
Von Juri Mawaschew
Laut einem Bericht von The Times of India wurde in Ladakh der neue indische Luftwaffenstützpunkt Mudh-Nyoma in Betrieb genommen. Dieses strategische Objekt, das von einigen Bloggern als “größte Bedrohung für China” bezeichnet wurde, befindet sich auf einer Höhe von 4.000 Metern und ist nur 30 Kilometer von der faktischen Kontrolllinie zu China entfernt. Es handelt sich um den dritten wichtigen Luftwaffenstützpunkt Indiens in diesem Gebiet, der nun sowohl schwere Transportflugzeuge als auch Kampfflugzeuge aufnehmen kann. Die Erstlandung auf dem neuen Stützpunkt wurde symbolträchtig vom Hauptmarschall der Luftstreitkräfte, A. P. Singh, durchgeführt.
Dieser neue Luftwaffenstützpunkt trägt dazu bei, dass die indische Luftwaffe ihre Einsatzmöglichkeiten erheblich ausweiten kann, was diese Nachricht zu einem Ereignis von internationaler Bedeutung macht. Den indischen Medien zufolge ermöglicht der Stützpunkt in Mudh-Nyoma Indien nicht nur einen schnelleren Truppen- und Ausrüstungstransport sowie die Versorgung in schwer zugänglichen Bergregionen, sondern auch eine umgehende Reaktion auf alle Veränderungen entlang der Grenzlinie zu China.
Selbstverständlich hat das indische Militär seine eigenen Erwägungen, was die Gewährleistung der nationalen Sicherheit betrifft. Einerseits verfügt die chinesische Volksbefreiungsarmee (VBA) seit kurzem über verbesserte Stealth-Kampfflugzeuge vom Typ J-20 sowie über Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Drohnen. Letztere wurden von Peking an Standorten entlang der chinesisch-indischen Grenze in Hotan, Bangda, Shigatse, Kashgar, Houping, Gargunse und Nyingchi stationiert. Andererseits gab es auch andere Gründe für die indische Besorgnis. Dazu genügt es, an die Grenzkonflikte zwischen Chinesen und Indern in den umstrittenen Gebieten im Jahr 2020 zu erinnern. Genau nach diesen Konflikten wurde von den Indern der Bau der militärischen Infrastruktur im Himalaja beschleunigt.
Darüber hinaus stehen in der Regel alle militärischen Aktivitäten Indiens in Zusammenhang mit der Konfrontation mit seinem Erzfeind und gleichzeitig wichtigsten chinesischen Partner – Pakistan. Nicht ohne Grund betonte der indische Luftwaffenmarschall a. D. Sanjeev Kapoor, dass das neue Objekt in Mudh-Nyoma nicht nur für Peking, sondern auch für Islamabad eine Herausforderung darstellen werde. Nach Ansicht dieses Offiziers stärken solche Luftwaffenstützpunkte das Kräftegleichgewicht angesichts ähnlicher Militärobjekte der chinesischen Volksbefreiungsarmee.
Auch der chinesisch-pakistanische Wirtschaftskorridor (CPEC) – ein Investitionsprojekt im Rahmen der chinesischen Initiative “One Belt, One Road” – sollte nicht außer Acht gelassen werden. In vielerlei Hinsicht war dieser Korridor der Hauptgrund dafür, dass Indien 2023 einem von Israel und den USA geförderten alternativen Wirtschaftskorridor namens “Indien – Naher Osten – Europa” (IMEC) seine Zustimmung gab. Allerdings wurden diese Anti-China-Pläne durch den Wegfall Israels angesichts seines Krieges mit der Hamas verzögert, wenn nicht sogar begraben. Kurz gesagt: Es gibt nicht nur auf militärpolitischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene genügend Gründe für eine solche Rivalität.
Auch die Versuche der USA, Indien in das IMEC einzubeziehen, das vom ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden offen gegen das chinesische Projekt “One Belt, One Road” ausgespielt wurde, zeigten deutlich, dass es naiv ist, zu glauben, dass ein potenzieller Konflikt zwischen Neu-Delhi und Peking nur die “unterlegene” Seite betreffen würde. Ganz im Gegenteil, die Widersprüche zwischen ihnen werden seit mindestens 2007 – seit dem Entstehen des sogenannten Vierer-Sicherheitsdialogs (Quad) zwischen Australien, Indien, den USA und Japan – von den Angelsachsen geschickt angeheizt. Es stellt sich die Frage: Vor wem wollen sie eigentlich ihre Sicherheit verteidigen?
Noch entschlossener schlugen die USA den antichinesischen Kurs ein und versuchten, Indien auf ihre Seite zu ziehen, als es ihnen klar wurde: Bereits im Jahr 2010 hatte China sie überholt und sich zum größten Produzenten der Welt entwickelt. Sie sind nicht bereit, eine industrielle Revolution in China zuzulassen, die zu realen Veränderungen in der globalen Arbeitsteilung führen würde, denn das neue System könnte weitaus integrativer und damit gerechter sein.
Ebenso beunruhigt die USA die Perspektive, dass die chinesische Mittelschicht bis 2030 auf 800 Millionen Menschen anwachsen wird. Tatsächlich verfügt keiner der Nachbarn Chinas, einschließlich der Satellitenstaaten der USA, Japan und Südkorea, über einen derart einzigartigen Markt. Was für die USA jedoch noch schlimmer ist: Die Rückverlagerung der US-amerikanischen Produktionskapazitäten aus China “nach Hause”, wie es US-Präsident Donald Trump geplant hatte, oder ihre Verlagerung in andere Länder Süd- und Südostasiens ist äußerst schwer zu realisieren. Zumindest in absehbarer Zukunft. Eine Deindustrialisierung Chinas scheint also nicht mehr möglich zu sein.
Was Indien und sein Potenzial betrifft, so sollte berücksichtigt werden, dass das Land nach Angaben von Experten bis zum Jahr 2030 alle Chancen hat, zum führenden Hersteller hochwertiger Halbleiter aufzusteigen. Indien verfügt auch über beeindruckende Arbeitskräfteressourcen, die vor allem durch ihre hohe Anzahl junger Menschen beeindrucken. Die erwerbstätige Bevölkerung macht etwa 66 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Allerdings muss Indien erst noch mit China – dieser “Werkstatt der Welt” – gleichziehen, um dann möglicherweise dessen Position einzunehmen. Im Vergleich zu China ist Indien sozusagen die “Großmacht von morgen”. Außerhalb Süd- und Südostasiens beginnt sich sein vielseitiger Einfluss gerade erst zu entfalten.
Und diese Ambitionen Indiens wurden von den US-Amerikanern richtig eingeschätzt: Bereits im Sommer 2023 wurde Indien von Joe Biden sozusagen “abgeleckt”, indem er dem Land Investitionen, die Aufmerksamkeit von Technologiegiganten wie Apple und Tesla und eine großangelegte militärisch-technische Zusammenarbeit anbot. Es spricht für die Weisheit der indischen Seite, dass Indien sich von dieser “US-Werbung” nicht verführen ließ. Auch die Versuche des Westens, Indien einzuschüchtern, blieben erfolglos. Selbst die wiederholten Drohungen von Donald Trump im Jahr 2025, “sehr harte Sanktionen” gegen Inder zu verhängen, die “Geschäfte mit Russland tätigen”, zeigten keine Wirkung.
Ganz im Gegenteil: In Neu-Delhi wurde beschlossen, die umfangreichen Infrastruktur-, Transport- und Logistikprojekte mit Russland und Iran nicht zu beenden, sondern die Zukunft auf der Grundlage der eigenen nationalen Identität zu gestalten. Die Unterzeichnung eines Abkommens mit dem unter Sanktionen stehenden Iran über den langfristigen Betrieb des Hafens Chabahar ist ein gutes Beispiel dafür. Dieses Infrastrukturobjekt ist übrigens nun auch in unserem gemeinsamen Megaprojekt mit Indien und Iran – dem internationalen Transportkorridor “Nord-Süd” – integriert.
Darüber hinaus blieb Neu-Delhi in diesem Jahr nicht nur ein aktives Mitglied der BRICS-Staaten, sondern nahm auch seine Mitarbeit in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) wieder auf. Der Besuch des indischen Premierministers Narendra Modi in Tianjin, China, zum Gipfeltreffen dieser Organisation – der erste seit sieben Jahren – sowie die Wiederaufnahme der Flugverbindungen zwischen Indien und China waren keine erfreulichen Nachrichten für Trump und das gesamte US-amerikanische Establishment. Dennoch unternehmen sie bis heute Versuche, Neu-Delhi gegen Peking auszuspielen.
Nach einem Bericht der US-amerikanischen Heritage Foundation liegt es im Interesse der Vereinigten Staaten und Indiens, eine chinesische “Hegemonie” im Indischen Ozean zu verhindern und einer Einkreisung Indiens durch chinesische Stützpunkte und China-freundliche Staaten entgegenzuwirken. “Es ist an der Zeit, dass die beiden großen Demokratien der Welt zusammenarbeiten, um die von China ausgehenden Sicherheitsbedrohungen zu mindern”, heißt es in diesem Bericht.
Die Autoren solcher Machwerke verschweigen jedoch, dass es gerade an der Politik des Weißen Hauses liegt, dass China “in Abwehrhaltung” gegangen ist, auch gegenüber Indien. Denn die asiatisch-pazifische Region ist voller antichinesischer Formate. In einige davon wurden die Inder seinerzeit durch Tricks gelockt. Diese Lügner lassen auch unerwähnt, dass die geopolitische Lage, in der der Pazifik und der Indische Ozean faktisch einen einzigen südlichen Ozean bilden, den größten Akteuren Asiens – China und Indien – eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle aller auferlegt.
In den Appellen der USA an Indien, sich gegen China “zu befreunden”, lässt sich leicht die klassische Strategie der Angelsachsen erkennen, die darauf abzielt, eine Allianz dieser beiden großen Akteure auf dem Kontinent zu verhindern. Einst brachte Großbritannien die beiden größten Mächte Europas – Russland und das napoleonische Frankreich – gegeneinander auf, danach Russland und Deutschland. Die chinesischen und indischen Freunde sollten sich die Lehren der Geschichte gut vor Augen halten und sich nicht zu Provokationen des Westens hinreißen lassen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 27. November 2025 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Juri Mawaschew ist ein russischer Orientalist. Er ist Direktor des Zentrums für das Studium der neuen Türkei.
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