
Von Renat Abdullin
Demokraten stören nicht
Donald Trumps Favoriten als seine möglichen Nachfolger sind sein Stellvertreter J. D. Vance und der Außenminister und amtierende Berater für nationale Sicherheit Marco Rubio. Dies berichtet das Portal Axios unter Verweis auf Quellen.
Trump wünsche, dass Vance und Rubio an der Kampagne des Jahres 2028 als Paar teilnehmen, wobei der eine als Präsident und der andere als sein Stellvertreter kandidieren würde. Jede Konfiguration würde nach Quellenangaben den Herrn des Weißen Hauses zufriedenstellen. Er selbst wird verfassungsgemäß nicht mehr kandidieren können. Doch wie die Analytiker mehrmals angemerkt hatten, bedeutet das Ende von Trumps zweiter Amtszeit nicht seinen Rückzug aus der Politik. Daher sei es ihm wichtig zu verstehen, bei wem er als “graue Eminenz” fungieren kann.
Dies hängt auch mit allgemeineren Angaben der Republikanischen Partei zusammen. Die “Elefanten” halten derzeit eine recht günstige Position und kontrollieren die Schlüsselämter.
Den “Eseln” – der Demokratischen Partei – könnte es indessen kaum schlechter gehen. Obwohl Medien immer wieder von ihrem Wunsch nach einer Revanche berichten, scheint es dafür bisher keine Voraussetzungen zu geben. Momentan hat die Demokratische Partei keine starken Kandidaten.
Zweifelhafte Ratings
Doch auch die Zustimmungswerte der Republikaner sind nicht hoch.
So unterstütze nach Angaben von Pew Research Center weniger als die Hälfte der Bevölkerung Trumps Team.
Im Hinblick auf einzelne Personen sympathisieren 38 Prozent mit J. D. Vance, während 52 Prozent ihn negativ betrachten. Bei Rubio betragen die entsprechenden Werte 34 und 44 Prozent.
Unter den Wählern der Republikaner hat Vance einen Zustimmungswert von 75 Prozent bei 18 Prozent Ablehnung, während Rubio 64 Prozent Zustimmung bei 16 Prozent Ablehnung hat.
In diesem Fall ist die Lage ambivalent. Einerseits verfügt Vance über eine seit dem Jahr 2024 feststehende Infrastruktur für einen Wahlkampf. Andererseits sind die Vollmachten des Vizepräsidenten beschränkt und er kann sich kaum entfalten, während der Außenminister ständig im Rampenlicht steht.
Zusammen oder getrennt?
Die von RIA Nowosti befragten Experten verweisen auch auf ein anderes Problem im Zusammenhang mit dem potenziellen Paar Vance-Rubio. Insbesondere erklärt der Politologe und Amerikanist Pawel Swjatenkow:
“Obwohl ursprünglich beide als Hauptanwärter für die nächste Präsidentschaft wahrgenommen wurden, wäre es merkwürdig, sie nebeneinander auf einen Wahlzettel zu setzen. In der Regel werden in den USA die Kandidaten auf den Posten des Präsidenten und seines Stellvertreters gewissermaßen nach dem Prinzip der Komplementarität gewählt. Das heißt, dass der Vizepräsident irgendwelche Eigenschaften seines Chefs ausgleichen muss. Ein gutes Beispiel dafür waren Obama und Joe Biden: der eine jung, weniger erfahren, der andere älter und mit einem reichen Hintergrund. Was Vance und Rubio angeht, scheinen sie einander nicht zu ergänzen. Sicher gilt der Erstgenannte als erzkonservativ und der Zweitgenannte als zentristisch. Doch diese Argumente sind nur für die Elite und möglicherweise für die Expertengemeinschaft, nicht für das breite Publikum wichtig.”
Sollten die beiden tatsächlich als Paar zu den Wahlen antreten, wird Vance wahrscheinlich als Präsident kandidieren. Swjatenkow schlussfolgert:
“Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er sich erneut mit dem Amt eines Vizepräsidenten zufriedengeben wird. Gleichzeitig gibt es auch Fragen in Bezug auf Ambitionen von Rubio. Als Staatssekretär und Trumps Berater für nationale Sicherheit verfügt er über breite Vollmachten, die er als Vizepräsident nicht hätte. Daher erscheint jeder einzelne von ihnen als ein guter Präsidentschaftskandidat, doch zusammen etwas unpassend.”
Der Politologe Boris Meschujew, Professor des Instituts für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften, vermutet seinerseits, dass sich Rubio trotz der Unterstützung von Vance zu den Primaries entschließen werde – allerdings nicht als “Trumps Kandidat”, sondern als eigenständige Figur. Meschujew führt aus:
“Rubio verfügt offensichtlich über die Unterstützung der Partei. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass er Primaries bei Vance gewinnen wird. Die Vizepräsidentschaft ist sicher nicht das, was Rubio möchte. Er beansprucht die Führung. Andererseits wäre eine “Absetzung” von Vance durch die Republikaner ohne hinreichende Gründe unhöflich.”
Wie dem auch sei, werde Rubio ohne Segen, aber auch ohne Störversuche vonseiten Trumps wahrscheinlich versuchen, ins Oval Office einzuziehen, schlussfolgert der Experte.
Das Vorhaben des amtierenden Präsidenten, die Lage vollständig unter eigene Kontrolle zu bringen, hängt auch gut mit seinem mehrmals angekündigten Versprechen zusammen, dass US-Amerikaner im Jahr 2028 gar nicht abstimmen werden müssen. Doch von einer solch radikalen Reform sind die USA offensichtlich noch weit entfernt. Somit wird die Republikanische Partei über die Rollenverteilung zwischen Trumps Favoriten sorgfältig nachdenken müssen.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 25. Februar.
Mehr zum Thema – “Größer, besser, reicher und stärker” – Trump ist mit seiner Regierungsarbeit sehr zufrieden







