein bisschen so wie der Frankfurter Flughafen, der halb Bulgarien und Griechenland erworben hat. Was sich ja vielleicht rechnet, aber die ursprüngliche Aufgabe scheint dabei doch etwas auf der Strecke zu bleiben.

Dabei ist die AeroGround eine hundertprozentige Tochter der Flughafen München GmbH, die wiederum zu 51 Prozent dem Freistaat, zu 26 Prozent der Bundesrepublik und zu 23 Prozent der Stadt München gehört. Wir reden also von einem vollständig in öffentlichem Eigentum befindlichen Unternehmen, das da 600 Menschen auf dem Rollfeld übernachten ließ. Ein kleines symbolisches Ereignis für öffentliche Unternehmen, bei denen mehr von Unternehmen als von öffentlich die Rede ist (was genau der Ansatz war, der die Deutsche Bahn so gründlich ruiniert hat). Von dem die Nutzer dieser Infrastruktur eben nicht mehr als Eigentümer behandelt werden, sondern als, nun, womöglich lästige Objekte des Gewinnstrebens. Weil es eben auch jahrzehntelang vorgemacht wurde von der Bahn, dass selbst die gröbste Missachtung der eigentlichen Aufgabe für die Verantwortlichen keine Konsequenzen hat.

Ja, selbst die Welt hat die Gefangenschaft dieser Flugzeugpassagiere genutzt, um bitterböse zu kommentieren:

“Es gab Zeiten, da konnten die technikaffinen Deutschen Loks und Autos, Aufzüge und Schneeräumer so fix bauen und einsetzen, wie die Italiener Pasta und Pizza zubereiteten. Letzteres funktioniert immer noch, aber die deutsche Weltmarktdominanz hat sich reduziert auf Bobfahren und Schlitteln: Alles super, solange es nur abwärts geht.”

Der Münchner Oberbürgermeister darf jetzt wieder am Mittleren Ring, der Hauptverkehrsader der Stadt, Schilder mit Tempo 30 aufhängen, weil es die Deutsche Umwelthilfe so will. Die Bewohner der Nebenstraßen erfreuen sich am täglichen Rückstau (vom Feinstaub durch Bremsabrieb gar nicht zu reden), aber was interessiert schon die Realität, wenn es ums Prinzip geht. Auch das verschlimmert sich seit Jahrzehnten. Die Stadt bräuchte eine Ringbahn; die Gleise liegen eigentlich schon, aber sie können nicht genutzt werden, weil der Abstand der Wohnhäuser nicht den jetzigen Vorgaben der Immissionsschutzverordnung entspricht. Nicht, dass da niemand mehr drin wohnen wollen würde – es ist inzwischen derart schwierig, in München eine Wohnung zu finden, selbst ein Zimmer unmittelbar über einer Bahnstrecke ließe sich noch vermieten, auch wenn das nicht gerade gesund wäre. Aber es ist eben vorschriftswidrig. Mehr Verkehr auf der Strecke, die bisher nur von Güterverkehr genutzt wird, würde einen neuen Bauantrag erfordern, und schon ist es vorbei …

Es ist immer wieder dasselbe. Sackgassen und fortgesetztes Versagen. Völliges Fehlen von Verantwortlichkeit. Selbst das Schneechaos hat München inzwischen von Berlin übernommen, obwohl man sich in früheren Jahrzehnten leidenschaftlich über diese Berliner lustig gemacht hat, bei denen nach zwei Schneeflocken schon alles stillsteht, und dabei einen beruhigten Blick auf den eifrigen Winterdienst warf.

Wenn die Staatsanwaltschaft jetzt ermittelt, wer nun schuld daran ist, dass 600 Fluggäste im Flieger übernachten mussten, wird sie vermutlich auf viele Namen stoßen, aber keinen Verantwortlichen. Allerdings ist die Lage so schlimm, dass man daraus nur noch begrenzt einen Vorwurf machen kann – hätte irgendjemand eingegriffen und womöglich sogar selbst einen Bus mehrmals hin- und hergefahren, das hätte mit Sicherheit gegen ein halbes Dutzend Vorschriften verstoßen und hinterher mehr Ärger eingebracht als diese Freiheitsberaubung. Da muss man nur an das Berliner Salzspektakel denken. Am Ende sind die Vorschriften zum Baumschutz wichtiger als ein paar Dutzend Rentner mit Oberschenkelhalsbrüchen.

Es ist also nicht nur so, dass sich alle Strukturen in eine Richtung entwickelt haben, die Verantwortlichkeit verschwinden lässt und selbst beim größten Versagen keine Konsequenzen fordert (ich sage nur Ahrtalflut); gleichzeitig wird das Risiko, das jemand eingehen würde, würde er aktiv eine Problemlösung in Gang setzen, beständig höher. Was bedeutet, die Leute, auf die man in derartigen Situationen angewiesen wäre, werden rundherum darauf konditioniert, nicht zu handeln.

Es gibt nur einen einzigen Lichtblick in diesem gesamten Elend: Die Kriegspläne, die derzeit so angepriesen werden, enden auf dieselbe Art und Weise. So wie Stuttgart 21 oder die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München, was zumindest für jene Deutschen, die die Bundesregierung so gern zur Ostfront treiben würde, einen gewaltigen Vorteil hätte – ehe sie dort ankämen, wäre der Krieg vorbei. Und zwar selbst dann, wenn niemand die nukleare Keule zückt. Weil all die großartig geplanten Aufrüstungsprojekte erst dreimal so teuer werden und dann eben ein paar Jahre länger brauchen. Sofern sie überhaupt fertig werden und das Geld nicht einfach so versackt.

Aber wirklich trösten im alltäglichen Elend kann vermutlich nicht einmal das.

Mehr zum Thema – Straßenreinigungsgesetz lässt Berliner stürzen – Bürgermeister “appelliert” für Tausalz



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Tags: achAUFDeutschlandfestsitzenFlugzeugenistlosNachtsNURStuttgartundwarten
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