Vom 23. bis zum 26. Juli fand im Kunstpark Nikola-Leniwez das Festival “Archstojanie” statt, das mehr als 11.000 Besucher anzog – und das, obwohl in der Region Kaluga fast täglich mal eine Raketenwarnung, mal eine Drohnenwarnung ausgegeben wird. Das diesjährige Thema lautete “Die Route geändert” – ironisch und treffend, wenn man bedenkt, dass sich die ganze Welt heute wohl genau in diesem Zustand befindet und ein Ende der globalen Instabilität nicht in Sicht ist. Die Besucher wurden zu Teilnehmern einer großen Schnitzeljagd und eines “totalen Spektakels”, bei dem der Zuschauer die Schlüsselrolle spielte.
“Archstojanie” ist das größte internationale Festival für Landschaftskunstobjekte und zeitgenössische Architektur, das seit nunmehr über 20 Jahren jährlich in der Region Kaluga im größten Kunstpark Europas, dem Nikola-Leniwez, stattfindet.

Im Jahr 2006 fand hier am Fluss Ugra erstmals ein Festival mit Werken der Künstler Alexander Brodsky, Wlad Sawinkin und Wladimir Kusmin statt. Im Laufe der Zeit hat sich “Archstojanie” erweitert. Im Jahr 2008 nahm das Festivalteam an der Architekturbiennale in Venedig teil; 2010 schloss sich ein Investor dem Projekt an – Maxim Nogotkow, Präsident der Unternehmensgruppe “Swjasnoj”, der die Grundstücke von Nikola-Leniwez aufgekauft hatte; zur gleichen Zeit wurde der erste Gastkurator, der Künstler Oleg Kulik, zum Festival eingeladen. Später beteiligten sich die Künstlerin Katja Botschawar und der französische Regisseur Richard Castelli an der Organisation von “Archstojanie”. Heute ist es die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Und seit diesem Jahr haben die Projekte des Festivals eine neue Dimension bekommen.
Die traditionelle “Rotunde” von Alexander Brodsky hat eine neue Umgebung erhalten. Das Architekturbüro Manipulazione Internazionale hat um sie herum einen 77 Meter langen Kanal angelegt – den “Heufluss”. Die aus Heu geformten Ufer, das Spiegelbild der Rotunde im Wasser, die Skulpturen der französischen Kaiser und die spritzenden Springbrunnen schufen ein fast palastartiges Ensemble mitten auf einem wilden Feld. Der “Pavillon der Täuschungen” von Irina Korina, der für das Festival 2023 errichtet wurde, erhielt einen inneren Kern – ein zusammengesetztes Bild einer sowjetischen Datscha mit geschnitzten Fensterrahmen, einer Veranda und alten Möbeln. Sergei Katran platzierte in “Autonomes Paradies” Pflanzen in durchsichtige Zauber-Kugeln, sodass sie über Wasser und Land reisen konnten. Die Natur war nicht mehr nur Kulisse – sie wurde zu einem gleichberechtigten Akteur, der sich gegen die festgelegte Ordnung wehrte.
Die Performances in diesem Jahr haben Grenzen verwischt. Der Musiker Danila Cholodkow und der Choreograf Wladimir Warnawa präsentierten den uralten Ritus “Con fuoco” – ein schamanisches Ritual mit Trommeln und Flammen. Die Künstlerin Mascha Somik verwandelte den “Betrunkenen Zaun” in eine Kunsttherapie, bei der jeder seine Botschaft hinterlassen konnte. Und die Künstlerin Katja Koslowa veranstaltete in der “Werkstatt des inneren Lichts” einen Karneval aus Spiegelpapier, bei dem man verborgene Versionen seiner selbst ausprobieren konnte.
“Man muss sagen, dass Nikola-Leniwez zu einer Internet-Entgiftung zwingt”, schreibt ein Rezensent der russischen Ausgabe von The Art Newspaper über das diesjährige Festival – und wohl auch über alle vorherigen.
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