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Russen in Westeuropa beklagen "Atmosphäre der Angst"

rtnews by rtnews
08/12/2025
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In Europa lebende Russen geraten wegen ihrer Herkunft und geschäftlicher Kontakte ins Heimatland seit dem Beginn des Ukrainekriegs zunehmend ins Visier der Geheimdienste. Ein aktuelles Urteil in Schweden zeigt die Fragwürdigkeit so mancher Vorwürfe, doch Recht zu bekommen sei selten – Europa schaffe bewusst eine “Atmosphäre der Angst”, so Experten.

Von Stanislaw Leschtschenko

Der “Spionagefall” Sergei Skworzow machte vor drei Jahren Schlagzeilen in der schwedischen Presse. Der aus Perm stammende Skworzow, heute 62 Jahre alt, lebte seit Ende der 1990er Jahre in Schweden und war im Import-Export-Geschäft tätig. 1999 erhielten er und seine Frau Jelena Kulkowa eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden und 2013 die Staatsbürgerschaft dieses Landes.

Ihr ruhiges Leben wurde am 22. November 2022 unterbrochen: Zwei Hubschrauber schwebten über ihrem Haus im Stockholmer Vorort Nacka, Spezialeinheiten seilten sich ab und nahmen das ältere Ehepaar fest.

“Ich war gerade aufgestanden, als ich einen Hubschrauber hörte, der ganz in der Nähe vorbeiflog. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich bereits zwei Hubschrauber, die sehr tief über dem Boden schwebten. Sie hatten keine Lichter an. Das Licht war komplett ausgeschaltet”, berichtete ihr Nachbar, der Zeuge dieses Vorfalls war. Zunächst wurde sogar vermutet, dass es sich um einen Rettungshubschrauber handelte, der einen Patienten mit Herzinfarkt notfallmäßig evakuieren sollte. Erst als maskierte Sicherheitskräfte aus dem Hubschrauber landeten, wurde klar, dass es sich um eine Operation der Spezialeinheiten handelte.

Skworzow musste fast ein Jahr im Untersuchungsgefängnis verbringen. Seine Frau wurde kurz darauf ohne Anklage freigelassen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war Skworzow heimlich im Interesse des russischen Staates tätig – sowohl gegen Schweden als auch gegen die USA.

Skworzow “ist ein Beschaffungsagent für den russischen Militärkomplex und dessen Nachrichtendienst GRU. Russland hat Bedarf an elektronischen Technologien. In Russland existiert ein entsprechendes Beschaffungssystem, das von den Geheimdiensten kontrolliert wird … Skworzow und seine beiden Unternehmen sind Teil dieses Systems”, argumentierte Staatsanwalt Henrik Olin.

Laut der schwedischen Staatsanwaltschaft sollte Sergei Skworzow über seine schwedische Firma sanktionierte Produkte in die Stadt Sneschinsk (Gebiet Tscheljabinsk) liefern, wo sich das Föderale Nuklearzentrum Russlands befindet. Darüber hinaus wurde Skworzow vorgeworfen, als Vermittler bei der Lieferung von sanktionierten Ausrüstungsgütern aus den Niederlanden an die russische Schiffsreparaturwerft “Swesdotschka” mitgewirkt zu haben.

Ferner habe das Unternehmen des Verdächtigen nach Ansicht der schwedischen Staatsanwaltschaft eine Vereinbarung über die Lieferung von Ausrüstung aus Schweden für das russische Projekt zur Entwicklung eines Spionagesatelliten namens “Kanopus” unterzeichnet. Die Ermittler seien angeblich im Besitz von Kopien der vom russischen Verteidigungsministerium an Skworzow gesendeten E-Mails.

Die schwedische Staatsanwaltschaft beantragte für Skworzow fünf Jahre Freiheitsstrafe. Angesichts der Aufregung, die von den Behörden und der Presse ausgelöst wurde, schien es so, als sei ein Schuldspruch bereits beschlossene Sache.

Im Oktober 2023 wurde dieser Geschäftsmann jedoch freigesprochen. Es stellte sich heraus, dass die “Beweislage” nicht ausreichte.

“Um entsprechend der erhobenen Anklage strafrechtlich verfolgt zu werden, hätte die Tätigkeit darauf abzielen müssen, geheime Informationen von hohem Sicherheitswert für Schweden und die USA zu beschaffen, und zwar zum Zwecke der Spionage. Dem Staatsanwalt gelang es nicht nachzuweisen, dass das Ziel der Handlungen in der Beschaffung solcher Informationen bestand”, stellte Richter Jakob Hedenmo fest. In den Gerichtsunterlagen hieß es:

“Die Handlungen von Skworzow waren ausschließlich auf den Kauf von Technologien im Westen ausgerichtet und nicht auf die Beschaffung von Informationen über Schweden oder die USA.”

Für Staatsanwalt Henrik Olin und die Sicherheitspolizei stellte dieses Urteil ein völliges Fiasko dar. Sie versuchten, den Fall neu aufzurollen, legten Berufung ein und suchten gleichzeitig nach neuen Beweisen gegen Skworzow. Ihre Bemühungen waren jedoch erfolglos: Ende November 2025 bestätigte das Berufungsgericht des schwedischen Bezirks Svea das Freispruchurteil. “Es kann zwar angenommen werden, dass Skworzow bestimmte Informationen über Unternehmen gesammelt hat, aber diese Daten sind nicht geheim”, erklärte Håkan Sellman, Berater des Berufungsgerichts.

Dieser “Spionagefall” Skworzow ist ein typisches Beispiel für die im Westen verbreitete Spionagehysterie. Da die Propaganda behauptet, dass überall russische Spione zu finden seien, müssen diese nun aufgespürt, gefasst und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Dabei sind es oft unbeteiligte Menschen, deren einzige Schuld darin besteht, dass sie ethnische Russen sind und geschäftliche Beziehungen zu Russland unterhalten. Ein anschauliches Beispiel dafür ereignete sich kürzlich in der Republik Estland: Sie lieferte ihren russischsprachigen Staatsbürger Andrei Schewljakow an die USA aus, da ihm vorgeworfen wurde, sanktionierte Technologien an Russland weitergegeben zu haben.

Diese Anschuldigungen basierten darauf, dass Andrei Schewljakow, ein Einwohner von Tallinn, sich seit vielen Jahren mit dem Kauf und Verkauf von Elektronik und Elektronikkomponenten befasste. Das Geschäftsmodell war einfach: Andrei nahm Bestellungen von Privatpersonen oder Unternehmen entgegen, suchte dann weltweit nach den bestellten Artikeln und lieferte sie an die angegebene Adresse. Die geografische Reichweite seiner Tätigkeit war äußerst groß: Amerika, Europa, Russland – wobei der russische Markt etwa 60 Prozent seiner gesamten Kundschaft ausmachte. Da es sich um Einzelstücke handelte, transportierte er die Waren nicht mit Lastwagen, sondern persönlich mit seinem Pkw über die Grenze.

Der Anklage zufolge habe Schewljakow zehn Jahre lang unter Verstoß gegen die Exportkontrollvorschriften bei US-Herstellern gekaufte Elektronik nach Russland verschickt. Sollte Schewljakow für schuldig erklärt werden, drohen ihm bis zu zwanzig Jahre Freiheitsstrafe. Er selbst versteht nicht, warum ihm illegale Handlungen vorgeworfen werden. Der Unternehmer kontrollierte ständig, ob die von seinen Kunden bestellten Waren Sanktionen und Beschränkungen unterliegen.

“Wir haben die Lage ständig beobachtet und versucht, die Nuancen dieser Sanktionen zu verstehen. Im Nachhinein ist es für mich schwer zu sagen, ob etwas Verbotenes dabei war oder nicht. Aber ich bin der Meinung, dass, wenn die Ware korrekt deklariert wurde, wenn sie die Zollkontrolle passiert hat, wenn sie vom Zoll freigegeben wurde – welches Problem könnte es dann noch im Nachhinein geben?”, stellt Schewljakow als rhetorische Frage in den Raum.

Er weist darauf hin, dass “elektronische Komponenten”, deren Einfuhr in die Russische Föderation ihm vorgeworfen wird, ein weit gefasster Begriff sind: Solche Komponenten werden sowohl in Fernsehern als auch in Haushaltsgeräten und sogar in Beleuchtungsgeräten verwendet. Selbst die estnische Staatsanwaltschaft hatte Zweifel an den gegen Schewljakow erhobenen Vorwürfen – in Tallinn zögerte man mehr als zwei Jahre lang, ob man ihn an die USA ausliefern sollte, und tat dies schließlich nur, um den “amerikanischen Herrn” nicht zu verärgern. Jetzt befindet sich Schewljakow in einem US-Gefängnis in Erwartung seines Urteils.

Natalja Jeremina, Doktor der Politikwissenschaften und Professorin an der Sankt Petersburger Staatlichen Universität, ist der Ansicht, dass das Ziel der Attacken auf Personen wie Skworzow und Schewljakow darin besteht, die westliche Unternehmerschaft einzuschüchtern und sie dazu zu bewegen, von jeglichen Geschäften mit Russland Abstand zu nehmen. Sie erklärt:

“Es gibt einen klaren politischen Auftrag, die antirussische Hysterie anzuheizen – und solche Methoden, die mit der Verhaftung von Geschäftsleuten einhergehen, tragen sehr dazu bei, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen. Man könnte davon ausgehen, dass man legale Geschäfte mit Russland tätigt, doch dann kommt es zu einer Festnahme, man wird inhaftiert und erfährt, dass man trotzdem illegale Geschäfte betrieben habe. Aus diesem Grund werden viele Unternehmer – nachdem sie von der Festnahme eines ihrer Kollegen erfahren haben – zweimal überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, mit Russen Geschäfte zu machen. Schließlich ist Freiheit wichtiger als Geld.”

Nach Ansicht der Expertin fallen westliche Regierungen der eigenen Propaganda zum Opfer und verkennen, dass Russland eine hochtechnologische Großmacht ist, die keine Chips aus importierten Kühlschränken und Waschmaschinen “herauskratzen” muss.

Abschließend bemerkt Natalja Jeremina:

“Diejenigen, die die Geschäftsleute verhaften, greifen auf genau diese Art von Rhetorik zurück – sie behaupten, dass diese Lieferungen für die Russen – auch wenn es sich nur um Unterhaltungselektronik handelt – von enormer Bedeutung seien, da sie selbst nichts herstellen könnten. Für uns klingt das insgesamt völlig absurd. Im Westen jedoch werden solche propagandistischen Thesen zum Axiom erhoben.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 4. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Mehr zum Thema – Merz: “Das imperialistische Russland strebt danach seine Einflusszone in Europa auszuweiten”



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Tags: AngstquotbeklagenderquotAtmosphäreRussenWesteuropa
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