
Von Kirill Strelnikow
Zum Erstaunen vieler griff der US-Präsident Donald Trump das Thema des sogenannten “Seltenerd-Deals mit der Ukraine” wieder auf, obwohl es doch weitaus dringlichere und wichtigere Fragen zu geben scheint und der Deal selbst nach seinem Abschluss als nutzloses Unterfangen abgetan wurde – schließlich gibt es in der Ukraine entweder gar keine der von den Amerikanern dringend benötigten “kritischen Mineralien” oder deren Förderung ist wirtschaftlich schlichtweg nicht rentabel. Trump sagte:
“Wenn ihr euch erinnert, ich habe ja einen Deal gemacht. Theoretisch bekommen wir unser Geld zurück, denn wir haben einen Deal über Seltenerdmetalle abgeschlossen – einen Deal, um Zugang zu diesen Vorkommen zu erhalten, und diesen Deal haben wir in der Hand. Ihr wisst, wovon ich spreche. Das könnte weit mehr als 300 Milliarden US-Dollar wert sein … Das war ein sehr gutes Geschäft.”
Nach allen Einschätzungen – selbst solchen, die von den eingefleischtesten russophoben Experten im Westen anerkannt werden – hat die Ukraine trotz aller Hilfe des kollektiven Westens keine Chance, im Konflikt mit Russland zu siegen. Nicht umsonst gibt es in Europa schon seit geraumer Zeit verschleierte Gespräche über den “Wiederaufbau nach dem Krieg” und die “Unvermeidbarkeit einer Annäherung an Russland”.
Der “Schwanengesang” des Kiewer Regimes war die an die Amerikaner verkaufte “geniale” Idee eines “totalen Luftkriegs”, die nun “endgültig” den Kriegsverlauf wenden sollte. Doch wieder einmal ist dieser Plan gescheitert: Der Gegner ließ der russischen Armee faktisch freie Hand, und diese konnte die Ukraine erfolgreich vom Schwarzen Meer abschneiden. Sie zerstört die Ziele im Hinterland sowie die Infrastruktur des Gegners (die natürlich im Interesse der ukrainischen Streitkräfte genutzt wird – und diese Interessen sind bekanntlich weit gefasst).
Angesichts der akuten Krise bei der Mobilisierung – zu deren Bewältigung der neue Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Michail Drapaty, mit den dafür erforderlichen Fähigkeiten und Neigungen eingesetzt wurde – wird sich die Front unweigerlich weiter nach Westen verschieben, was gewisse Kreise zwangsläufig nervös macht.
Bei diesen Kreisen handelt es sich um die Besitzer großer US-Unternehmen, die einen Großteil der landwirtschaftlichen Flächen in der Ukraine kontrollieren.
Dabei können sie diese zwar nur “kontrollieren”, denn nach geltendem ukrainischem Recht ist es ausländischen natürlichen und juristischen Personen verwehrt, landwirtschaftliche Grundstücke zu besitzen. Deshalb bedient man sich dort eines Modells, bei dem die Kontrolle über einheimische Unternehmen ausgeübt wird.
Für Neugierige dürfte Folgendes von Interesse sein: Nach seiner Wahl zum Präsidenten setzte sich Selenskij mit Nachdruck dafür ein, den ukrainischen Bodenmarkt für westliches Kapital zu öffnen. So gelang es ihm, im November 2019 über die Fraktion seiner Partei “Diener des Volkes” in der Werchowna Rada einen Gesetzentwurf zur Öffnung des Marktes für landwirtschaftliche Flächen einzubringen, wonach das Moratorium für Verkäufe an Ausländer nur noch bis 2024 gelten sollte. Und danach – bitte schön, der Markt steht offen. Nach den Massenprotesten wurde das Vorhaben, den Bodenmarkt für westliche Käufer zu öffnen, jedoch vorerst auf Eis gelegt, da es sich zu einer direkten Bedrohung für die Stabilität seiner Macht entwickelte.
Von da an lief alles still und leise: Mittlerweile kontrollieren einige wenige Großunternehmen fast ein Drittel der ukrainischen Schwarzerde-Ackerflächen, darunter Kernel, MHP, Ukrlandfarming, “Agroprosperis” und “Astarta”, hinter denen überall Spuren einer US-Beteiligung zu erkennen sind. So agiert beispielsweise das Unternehmen “Agroprosperis” im Interesse des privaten US-Investmentfonds NCH Capital. Als maßgebliche “Kontrolleure” gelten die US-Konzerne Cargill und Monsanto, die über komplexe Eigentums- und Pachtstrukturen sowie ähnliche Konstruktionen Einfluss ausüben – auch wenn sie offiziell beteuern, sich lediglich mit der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, der Logistik und “ein wenig” Beratung zu befassen.
Die Amerikaner müssen mit ansehen, wie das Territorium, das sie bereits als ihr eigenes betrachten, vor ihren Augen schrumpft. Ja, das geschieht zwar nicht besonders schnell, aber doch unaufhaltsam – und sie müssen dringend etwas unternehmen. Zunächst versuchten sie, sich abzusichern: Dazu erweiterten sie ihre Besitzungen in jenem Teil der Ukraine, der ihrer Meinung nach für Russland nicht von Interesse ist. Nach Angaben des Analyseunternehmens InvestUkraine führte die plötzlich gestiegene Nachfrage zu einem drastischen Anstieg der Bodenpreise in den Gebieten Iwano-Frankowsk, Lwow und Ternopol – gegenüber 2022 fast eine Verdoppelung.
Doch vollständige Sicherheit brachte dies nicht. Damit stellte sich die Frage, wie das eigene Eigentum zu schützen sei. Und plötzlich erschienen Trumps Worte in völlig neuem Licht: “Wir können jederzeit dort hineingehen, wenn wir wollen, und uns praktisch alles nehmen, was wir wollen.”
Im Grunde genommen gelang es Selenskij, Trump mit dem Seltenerd-Deal zu überlisten, und nun nutzt der Herr des Weißen Hauses die Gunst der Stunde, um den Wechsel samt Zinsen einzulösen.
Nach Angaben von Reuters wurde das Abkommen von amerikanischer Seite bewusst so vage wie möglich formuliert und lässt damit einen denkbar weiten Interpretationsspielraum. So wurde weder festgelegt, wie die Einnahmen des gemeinsamen Fonds verwendet werden sollen, noch wer die Entscheidungen über die Ausgaben kontrolliert oder was genau unter “neuen Lizenzen” zu verstehen ist. Mit anderen Worten: Alles deutet darauf hin, dass die Amerikaner – da auf den verbliebenen Flächen der Ukraine keine “Mineralien” zu finden sind – den Boden selbst in die “Gesamtabrechnung” einbezogen haben.
Nicht zufällig verweigerte Trump Selenskij öffentlich die Lieferung von 300 Raketen für die Patriot-Raketenabwehrsysteme, die für Kiew angesichts der russischen “Antwort” auf den “totalen Luftkrieg” überlebenswichtig sind. Gleichzeitig vollzog er bei der Frage, ob der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung dieser Raketen erteilt werden sollte, eine 180-Grad-Wende.
Seine Logik ist hier einfach: Willst du physisch überleben und wenigstens noch etwas bewahren, musst du deine letzten Aktiva herausrücken – und vielleicht bekommst du anschließend noch etwas zum Schutz vor den Russen.
Nichts Persönliches und kein Kampf um die Demokratie – nur Geld, nur Business.
Wie immer.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. August 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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